Gestorben wird immer!

Die Friedhöfe.

1950er Jahre
(Foto Struttmann, Nachlass Willi Müller, StABS)

Auf dem Kirchhügel

Seit altersher (bald 1000 Jahre) wurde an der Kirche auf dem Hügel beerdigt.
Seit der letzten großen Kirchen-Renovierung (1969 - 1972) sind lediglich zwei Grabsteine noch sichtbar.

Direkt neben dem Haupteingang auf der südlichen Seite befindet sich der älteste Grabstein.
Er gedenkt dem Justizrat Chritoph Wehmuth (geb. 05.08.1773, gest. 14.01.1831)

(Auskunft Anja Danneberg 23.01.2019)

(2017, Foto: R. Boehm)

(2017, Foto: R. Boehm)

Die Inschriften des Steines sind im Verlaufe der Jahrhunderte stark verwittert.

(Fotos: R. Boehm. alle von 2008)

Südliche Seite (vs.), vermutlich:

Östliche Seite:

Geboren den

5ten August

1773.

Starb den 14ten

Januar 1831 

Nördliche und Westliche Seite:

Der Hoffnung
milder Strahl
verklä...

An der süd/östlichen Ecke steht dieser Grabstein für Herrn Steph.

(Fotos: R. Boehm. Oben links von 2008, alle anderen von 2017)

Südliche Seite (vs.) (vermutlich):

 HIER RUHET
Der Vielgelittene u. w. Theu=
Freund Geliebte Sohn und Bruder 
I.G.F. Steph
geb. den 7ten Juni 1806
gest. den 28ten October 1828 Gewittmet. Von seinen Eltern
und Geschwistern

Westliche Seite:
Bildnis einer Weinranke

Östliche Seite:

Bildnisse eines Zirkels, eines Lineals und eines Stiftes.

Georg Carl Friedrich Steph wurde am 7. Juni 1806 als Sohn des Johann Friedrich Steph und der Maria Eleonora Elisabeth geb. Wienrich (oo 7. März 1797) geboren. Er verstarb am 28. Oktober 1828 "als der Baukunst befließner" (Günter König, handschriftliche Notiz, StABS ohne Nummer, Info wohl aus dem Kirchen-Archiv)

Nördliche Seite (rs.):

 RUHE
sanft, guter
Sohn und
Bruder. Bis
wir uns
wieder Sehn

Am Bornweg (Pfaffenberg)

Erst am 26.02.1839 wurde der Friedhof am Pfaffenberg eingeweiht; er reichte von den noch stehenden alten Eichen am Bornweg bis zum Pfaffenborn und hoch bis zum Fünfminutenweg. Die Pforte am Bornweg bestand aus zwei großen Natursteinen, auf denen ein schwerer Naturstein mit Inschrift ruhte. An der steilen Pfaffenberg-Straße waren Fichten gepflanzt, die in den Jahren bis nach 1945 alle faul vom Sturm stürzten oder gefällt werden mußten. (Zweiter Wuchs mit den Eichen, die noch stehen).

(vgl. Selmar Müller: Erinnerungen. Maschinegeschriebenes Skript, StABS ohne Namen)


Das erste Begräbnis galt der Frau des Ratmanns Schwäbe.

Beerdigungen

Früher wurden die Toten auf Stroh gelegt, bis ein Tischler einen Sarg gemacht hatte. Die Leichenträger holten die Särge von den Häusern tragend ab, durch den Ort bis zum Grab. In einer Hand hatten sie einen schwarzen Stab, der zum Ausruhen unterwegs als Stütze unter den Sarg gestellt wurde. Erst später, nach 1900 (?) [BRESLAU] wurden die Särge mit Leichenwagen zum Friedhof gefahren. Die Pferde wurden in schwarze Tücher gehüllt, wo nur die Augen der Pferde zu sehen waren. Die Grasflächen zwischen den Gräbern waren vom ersten Weltkrieg an verpachtet. Dafür mußten die Pächter die Wege in Ordnung halten.

Im 2. Weltkrieg wurden von der Schule Maulbeerbüsche gepflanzt für Seidenraupenzucht. Aus diesem Versuch wurde aber nichts (Auch der Versuch unter Friedrich dem Großen war hier in Sachsa damals schon gescheitert!)

(vgl. Selmar Müller: Erinnerungen. Maschinegeschriebenes Skript, StABS ohne Namen)

"Alter Friedhof" mit "Armen-Haus"
(Pharus-Plan, um 1920)

(05.10.1950, BSN)

Klapperoth`s Hannechen

Ein Alt-Sachsaer Original

Bad Sachsa. Jo, so es das Laeben nune mol. Menschen kommen uff die Waelt, warn groß un stark, warn wedder kleine un gehn nochter wedder ob in`s große Paradies. Die meisten sinn nochter au schnaelle in Vergessenheit jeroten. Waenn mie awer mol so die ohlen Originale, die einen so in Laeben begegent sinn an sinnen Auen verbiestolziere ledt, do fellt einen dach von dissen un jenen so`n Mehlichen Spaß in.

In guter Erinnerung bliewet do ver uns ohle Sachsaer "Klapperoths Hannechen". Ich sieh`s nach ver mich, wenn es in sinnen brunen Beiderwannskleide, uffen Koppe en schwarz-graues Kopptuch un uff`n Buckel sinn Tragekorb daen stickeln Pfaffenberg runger kamb. In der Hand hatte es immer so en derben Haselnusknippel, denn sinne Beine wullten au nich mehr so richtig metspeele. Hannechen wohnte in Totengraeverhuhse obene uffen ohln Friedhowe. Mie Jungens nannten das Hiesschen kurzimme Hannechen sinn Schleßchen. Minn Frind Fritze hatte allerdings das Schleßchen "Villa Totenknochen" jetauft, das klung so`n Mehlichen gruselninger un paßte mehr ver unse Wippchen und dummen Streiche.

Nune mißt ihr aber wisse, daß Hannechen von Jugend ahn einen Fehler met uf die Welt jekrein hatte. Das arme Tierichen stotterte nahmlich, un das war in sinnen ohlen Tagen nach vele Schlimmer jeworn. Waen es nune die Wörtersch bin spraechen nich schnaelle jenung ruhs kreig, trampete es immer met daen rechten Fuße uff un knepp die Auen derbie zu. So kambs daenn immer wedder in Schwung. Lease un schriewe kunnte es aber au nich. Es machte einfach drei XXX. Einmohl kreigs aber nune mohl von sinnen Tochter en Brief, daen luhs es sich von Brieftraeger verlaese. Der meinte nochter versch "Hannechen, du best wol nich in die Schule jegehn, daß de laese un schriewe kannst". Do meinte Hannechen druff: "Minn Va-a-a-ter es hu-undert Joh-h-re ohlt jeworn, un k-u-unte au nich l-a-a-se un schrie-e-we. Ob du h-u-undert Joh-h-re ohlt wer-r-scht, das gle-w-we ich nich un du k-a-a-nnst dach laese."

Ver uns junge Remonte war grade der ohle Friedhof un Hannechen sin Schleßchen das richtige Eldorado ver allerlei dumme Zick un Spukgeschichten. Owends, so non Fierobende, trafen mie uns meistens do obene. Waenn denn der Mond so uff die Grabsteine schenn un in daen großen Fichten der Totenvogel "uhu" gaakete, war`s einen jo manniches mol derbie gruselning. Eines Obends nune, wie mi wedder uffen ohlen Friehowe rimmstaarten, meinte dach einer von unser Rottekora, "ob sich woll Hannechen eigentlich hier obene nich fercht" (fürchtet). Es wurde gliech beschlossen, das werd hiete owend nach uhsprowiert.
Gustav, daer domols uf der Gemeine in der Lehre war, sahte: "Ich ha eine feine Idee. Ihr mißt aber mol en Mehlichen worte." Gustav suhste bie sinn Meister hingene in Gorten rinn un es duhrte au nich lange, do kamb he met en Bettlaken ungern Arme wedder ihn. He hung sich das Ding immer un do saak ge drinne uhs, wie so`n Kemmelterkc. Mie mußten alle schunn so lache aber die richtige Prozedur sollte dach jetzt erscht loos geh.
Gustav marschierte nune loos wei so`n Jespenst un mie andern hingerne haer. Hannechen sinne "Villa Totenknochen" lag so scheene in Mondschiene un uf einrer Fichten gaakete d`r Totenvogel weder "uhu - uhu". Unger Hannechen sinn Faenster wurde halt jemacht. Einer steekerte met ein Knippel an Faensterladen rimm unklppete nochter feste druffe rimm.
Do gung pletzlich die Luken uff un Hannechen guckete in Hemmede uhsen Faenster ruhs. Do fung das Jespenste ahn zu brummen un knurren un stehnte ganz erberlich. Wie Hannechen diss saak un hoorte, verlente es ver lutter Angest das Stottern. Es trampete feste mett`n Fuße uff un schmeß daen Fensterladen zu. So ganz stiekum han`n  mi uns nochter verdrucket. An annern Tage sockete Hannechen in der Sachse immerhaer un verzahlte aewerall, das es jetzt uffen Friedhowe spiekete un es hette das Jespenst jesiehn un immer hette es aunach "uhu"jerufen.

Von disser Ziet ahn hatte Hannechen jeden Obend viele Besuch, denn alle wullten dach mol das Jespenste sieh. Aber das Jespenste tat keinen Gefallen un kamb wedder. Wie sich Hannechen so langsam beruhigt hatte, do war uff einmohl eines Obends das Jespenste dach wedder do. Nune platzte Hannechen aber dach daer Flitzebogen. Jetzt kreig ses dach met der Angest. An annern Morgen gungs bin Borchemeister, daer domols nach in ohlen Rothuse in der Uffestroße sinne Büros hatte. Das ganze Rothuhs hätt`s rewaellsch jemacht. Daer Borchemeister v.d.Boehm verstund Spaaß und gung au uff Hannechen sinn Sacktich in. Mie muß sich boß mol verrstelle, wie Hannechen do loosjeläht hätt un met sinn Fuße uffjetrampet hätt.

"Herr B--b-b-b-orche-m-meister, ä-ä-ä-äs es nich meh-h-h-r zun U-u-uhshooln. Ich schlo-o-o-o-fe nich mehr do obene."
Daer Borchemeister wullte dach Hannechen aber wedder beruhige un saedte: "Was häst denn man Hannechen, es gitt dach gar keine Jespenster."
"W-w-w-w-ass, Herr B-b-b-b-orchemeister, un waenn s-ss-sis nich glau-we wulln, da-a-nn schloof-fen se mol bie mich u-u-un sie solln mol siehm wi-is-s spieket."
(signiert A.S., BSN 18./19.02.1961. Vgl. im Folgenden)
Hannechen verstarb im Jahre 1920 im Krankenhaus zu Bleicherode und wurde dort auf dem Friedhof beigesetzt (hds. Notiz: Günter König)

Das Armenhaus und Selmar Müller

(die Fotos und Texte stammen, soweit nicht anders vermerkt, von Selmar Müller aus seinen
"Erinnerungen - Alter Friedhof und Pfaffenberg 24", StABS ohne Nummer)
Diese Erinnerungen schrieb Selmar Müller
geboren am 19. März 1903 im Juli 1983

gestorben 16. März 1997


Waldidyll am alten Friedhof

(1920er, AK. Slg. R. Boehm 785)

 In 1856 wurde der Friedhof um 3 Morgen und 81 Quadratmeter erweitert und terrassiert; auf der oberen Terrasse wurde für den Totengräber, er war gleichzeitig auch Gemeindediener und Ausklingler, der die Bekanntmachungen im Ort zu verkünden hatte, ein Fachwerkhaus errichtet. 
Mühsam muß sich der Totengräber in den steinigen Felslöchern gequält haben, bis er abends den Mittelweg des Friedhofes noch zum Hause ging.
Ein fast gleiches Haus oberhalb des Hauses diente als Holz und Ziegenstall. An diesem Stall war ein Plumsklosett. Dieses Haus wurde 1937 abgerissen.

(1945)

Das Schlößchen

Mit Genehmigung des damaligen Bürgermeisters Griepentrog zog ich (mit meiner Frau Hermine geb. Engel und drei Kindern [geb. 1925, 1926 u. 1929]) am 15.3.1930 in das Haus, Pfaffenberg 24. Nach und  nach machte ich die Wohnung und das Äußere zu einem menschenwürdigen Dasein. Von
1856 bis 1945 mußten alle im Haus Pfaffenberg 24  (so hieß es zuletzt - früher hieß es Schlößchen) wohnenden ihr Wasser vom Pfaffenborn den Berg hinauf tragen, mit Tragholz oder Trageschanne, wie es im  Volksmund hieß. Erst 1945 wurde von der Straße her ein Wasseranschluß gemacht. Elektrisches Licht bekam das Haus um die Jahreswende 1935/1936.

(1956)

Jedes Jahr in der Frühe bei Schneetreiben machte ich das Plumskloh leer. Wenn es trotzdem noch von Vorbeigehenden gerochen wurde, sagte ich: "Es ist nur altes Essen und Trinken oder aprilfrische Landluft".
Das Haus wurde einmal von Maler Kühnemund und dreimal von mir selbst gestrichen.
Meine Verpflichtung der Stadt gegenüber mit Auflage von Richard Heise
[Anm.: Stadtverwaltung Bad Sachsa] bestand darin, das Haus und die Umgebung sauber zu halten.

Von alten Sachsaern erzählt, soweit ich noch erinnern kann, wohnten im Hause etliche Gemeindediener, Klavierstimmer Müller, Familie Nicolai, Frau Friedrich, die vor Jahren weit über 80 war, ist darin geboren. Hannichen Klapproth, Krieger, Scherenschleifer Baumeier, Detke und viele Andere.

Klapproth`s Hannichen

(1920er, AK. Slg. R. Boehm 785. Vgl. weiter oben)

 Ein Original war Hannichen, weil es stotterte und dann immer mit dem Fuß dabei Takt schlug. Die Bäckerjungen von Voigt (Lautenbach) spielten abends den heiligen Geist, erschienen in Bettlaken gehüllt und klopften bei Hannichen ans Fenster. Beim Bürgermeister beschwerte sie sich: "Und wenn Sie das nicht glauben, müssen sie mol bi  mich schlofen, Her Bürgermeister Deibel. Jagen Sie doch diesen Klapproth, diesen Bappuf, diesen Pfuidian zum Deibel." An einer Tür soll gestanden haben "Hite hätt unse Zein gebockt".

(1927, Foto. Slg. R. Boehm)

Geschichte wandelt sich und muss wandern...

Nachdem unser Heimatmuseum im Jahre 1932 mit Unterstützung des Magistrats (BSN 24.12.1931 + 14.01.1932) von dem Lehrer i.R. Gustav Winkler gegründet und  in einer Volksschulklasse an der Pfaffenwiese eingerichtet worden war, siedelte es bereits 1937 um, denn "Die behelfsmäßige Unterbringung unseres Heimatmuseums in einer leerstehenden Klasse unserer Volksschule ist, auf die Dauer gesehen, mit den Interessen unseres Badeortes nicht vereinbar und vom 1. April 1937 ab aus schultechnischen Gründen nicht mehr möglich. Eine würdige Stätte ist in dem Fachwerkhause am alten Friedhof gefunden" (BSN17.10.1936) und am 01.08.1937 feierlich eröffnet worden (BSN 31.07.1937).


Das Heimatmuseum

Mit dem Lehrer i.R. Winkler beteiligte ich mich am Aufbau eines Heimatmuseums (1934?). Mit einer amtlichen Liste ging ich sammeln.
Eins ist mir noch in Erinnerung, ich klingelte bei Frau Pastor Willerbach, Finkenweg 2. Ein großer Schäferhund bellte hinter der Tür. Die Frau sagte immer, bringe ihn weg und ließ den Hund hinten raus. Er kam die Treppe hochgesaust und bellte mich an. Sie öffnete die Tür und entschuldigte sich. Als ich sagte, daß ich für ein Heimatmuseum sammle, sagte sie: "Ich gebe nichts".
Die zusammen getragenen Sachen wurden in einem Klassenzimmer der Volksschule untergebracht. Ein großer Webstuhl 2 x 2 m [Anm.: wohl das einzige Stück, welches die Nazis nicht der Vernichtung preis gegeben haben!], etliche Zündsteinrevolver, große Glaskästen mit Erzsteinen, eine völlig verwurmte Christus-Statue und vieles Andere.
1936 wurde das Heimatmuseum nach Pfaffenberg  24 verlegt und ich mußte ausziehen. Der Auszug aus dem Hause viel mir nicht leicht und ich hatte immer die Hoffnung mal wieder einziehen zu können.
1940 wurde in dem Haus am Pfaffenberg eine Feuerwache eingerichtet. Später wurde das Haus Hitlerjugendheim.

(1961)

2. Einzug

Nachdem ein kleines Stallgebäude angebaut war, zog ich 1945 wieder in das Haus. Im Haus sah es verwüstet aus, die Stubendecke war herruntergekommen. Auf den Fußböden waren Farbtöpfe umgetreten, im Flur war etwas verbrannt worden, so daß die Balken angekohlt waren. Der Keller war bis oben hin gefüllt mit Fahnen, Lumpen und Schutt.

Mein Hobby war der Garten. Vorm Gartenbauverein erhielt ich einmal einen 1. und zweimal einen 2. Preis im Blumenwettbewerb.
In den Jahren stürzten beim Sturm drei dicke Fichten am Hause nieder, zum Glück beschädigten sie nur den Garten und die Obstbäume, die ich alle als kleine Setzlinge veredelt hatte und nun große Bäume geworden waren.


Dieses Gemälde, von Selmar Müller selbst angefertigt, hängt heute im Wintersport- + Heimatmuseum Bad Sachsa.

Das Ende des Hauses

Das Haus, von der äusseren Schönheit und Lage, von vielen bewundert. Ich habe 40 Jahre meines Lebens in meinem Blumenparadies verbracht.
Der hintere Schwell-Balken des Hauses wurde morsch, die Fenster gingen kaum noch auf. Ich bat die Stadt das Haus zu unterfangen. Es wurde versprochen, aber Jahre vergingen. Nun ging ich selbst dran. Stück für Stück habe ich den morschen Balken entfernt und die ganze Front (11 m) untermauert.
Die Fußböden der hinteren Kammern mußten alle paar Jahre erneuert werden, weil die hintere Nordseite sehr feucht war.
Im Herbst 1979 zogen wir schweren Herzens aus. Zwei Jahre stand das Haus leer, von der Jugend stark demoliert, bis die Stadt es abreißen ließ. Mancher Spaziergang führt uns noch an den Ort und betrachten mit Wehmut die Stelle wo das Haus stand.

Mit seiner Waldzither hat Selmar Müller uns über Jahrzehnte an jedem Montag (das Kurorchester hatte Ruhetag) entweder am Schmelzteich oder am kleinen Teich im Kurpark mit seiner Musik erfreut. Wir vermissen ihn!

Folgende Grabstellen waren 1981/1983 noch auf dem

"alten Friedhof" zu erkennen

(Stadtarchivar Günter König beschreibt 1981 noch eine weitere "Steinerne Grabplatte auf dem alten Friedhof" mit "buchstabengetreuer Abschrift" (ohne Abbildung):
"Hier ruhet sanft
Frau Louise Christiane
Frind geb. Hempel
Geb.: den 13. Jan. 1812
Gest.: den 25. März 1874"

(1983,
Foto: Günter König 78/18)

In der Böschung, 10 Meter vor dem Haus waren Grabkammern von Wohlhabenden eingebaut, die mit Grabtafeln kenntlich gemacht waren. An der Grabkammer zum Pfaffenberg hin stand:
"Erbbegräbnis Euling und Steph"
[vgl. den Grabstein auf dem Kirchhügel]. Diese Grabkammer ist 1948 eingestürzt.

Buchstabengetreue Abschrift der steinernen Grabplatte durch Günter König (StABS):

"Erbbegraebniss für die
Familien
C. Euling
und
C. Steph"

(1983,
Foto: Günter König 78/19)

Daneben eine Grabkammer:
"Pastor Holzhausen und Uhrmacher Otto", 1943 eingestürzt. Beide Stirnmauern sind noch erhalten. Das Gewölbe hatte nur eine Decke aus Kieselsteinen und gips von 20 cm.

(1983,

Foto: Günter König 78/20) 


Buchstabengetreue Abschrift auf der gußeisernen Tafel durch Günter König (StABS):

"ERBBEGRÄBNISZ
FÜR DEN
PASTOR HOLZHAUSEN
UND DEN
UHRMACHER OTTO"


Diese Platte befindet sich heute im Wintersport- + Heimatmuseum Bad Sachsa.

(1983,
Foto: Günter König 78/18)

An der Grabkammer 20 Meter links stand auf der eisernen Tafel "Erbbegränisz der Familien von Minnigerode und Bötticher, die richtig vor sich gewandelt haben kommen zum Frieden und ruhen in ihren Kammern."

Dieses Gewölbe glich einem großen Mausoleum, es bestand aus einer Grabkammer, in der 5 Särge standen. An einem Sarg war ein Emaille-Schild: "Christoph Ludwig von Minnigerode und Bötticher 1856 (Erinerung). Diese Kammer war mit einer Eisengittertür verschlossen. Der Vorraum, als Betraum gedacht, hatte eine Eichentür.

(1983,
Foto: Günter König 78/19)

Nachdem die Türen zum Teil verwittert und die Särge zu sehen waren, wurde damit nur Spuk und Frevel getrieben. Nachdem ich Steine, Scherben und Unrat ausgeräumt hatte, wurde die Gruft von Otto Müller, Pfaffenwiese 1935 zugemauert, unter Aufsicht von Maurermeister Herrn Behnsen. Der Mauer Otto Müller verewigte sich mit einer Flaschenpost, die er mit in die Grabstelle stellte.
Im Laubgestrüpp fand ich die Inschrifttafel, die ich einfettete und wieder in die Steinfugen befestigte.
Nachdem sie nach Jahrzehnten wieder lose war, übergab ich sie Herrn König als Altertum.

Dem Trauregister ist zu entnehmen, dass Carl Gustav Boetticher, Restaurateuer in Sachsa, am 1. Dezember 1876 Christiane Friederike Auguste Mollwitz geb. von Minnigerode ehelichte.
(oo-Reg. 1876/11).

(1983,

Foto: Günter König 78/20) 


Buchstabengetreue Abschrift durch Günter König (StABS):

"ERBBEGRAEBNIS DER FAMILIEN
VON MINNIGERODE
UND BOETTICHER
DIE RICHTIG VOR SICH
GEWANDELT HABEN
KOMMEN ZUM FRIEDEN UND
RUHEN IN IHREN KAMMERN"
(Jesayas 57,2)

Das Ende der großen Grabkammer

Jugendliche brachen die Kammer auf, durchwühlten die Särge. Nachkommen meldeten sich nicht.
Nachdem die 5 Zinksärge von der Stadt und mehreren Personen besichtigt waren, wurde die Gruft mit dem Bagger dem Erdboden gleich gemacht, weil der Friedhof schon ab 1900 als beendet angesehen wurde.

 Die Tafel befindet sich heute im Wintersport- + Heimatmuseum Bad Sachsa. 

1983 werden die letzten Zeugnisse des "alten Friedhofs" eingeebnet
(Fotos: Günter König)

Der Heldenhain

1921 wurde für 60 Gefallene des ersten Weltkrieges ein Heldenhain geschaffen (begradigt). Bei der oberen Hälfte mußten viele Gräber weichen. Zum Bewegen der Erde wurden Kipploren mit Gleisen verwendet, die jeden Abend dann von der Jugend zum Spielen benutzt wurden, bis die Loren dann immer den Pfaffenberg hinuntersausten. Auf dem geschaffenen Plateau wurden für jeden Gefallenen eine Linde gepflanzt.
Um den ganzen Friedhof herum pflanzte man eine Weißbuchenhecke, die nie wieder gepflegt wurde. von denen noch einige als Baumriesen stehen. Der ober Teil (Kinderfriedhof) wurde Rasenfläche und mit Knollenbegonien bepflanzt.
In der Mitte des Doppelkreises der 60 Linden wurden 1934 (?) das Denkmal gesetzt. Es steht auf einem Betonsockel zwei Meter im Quadrat. Der Gedenkstein ist ein Naturstein aus dem Harz. Er wurde mit Lohoffs schwerem Holzwagen mit 6 Pferden-Gespann herbeigeschafft.
Mit Flaschenzug und Dreibock wurde der Stein auf den Sockel gehievt. Der Sockel wurde mit großen Quadern vom Ravensberg umsetzt. Die Gedenktafel wurde von der Firma Beyermann angebracht.
Die hintere Gedenktafel für die Opfer des 2. Weltkrieges wurde erst um 1950 angebracht.

 
(Selmar Müller: Erinnerungen. Maschinegeschriebenes Skript, StABS ohne Namen)

"DEN GEFALLENEN
HELDEN
1914      -      1918"

(2007, Foto: Hans-Jürgen Liebau)

Zuerst standen hier die Namen der Gefallenen 1914 bis 1918. Diese Tafeln wurden entfernt und (vermutlich 1959) ersetzt durch:
"DEM GEDENKEN
UNSERER KRIEGSOPFER
1939     -    1945"


(Foto: Tom Schreiber, Facebook 18.11.2018)

Aufstellung des Denkmals
(1933/1934, Fotoalbum Rothenberg)

Einweihung des Denkmals
(wohl 1934, Fotoalbum Gundlach I)

Luftschutzgräben
Am Bornweg entlang auf dem Friedhof wurden während des 2. Weltkrieges Luftschutzgräben ausgehoben. Sie wurden nach dem Kriege wieder zugefüllt und eine 100 Meter-Laufbahn hergerichtet. Die Volksschule wollte nun den Friedhof als Sportplatz haben. Die Stadt gab 40.000.-- aus, aber die Begradigung konnte nicht erreicht werden, weil das Gelände zu steil war.
Nun wollte der Reichsbund auf dem Friedhof bauen. Aus Protest wegen Pietätlosigkeit legte Ratsherrin Börgardts geb. Kälz das Mandat nieder (über den -eingeebneten- Gräbern ihrer Vorfahren sollte nicht gebaut werden).
Genehmigt wurde nach Jahren der Bau des Diakonischen Werkes, in einem viel größerem Ausmaß, mit der Auflage, unter den dicken Eichen einen Spielplatz für die Volksschule zu lassen. Da die Ausschachtung links mit einer Felshöhe von 15 Meter nicht mehr weiter ging, wurden die Gebäude fast an die dicken Eichen gebaut. Bei dem Ausbackern mußten nun ja auch Gräber dran glauben und mancher Knochen wurde sichtbar.
Vor dem Seniorenheim des Diakonischen-Werkes ließ man eine etwa 30 Jährige Eiche Stehen.
Für die Kinder wurde ein kleiner Spielplatz am Heldenhain gebaut und ich mußte für die Volksschule mein unteres Gartenland hergeben.

 
(Selmar Müller: Erinnerungen. Maschinegeschriebenes Skript, StABS ohne Namen)

 Das alte Friedhofsgelände  mit dem Denkmal.

(1963 vermutlich, Foto Struttmann im Auftrage der Stadt Bad Sachsa)

 Der alte Friedhof soll nun auch offiziell Spielplatz werden!

Eine "Lebhafte Ratssitzung" hatte bereits 1951 u.a. zum Inhalt "die Schaffung eines genügend großen Schulhofes für die Volksschule, wofür als besonders geeignet der alte Friedhof am Pfaffenberg genannt wurde". (BSN 21.03.1957). Der Antrag wurde aber erstmal an den Bauausschuss verwiesen... 

(17.12.1963, BSN)

(17.12.1963, BSN)

(17.04.1978, BSN)

(14.10.1977, BSN)

Ein starkes Wetter hat wiederverwendete Grabsteine am Bach im ausgehenden Westertal freigegeben (Höhe Minigolfplatz, 2014-01-15, Foto: R. Boehm)

Anlage eines neuen Friedhofs 1897 am Wiedaer Weg

(heute Erbhaistraße)

 "Das dem Fuhrwerksbesitzer K. gehörige Leichenfuhrwerk bewährte sich auf das Beste."

(02.02.1897, BSN)

"Am letzte Donnerstag" war der 15. April 1897 (17.04.1897, BSN)

1898 wurde auf der neue Friedhof eingezäunt und die Leichen= und Begräbnishalle errichtet, die aber bereits 1909 abgebrochen und mit Kosten von 5.350 Mark schöner und besser ersetzt wird.
(BSN 16.03.1909, 22.05.1909)
1910 wurde der Ehrenbürger Forstmeister Baer "an der Stelle beigesetzt, die er sich auf dem nach seinen Plänen umgestalteten Friedhof schon vor Jahren selbst ausgesucht und mit Waldbäumen bepflanzt hatte"
(BSN 10.11.1910)

Vermutlich 1957 fotografierte Stadtdirektor Willi Müller die Wasserentnahmestellen...

(1957?, Positive im StABS)

und Anfang der 1960er Jahre die neuen Anpflanzungen auf dem Friedhof...

(Negative im StABS)

Den Bad Sachsaer Nachrichten ist am 21. Juni 1963 zu entnehmen, dass während eines Dia-Vortrages Dr. Martins im Verkehrsverein die "Grüngestaltung des Bad Sachsaer Friedhofes: besonders mit den beiden schönen Alleen, dem edlen und doch so schlichten Ehrenmal und der Verwendung heimischen Materials (Dolomit)." "Mit lobenden Worten bedacht" hatte.

sowie die neugestalteten Eingänge (Dolomit der Firma Beyermann).

(obere Reihe Nachlass Willi Müller, untere Reihe Foto Struttmann, StABS)

"350.000 DM für den Umbau der Friedhofskapelle", so titelte der Harz Kurier/BSN in der Wochenendausgabe 11./12.04.1992.

Ansicht der denkmalgeschützten Kapelle mit Eingang von Osten.
(23.04.1992, Harz Kurier/BSN)

"Der von Probst vorgestellte Entwurf sieht eine Auffahrrampe für Behinderte am Haupteingang ebenso vor, wie den Neubau eines Nebengebäudes der Kapelle, in welchem zwei Aufbahrungsräume, ein Vorbereitungsraum für den Pastor, ein Raum für die Träger sowie ein Sanitärraum Platz finden werden."(11./12.04.1992, Harz Kurier/BSN)

Ansicht von Süd/Osten.

"Auch soll ein neuer Eingang nunmehr an der Rückseite des Gebäudes angebaut werden."  

(29./30.08.1992, Harz Kurier/BSN)

Im Wahlkampf ist dem Harz Kurier /BSN am 13.07.1996 zu entnehmen: "Eine Gruppe von CDU Ratskandidaten hat sich die Realisierung des Anbaues für 1998 vorgenommen. Es wird versucht, wesentliche Teile der Finanzierung durch Spenden aufzubringen."

Jetzt geht es zügiger voran! Dem Harz Kurier/BSN vom 11.03.2000 ist zu entnehmen:
"Ein weiterer Tagesordnungspunkt betraf die Friedhofskapelle, die sich, so machte es Ausschussvorsitzender August Niemerg deutlich, in einem unwürdigen Zustand befinde und viel zu klein für größere Beerdigungen sei. Der Ausschuss entschied sich für ein Model des Bauamtes, das eine Erweiterung und des Ausbau des Gebäudes vorsieht. 150.000 Mark sind dafür im Haushalt bereits eingeplant, eine Summe, mit der man möglicherweise auskommen wird, hofft die Bürgermeisterin" [Helene Hofmann]. 

Der Spatentisch erfolgte im Mai 2001 (Harz Kurier/BSN 12.5.2001)
Der Rohbau steht; der Wanddurchbruch und endgültige Ausbau des Altbaues kann vorgenommen werden (Harz Kurier/BSN 02.02.2002) 

(Harz Kurier, 02.02.2022)

Gestorben wird immer!

Volkstrauertage

und der Ehrenhain auf dem neuen Friedhof
_
Kriegsgräberstätten - Orte der Erinnerung des Gedenkens und des Lernens
"Auf diesem Friedhof ruhen in einer gepflegten Gräberstätte am Ende des Hauptweges und einem Vierergrab rechts am Hauptweg in Friedhofsmitte - nach den uns vorliegenden Informationen - insgesamt 25 Tote beider Weltkriege und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.
Im Einzelnen:
Gräberanlage am Ende des Hauptweges:
- 8 deutsche Soldaten des Ersten Weltkrieges, verstorben in Lazaretten und überführt;
- 8 deutsche Soldaten, 1 RAD-Arbeitsmann und 1 DRK-Schwester, in Bad Sachsa und anderen Lazaretten verstorben bzw. in den Endkämpfen im Zeitraum 09. - 13. April 1945 gefallen, 1 von ihnen blieb unbekannt;
- 1 Frau aus Bad Sachsa, verstorben 1943 in Berlin und überführt
- 2 sowjetische Kriegsgefangene, umgebettet 2011 von Neuhof
-2 sowjetische und 1 polnischer Zwangsarbeiter, umgebettet 2011 von Tettenborn
Vierergrab am Hauptweg:
-4 Opfer des Nationalsozialismus, ermordet/gestorben 1932, 1942, 1943, 1944. Einer von ihnen ist in der Gräberliste verzeichnet."
(Text und Fotos: Volker Fleig 2014, überarbeitet von Christian Christoph, 13.12.2017)

1953       Volkstrauertag (Foto Struttmann, Nachlass Willi Müller, StABS)

(links Stadtdirektor Willi Müller)

1954       Neuanlegung des Ehrenhains (Foto Struttmann, Nachlass Willi Müller, StABS)

1954       Volkstrauertag (Foto Struttmann, Nachlass Willi Müller, StABS)

Willi Müller (Stadtdirektor) spricht

Benno Heinecke (Pastor) spricht

Bürgermeister Hermann Döbrich (links)

Stadtdirektor Willi Müller (mittig)

1957       Im Vorfeld des Volkstrauertages wird das Holzkreuz ersetzt durch ein Steinkreuz, dessen Linienführung den Umrissen des Eisernen Kreuzes angepasst sein soll. Das Kreuz ist aus einem Stück aus dem heimischen Dolomit gehauen und wiegt etwa 70 Zentner (BSN 02.05.1957)
(Foto Struttmann, Nachlass Willi Müller, StABS)

Wer hats gebaut? wer errichtet?

1957       Volkstrauertag (Foto Struttmann, Nachlass Willi Müller, StABS)

1958/1959       Die sechs Steinkreuze, die 1949 jeweils zur rechten wie zur linken des Kreuzes im Halbkreis angeordnet waren wurden 1958/1959 ergänzt in zweiter Reihe um je ein weiteres Kreuz hinter dem linken und dem mittleren Kreuz; 3 weitere stehen im Rückraum der linken Seite. In den Halbkreis wurden die Namensplatten (ehedem am Ehrenhain am Pfaffenberg) ergänzt.

1977 oder 1978       Volkstrauertag
(Fotos: vordere Reihe: Apotheker Voge (mit Kranz), Bürgermeister Karl Otto Wienecke, Pfarrer Nolte (dahinter FFW F.Borchlng), Pastor Lüke, Herr Ross (mit Kranz).
In zweiter Reihe Michael Wittwer (?) und F. Heidergott (?)
Hintere Reihe von rechts: Herr Bernstorf, Herr Merboth (Fellmütze), davor damaliger PäDa-Oberstufenkoordinator Blaut (Spitzname BIMBO), alle vom Pädagogium. 

1983       Volkstrauertag (Harz Kurier, 14.11.1983)  

2007       Volkstrauertag. Einladung durch die Bürgermeisterin Helene Hofmann. Vergleichbare Einladungen ergingen in den Vor- und Nachfolgejahren (u.a. z.B. 2012 identisch, 2013 hielt die Gedenkrede Pastor Menzel (statt Pfarrer Schwingel); auch Bürgermeister Dr. Axel Hartmann hielt sich an dieses Konzept (z.B. 2015-2018). Ebenso hielt es der 1. stellvertretende Bürgermeister Werner Bruchmann in der bürgermeisterlosen Zeit (2019).

2011       "Nach Abstimmung mit dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge wurden die Arbeiten zur Verlegung der (insgesamt 5 = 2x Neuhof, 3x Tettenborn) Kriegsgräber am 29. November 2011 durchgeführt. Die Umbettungsarbeiten wurden durch den Geschäftsführer des Bezirksverbands Braunschweig, Herrn Michael Grandt, begleitet und fotographisch dokumentiert." 
(Protokoll des Ortsrates Neuhof, 16.01.2021)

IN ARBEIT:
EDUARD KONOTOROWKY 
* 26.3.1915    † 16.3.1943

IN ARBEIT:
IVAN DEGTIAREW
* 10.4.1908   † 6.12.1941

ILIA ARKAEWO
* 20.7.1909 (?)   † 12.1.1942

IN ARBEIT:
Peter xxxxx
* 29.7.01   † 14.12.1941
 

Iwan xxxxx
* 18.7.05   † 12.1.1942

2013       Verwandte gedenken ihrem Angehörigen
(Foto: R. Boehm, 21.04.2013)

2021       Vakanzvertreter Pastor Depker und Bürgermeister Daniel Quade halten die Ansprachen
(Fotos: Bürgermeister Daniel Quade, 14.11.2021 auf Facebook)

2021/2022       Die Gedenkstätte wird gereinigt und geringfügig umgestaltet
(Fotos: Bürgermeister Daniel Quade, 20.05.2022 auf Facebook)

Gestorben wird immer!

Weitere Gräber

Gustav-Adolf Baer
ist
Ehrenbürger
der Stadt Bad Sachsa

Familie Deibel / Ostermann
Louis Deibel ist

Ehrenbürger
der Stadt Bad Sachsa

Familie Döbrich

Hermann Döbrich ist

Ehrenbürger
der Stadt Bad Sachsa

IN ARBEIT:
Dr. Meyer

Gedenksteine für die Opfer des Faschismus sowie Bürgermeister/Stadtdirektor Willi Müller
(2011, Fotos: R. Boehm)

DEN OPFERN ZUR EHR
UNS WARNUNG UND LEHR
Adolf Klapproth Dr. jur. Bernhard Meyer
1932                                 1942
Albert Vieth      Golda-Maria Ebschütz
1944                                1943

Willi Müller
1896 - 1964

Elsa Müller

"Im Vergleich erlebte Bad Sachsa einen frühen Aufstieg des Nationalsozialismus. Bei Wahlen im Jahr 1930 stimmten bereits 31,9 % der Wahlberechtigten für die NSDAP, im Juli 1932 waren es 50,8 % - und damit weit mehr als im Reichsdurchschnitt (18,3 % bzw. 37,3 %). Dies war u.a. Ergebnis einer allgemeinen sozialpolitischen Radikalisierung sowie einer bereits seit Ende 1920er Jahre bestehenden hohen Arbeitslosigkeit, nicht zuletzt aufgrund des Rückganges des Fremdenverkehrs während der Wirtschaftskrisen. Auch im zuvor sozialdemokratisch dominierten Tettenborn gewann die NSDAP deutlich an Stimmen, bei der preußischen Landtagswahl wurde sie von 60 % der Einwohner gewählt.
Die Zahl nationalsozialistischer Veranstaltungen vor Ort stieg seither kontinuierlich an. Im März 1932 kam es in Bad Sachsa nicht nur zu politischen Auseinandersetzungen, sondern auch zu gewaltigen Übergriffen zwischen SA und Arbeitern; zu einer Haftstrafe verurteilt wurde nur ein leicht verletzter Sozialdemokrat. Im Vorfeld der Reichstagswahlen im Juli 1932 führten lokale und auswärtige SA-Männer eigenmächtig Razzien in der durch die Arbeiterschaft geprägte Wiedaerstraße an. Einige Tage darauf überfielen und schossen SA-Männer auf mehrere Sozialdemokraten, von denen einer aufgrund der Schussverletzungen starb. Im Straßenbild, wenn auch nicht in der Politik, dominierten fortan Nationalsozialisten.
Mit Übernahme der politischen Herrschaft durch die NSDAP brachen in der Stadt jedoch machtpolitische Konflikte auf. Laut Markus Jaeger stießen "die von Willkür und Machtmißbrauch geprägte Herrschaft der Nationalsozialisten spätestens seit Mitte 1934 bei einer Mehrheit der Bevölkerung Bad Sachsas auf Ablehnung... ...Gerade jene Mehrheit war es jedoch gewesen, welche die NSDAP bei den Wahlen der Jahre 1932 und 1933 gewählt und ihr damit zur Macht verholfen hatten.
"

(Markus Jaeger: Die Stadt Bad Sachsa im Nationalsozialismus (1924-1935), in www.spurensuche.de/badsachsa. html. [zuletzt in http://erinnernsuedniedersachsen.de/orte-a-c-badsachsa-1.html])

Dieser Gedenkstein für vier zwischen 1932 und 1944 verfolgte Bürger befindet sich seit 1956 (enthüllt 1957) auf dem Friedhof in Bad Sachsa. Er war auf Initiative des Stadtdirektors Willi Müller errichtet und privat finanziert worden; Müller bezahlte den Stein und die Grabstelle zusammen mit der gegenüberliegenden persönlichen Grabstelle für sich und seine Frau Else Müller, geb. Verch.
(http://erinnernsuedniedersachsen.de/orte-a-c-badsachsa-6.html, 04.03.2018)
Else Verch war in 1945 im Borntal für die "Kinder des 20. Juli" zuständig.

Gestorben wird immer!

Der FriedWald Südharz

wurde im Frühjahr 2007 eröffnet.