Bahnhöfe


Bahnhofsgebäude Bad Sachsa, 1896

("Diese beiden Häuser stehen heute in Tettenborn als Wohnhäuser", Burkhard Schmidt)

Infrastruktur erzeugt "Traffic"

Im Jahr 1869 fuhr zwischen Herzberg und Nordhausen der erste Zug. Bad Sachsa ging vorerst leer aus, die nächstgelegenen Bahnhöfe waren Tettenborn, später „Tettenborn-Sachsa“ genannt, und Walkenried. Aus topographischen Gründen und weil das Königreich Preußen und das Herzogtum Braunschweig sich auf eine entsprechende Linienführung geeinigt und dies per Staatsvertrag besiegelt hatten, führte die Strecke hier entlang, überbrückte die Uffe-Niederung mittels eines beachtlichen Dammes und verschwand dann im Einschnitt des Sachsensteins.

Bad Sachsa hat erst seit 1972 einen Bahnhof !

denn zu diesem Zeitpunkt sind Tettenborn und Neuhof (wie auch Steina) eingemeindet worden.

Bahnhof Tettenborn, seit 1869

(1901. AK, Slg. R. Boehm A 189)


Einige Hotels boten ihren Gästen die Abholung am Bahnhof Tettenborn und später am Bahnhof Bad Sachsa mit eigenem Fuhrwerk an. Das war auch nötig, denn hätten die Gäste laufen sollen, wäre ihre Begeisterung für Bad Sachsa sicher weniger groß gewesen. Beamte, so ist es im damaligen Fahrplan vermerkt, durften sich bei Dienstreisen ob der weiten Wege ab „Tettenborn-Sachsa“ ein Fuhrwerk bestellen und dies dann auch abrechnen…
Nach 100 Jahren wird das Empfangs- und Schaltergebäude inkl. Bahnhofsgaststätte 1969 abgerissen (vgl. Burkhard Schmidt)

Bahnhof Bad Sachsa in Neuhof, Baujahr 1896

(1896. AK, Slg. R. Boehm A 236)

Der lange Kampf der Sachsaer um einen eigenen Bahnhof wurde schließlich 1896 belohnt, als auf Neuhöfer Gemarkung eine Haltestelle „Sachsa“ in Betrieb ging.
Trotz der etwas abseitigen Lage wurde die Station - mangels Weichen übrigens offiziell immer nur ein "Haltepunkt" - zum Verbindungspunkt Bad Sachsas mit der großen weiten Welt. In "Richters Reiseführer" vom Harz ist für das Jahr 1912 festgehalten, dass die Post dreimal täglich zum Bahnhof und zurück transportiert wurde . Fünfmal täglich verkehrte eine Personenpost zum Preis von 30 Pfennig zwischen der Stadt und dem Bahnhof. "Hotelomnibusse, die immer in genügender Zahl vorhanden sind", kosteten 50 Pfennig, für "Extrawagen" wurden 2 bis 3 Mark fällig. Mit Omnibus ist hier noch ein Pferdefuhrwerk gemeint, später übernahm aber ein richtiger "Kraftomnibus" diese Verbindung... 

Bahnhof Bad Sachsa in Neuhof, Baujahr 1906

(AK, Slg. R. Boehm 3219)

Am 29. September wurde der Güterbahnhof eröffnet, wo nunmehr Wagenladungen abgefertigt werden konnten. Die Gipsindustrie in Neuhof und Brennstoffhändler in Bad Sachsa waren die wichtigsten Kunden. 1989 wurde der Güterbahnhof, dessen Waggons immer über Walkenried zugeführt und auch nach dorthin abgeholt wurden, wieder aufgegeben und zurückgebaut. 1990 wurde Bahnsteig in Richtung Nordhausen auf die andere Seite der Schranke verlegt. 1996 erfolgte der Ausbau des Vorplatzes zu einer Park- & Ride-Anlage. Aktuell (2015) halten in Bad Sachsa 17 Züge in Richtung Nordhausen und ebenso viele in Richtung Northeim und Göttingen, und zwischen 15 (an Schultagen) und 3 (an Sonntagen) Omnibusse pro Richtung verbinden Bahnhof und Stadt."

Bad Sachsa hat erst seit 1972 einen Bahnhof !

denn zu diesem Zeitpunkt sind Tettenborn und Neuhof (wie auch Steina) eingemeindet worden.

IN ARBEIT

(1901. AK, )



IN ARBEIT

(1901. AK, )

Bahnhof Bad Sachsa in Neuhof

(1987 ca., Foto Thomas Wegener auf Facebook 3.7.2021)

Bahnhof mit gelbem Zug

Führer durch Bad Sachsa am Südharz und Umgebung, von Wilhelm Falk. Bad Sachsa, Verlag von Albert Rüstenberg, 1899


Diese Rechnung wurde dem Gesangverein Liedertafel in den 1890er Jahren vom Hotel Villa Pfeiffer (Bismarckstraße 20) gestellt. Diese brauchten vermutlich weder den "Omnibus am Bahnhof Tettenborn" noch das "Lohngeschirr im Hôtel"
(Rechnung, Slg. R. Boehm)

1930: PS ersetzen Pferde-Stärken

(Bad Sachsa - Bauwerke erzählen Geschichte, R. Boehm und M. Reinboth, Schriftenreihe des Vereins für Heimatgeschichte Walkenried / Bad Sachsa und Umgebung e.V., Heft 45, 2015, S. 125)

Fahrplan der Firma Gropler und Wagner aus dem Jahr 1930


1930: Kraftomnibusverkehr zum Bahnhof


(1930. Foto: Slg. R. Boehm. Vgl. ähnlich Thomas Wegener auf Facebook, 24.11.21)

"Erst siegen / dann reisen"!

oben: Mobilmachung 1914 (Foto Slg. R. Boehm)
unten: Reisende vor dem Bahnhof (1942. Foto Quelle unbekannt)
darunter: Gedenktafeln für die Toten des I. Weltkrieges (Wintersport- + Heimatmuseum Bad Sachsa)


Fahrplan Sommer 1960

NÜXEI

"Bereits im Jahr 1420 taucht der Name als Wüstung NYTZENHAIN auf.
Die nächste Nennung ist erst von 1557 und lautet NICHSEHE.
Die graphemischen und zeitlichen Unterschiede zwischen den beiden Schriftzeugnissen lassen vermuten, dass die Siedlung zwischenzeitlich wüst fiel. Mögliches Ausgangswort ist der althochdeutsche Personenname Nizo, verbunden
mit -hagen (umfriedete Landfläche), das zu -hain wurde".
(Wikipedia 24.03.2022)
Wer sich intensiver mit diesem Ortsteil beschäftigen möchte, dem sei die
"Chronik Nüxei" (auch "Chronik des Weilers Nüxei") von Burkhard Schmidt anempfohlen
ISBN 978-3-86948-826-4

Nüxei: Vorwerk

(1913, Slg. R. Boehm A 348 vs.) 

Den Gebrüder Grimm verdanken wir, neben der  bedeutenden Sammlung an Märchen, insbesondere das Grimm`sche Wörterbuch; dort wird ein "Vorwerk" erklärt u.a. mit: '"'landwirtschaftlicher zweigbetrieb einer domäne', 'vorgeschobener wirtschaftsstützpunkt eines ritterguts', dem die bewirtschaftung einer bestimmten landfläche oder die pflege eines besonderen wirtschaftszweiges übertragen ist..." [Bd. 26, Sp. 1929]. Dieses Vorwerk war ehedem zum Rittergut Tettenborn gehörig. "Aus der Geschichte der Wüstung Wittgerode und des Weilers Nüxei" schrieb Klaus Walter in einer
Schülerjahresarbeit 1963 umfassend; diese ist einsehbar auf der absolut lohnenswerten Seite des "Karstwanderweg Südharz" unter https://www.karstwanderweg.de/publika/sonstige/nuexei/index.htm

Nixey b. Tettenborn

(1913, Slg. R. Boehm A 348 rs.) 

"Nixey b. Tettenborn, (Harz)
Meine Lieben, Aus der neuen Heimat senden wir Euch ein herzliches Gedenken. Wir xxxxx uns noch ganz xxx, besonders die Kinder xxxx sich bisher xxxxx. Nüchterner schreibe ixxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx . Für heute xxxxxxx herzliche Grüße von Eurer treuen Familie Walter."

Nixei und das Bottdörfer Holz

(Bad Sachsaer Nachrichten, 27.01.1917)

Herr Walter (siehe links), diesmal wohnhaft in "Nixei", beabsichtigt in der "Rosenstiel`schen Gastwirtschaft zu Tettenborn" (heute:  Dorfstraße 21, Gaststätte "Zur Erholung") Holz zu verkaufen, welches im BOTTDÖRFER HOLZ geschlagen wurde.
Aber wo ist das Bottdörfer Holz??
"Nach einem freundlichen Hinweis von F. Vladi, Osterode, (liegt) das Bottorfer Holz, bei dem die Wüstung vermutet wird, auf der Steilkante des Stinkdolomits... und (weist) eine ausgesprochen trockene Lage ohne jegliche Gewässer im Umfeld auf... Westlich des Bottorfer Holzes und des Bottdorfer Berges liegen allerdings die Nüxteichwiesen, in denen nach der Karte bei Kühlhorn, Wüstungen Bd. I S. 289 ein Bach versickert."
(Uwe Ohainski und Jürgen Udolph: Die Ortsnamen des Landkreises Osterode, in: NIEDERSÄCHSISCHES ORTSNAMENBUCH, Jürgen Udolph Hrsg., Bd. II, S. 30 f). Laut Heinz Duensing (mdl. in 2013) ist "Bottdorf" ein "untergegangenes Dorf oberhalb des Weissensees, in dem Keramik hergestellt worden war.".  Burkhard Schmidt schreibt "Das Bottorfer Holz war ein hutfreies gemeinschaftliches Waldstück der Herren v. Tettenborn und Consorten (9 Einwohner von Tettenborn). Es hatte eine Größe von 115 Morgen mit 12 Teilen, genannt nach der Wüstung Bottorf (1835/45)."


Gruß aus Nüxen

(1908, Slg. R. Boehm A 349)
 
"Schon bald nach der Gründung betreiben die Gastwirte in Nüxei neben der Gastwirtschaft und der Paßkontrolle eine kleine Landwirtschaft. Sie halten sich Vieh und weiden damit die umliegenden Triften. Gegen 1660 dürfen sie sich auf Anweisung des Amtes Scharzfeld einen Kohlgarten zwischen ihrem Haus und der Landesgrenze anlegen. Darüber beklagen sich wiederum die Tettenborner, denn durch den Kohlgarten sei ihnen die Viehtrift verbaut. Gegen 1680 hat ein Martin Romeyer den Zollkrug inne. Auch während der Pestzeit (1681 - 1683) hat er viel zu leiden, denn die Tettenborner versuchen gewaltsam die Versperrungen und Verhaue zu durchbrechen und lassen sich zu Tätlichkeiten und Schlägereien mit Martin Romeyer hinreißen. Als Vergeltung zeigen sie ihn 1691 beim Amt Herzberg an, als sie ihn beim unerlaubten Fischen im Herzberger Tafelteich zu Nüxei ertapt haben. Daraufhin wurde Romeyer zu 50 Thalern Strafe verurteilt. Wer im 18. Jahrhundert den Posten als Grenzwirt in Nüxei innegehabt hat, ist schwer zu ermitteln. Von 1798 bis 1807 war Heinrich Christian Jordan als solcher tätig. Über seine Tätigkeit geht einiges aus dem Pachtkontrakt zwischen der Königlichen Kammer zu Hannover und Jordan hervor:

"Wir, Se. Königl. Majestät und Churfürstl Durchlaucht verordnete Cammerpräsident und geheime Räthe urkunden hiermit, daß wir den Krug zu Nüxhey dem bisherigen Pächter Heinrich Christian Jordan auf fernere 3 Jahre verpachtet haben. Wir tun solches dergestalt und also, daß derselbe mit allem Fleiße dafür sorge, daß die Gebäude, wie ihm selbige nach dem Inventario überliefert sind, im guten Stande erhalten werden. Dabey verpflichtet er sich, den Passagiers und anderen bey ihm einkehrenden Gästen mit aller Bescheidenheit zu begegnen, im übrigen aber richtige Bier und Brantwein Maaße zu halten und sich überhaupt als ein ehrlicher und gewissenhafter Wirth zu bezeigen. Nächst dem verspricht er auch, auf fremde und verdächtige Personen, in gleichen auf die durchreisenden Soldaten, fleißig zu achten, nach ihren Pässen zu fragen, selbige zu examinieren, bey verspürende Unrichtigkeit anzuhalten, und davon sofort dem Amt Scharzfeld zur weiteren Verfügung Anzeige zu tun. Auch hat derselbige die dortige Grenze fleißig zu absolvieren und alle Neuerungen und Beeinträchtigungen dem Amte gleichergestalt sofort anzumelden. Für den Genuß dieser Krug-Pacht hat bezeichneter Heinrich Christian Jordan jährlich 43 Thaler, 9 Groschen, 2 Pfennige an Pachtgelde zu bezahlen.

(Fortsetzung siehe nächste Spalte)




Hotel Römerstein, Besitz: Rich. Peix. Gruss aus Nüxey.

(1904, Slg. R. Boehm A 347) 

(Fortsetzung)1831 hat sich der Postspediteur, Grenzvogt und Gastwirt Engelhardt zu Nüxei widerrechtlich ca. 1/2 Morgen Hutweidelands, der Gemeinde Osterhagen gehörig, angeeignet. Das Amt Scharzfeld hat entschieden, das Engelhardt das fragliche Gelände kaufen oder pachten soll und der Gemeinde Osterhagen den Schaden ersetzen soll. PRIVATISIERUNG DES GRENZKRUGES.
1866 wurde die Zollgrenze zwischen Hannover und Thüringen aufgehoben. Dadurch brauchte man in Nüxei keinen Grenzkrug mehr. Deshalb wurde dieses Gebäude mit Stallungen und Ackerland an Peix aus Limlingerode verkauft. Der veräußerte die Wirtschaft weiter an Hennecke aus Tettenborn. Dieser wiederum verkaufte sie an Wachtel aus Halle.Um 1900 wanderte Johann Rohrbach aus der Schweiz nach Deutschland ein. Bei Dr. Matthießen, Tettenborn, war er als Schweizer tätig. Am 1. April 1906 kaufte er die Gastwirtschaft mit 54 Morgen Ackerland von Wachtel. Sein Sohn Otto Rohrbach bewirtschaftet diesen ehemaligen Grenzkrug heute noch.Dieses Gebäude stand um die Jahrhundertwende unter keinem günstigen Stern. 1891 brannte die Scheune bis auf die Grundmauern ab. Sieben Jahre später (1898) brach erneut ein Feuer aus. Alle Gebäude wurden von dem Brand bis auf die massiven Grundmauern vernichtet.
Die Besitzer des früheren Zollhauses betrieben Gast- und Landwirtschaft. Nebenbei verdienten sie sich noch Geld, indem sie ihre Pferde vor die schweren Pulverwagen spannten, damit diese den Berg hinauf kamen. Diese Wagen kamen aus Harzgerode, Rottleberode u.a. Orten. Sie fuhren nach Minden (Westf.), Reyershausen, Wollbrandshausen, Wildemann, Hammenstedt u.a. Orten. Die meisten Wagen kamen von der Firma Eisfeld aus Harzgerode. In der Hauptsache wurde das Pulver zum Sprengen in den Steinbrüchen verwendet. Von der Höhe des Berges kehrten die Vorspänner zurück, nachdem man vorher einen kräftigen Schluck aus der Branntweinflasche genommen hatte.An diesem markanten Punkt steht eine uralte Eiche, die unter dem Namen "Branntweinseiche" bekannt ist und wegen der Bedeutung aus früherer Zeit unter Naturschutz gestellt wurde.

(Auszug aus: WALTER, Klaus (1962): Aus der Geschichte der Wüstung Wittgerode und des Weilers Nüxei)

Wappen

(1916, Slg. R. Boehm A 346)

"Am Wirtshaus war ein Lüneburgisches Wappen vom Jahre 1701 eingemauert. Es ist anzunehmen, daß im Jahre 1701 ein Neubau errichtet und dabei die Steinplatte angebracht wurde.Diese Wappen lag bis vor ein paar Jahren im Garten der Gastwirtschaft. 1956 verschenkte es der heutige Besitzer, Otto Rohrbach, an die Gemeinde Steina. Dort wurde es in eine äußere Wand des neuen Gemeindebüros eingemauert. |Historisch gesehen hat dieses Wappen mit Steina nichts zu tun. Früher gehörte Nüxei zur Gemeinde Osterhagen. Erst am 1. April 1934 wurde es nach Steina umgemeindet. Deshalb wäre es besser gewesen, wenn man das Wappen in Nüxei behalten hätte, oder aber man hätte es nach Osterhagen gegeben."

(Auszug aus: WALTER, Klaus (1962): Aus der Geschichte der Wüstung Wittgerode und des Weilers Nüxei)

Gruß aus Nüxen  (1908, Slg. R. Boehm A 349)

Der letzte Besitzers des Rittergutes von Tettenborn und Nüxei, 



Försterei Nüxei

(1916, Slg. R. Boehm A 346)

"Die einzelnen Förster lassen sich schwer ermitteln. Der Reihenfolge nach waren die letzten: Damm, Rößling, Rietz, Phillip, Ewald und Steffens. Der zuletzt genannte wohnt heute noch im Forsthaus (Anm. R. Boehm: 1962). Durch die Zonengrenze hat sich das Revier bedeutend verändert. Von den 350 ha großen Crotenhagen fallen durch die Zonengrenze 300 ha an die D.D.R. Dafür kommen 200 ha von der Mackenröder Forst hinzu."

(https://www.karstwanderweg.de/publika/sonstige/nuexei/index.htm)

 Um 1910 waren 5 Namen (sic!) für NÜXEI gebräuchlich (vgl. die o.g. Ansichtskarten etc.) Auch wenn viele der historischen Namen dieses Ortes bekannt sind, so ist doch die Bedeutung bis heute unklar geblieben!
(vgl.: Niedersäschsisches Ortsnamenbuch, Hrsg. Jürgen Udolph, Teil II, Die Ortsnamen des Landkreises Osterode von O. Ohainski und J. Udolph, Verlag für Regionalgeschichte Bielefeld 2000. ISBN 3-895 34-370-6).

Die Schäferei, Baujahr wohl 1909

(https://www.karstwanderweg.de/publika/sonstige/nuexei/index.htm)

"Die Schäferei war schon seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts nicht mehr von einem Amtsschäfer betrieben worden. Vielmehr war sie ab 1825 mit der herrschaftlichen Schäferei zu Osterhagen zusammen an 8 Osterhäger Ackersleute für jährlich 266 Thaler, 16 Groschen verpachtet worden. 1850 wurde der Pachtvertrag gekündigt und die beiden Schäfereien von der Königl. Domänen Kammer zu Hannover für einen jährlichen Rentenbetrag von 280 Thalern an die Gemeinden Osterhagen und Steina verkauft. 1860 teilen sich die zwei Gemeinden die Schäferei, dabei erhält die Gemeinde Steina 3/7 der Hutfläche und das Schäferei-Haus in Nüxei, Osterhagen 4/7 der Hutfläche und das Schäferei-Haus in Osterhagen.

Der jährliche Anteil am jährlichen Rentenbetrag (4/7 von 280 Thalern = 160 Thaler) wird 1871 abgelöst. Kurze Zeit später der Steinaer Anteil.

Dann hat die Gemeinde Steina das Schäferei-Haus an Heinrich Wöge verkauft. 1909 baute sein Sohn Heinrich ein neues Wohnhaus, das alte nur einstöckige, kleine Häuschen dient jetzt als Geräteschuppen. heute bewirtschaftet dessen Sohn, der auch wieder Heinrich heißt, die ehemalige Schäferei.

(Klaus Walter auf: https://www.karstwanderweg.de/publika/sonstige/nuexei/index.htm)

(18.04.2015, Harz Kurier)

"Am 19. Juni 1944 wurde in Nüxei ein KZ-Außenlager gegründet, das ab Oktober 1944 dem KZ-Lagerkomplex Mittelbau unterstellt wurde und ein Nebenlager des ebenfalls zu diesem Lagerkomplex gehörenden Konzentrationslagers Wieda war. Etwa 300 KZ-Häftlinge des SS-Baubrigade III mussten Gleisbau-, Erd- und Rodungsarbeiten für den Bau der Helmetalbahn leisten. Nach einem Räumungstransport per Bahn und Todesmärschen zu Fuß wurden die meisten überlebenden Häftlinge in Gardelegen beim Massaker in der Isenschnibber Feldscheune am 13. April 1945 ermordet. Am ehemaligen Lagergelände erinnert heute ein Gedenkstein an die Geschichte des KZ Nüxei".

(Wikipedia, 24.03.2022)

(26.12.2014, Foto: Ralph Boehm)

Die KZ-Lager im Harz
"Das Wegzeichenprojekt Westharz und der Marsch des Lebens", Arbeitsgemeinschaft Spurensuche in der Südharzregion und Spurensuche Harzregion e.V., Goslar und Osterode, 2022).

Auch wenn Ellrich nicht zu Bad Sachsa gehört, so verbindet beide Städte viele Begebenheiten; deshalb sei an dieser Stelle an das KZ-Außenlager Ellrich erinnert.

(Seit 2019 treffen sich Menschen aus Bad Sachsa, Ellrich und Walkenried, um jeweils im Frühjahr und Herbst die Reste einer Station -"3, Krankenrevier"- des KZ-Lager Ellrichs vom Grün zu befreien. Wir und andere würden uns freuen, wenn Sie sich anschließen und einen weiteren Teil der Pflege übernehmen) (15.02.2020 + 15.05.2021, Fotos: Ralph Boehm)

  • Tom Fox "A dear friend of ours from Bad Sachsa, Frank Simon told us of his father fighting in the 2nd. WW on the Russian Front and being taken POW by the Russians. He knew of my interest and many visits to places of historical interest and he added to my curiosity locally in the Hartz Mountain area, highlighting the role of the Dora-Mittelbau camp as the center of a vast network of forced-labor camps constructed in 1944-1945 throughout the Harz Mountain region, including those located in nearby Niedersachswerfen, Nordhausen, and Neusollstedt. The memorial stone KZ-Außenlager Ellrich-Juliushütte is so poignant. The Ellrich-Juliushütte satellite camp was used as you know for an average of 8,000 prisoners from 2 May 1944 to 6 April 1945. Initially intended as a subsidiary camp for the Buchenwald concentration camp, but as of November 1, 1944 as a subsidiary camp for the Mittelbau concentration camp. The camp was set up at the place Ellrich. The prisoners were housed on the company premises, there were old buildings of the old plaster factories.The camp had several names during its use; first "Erich", from June 1944 "Mittelbau II". Myself and Ros visited the site of the Mittlebau Concentration Camp and the mines for the V2’s and remain so impressed by the museum on the site and the frankness to describing events there. I have so much respect for a community that does not shirk away from its history and maybe that is why I have some amazing friendships in Germany and wider. I thank Frank for his frankness; Frank told me his father, had been reported missing, believed killed in action on the Russian front, but in 1945 was confirmed as a POW by the Red Cross and released in the spring of 1947. Frank joked his father wasted no time when he met up again with his mother for before the year ended he was born. Fantastic!I congratulate the volunteers who seek to remember. Thank you for sharing. Sadly Frank died not so long ago. I know he would be pleased for me to share this". (Facebook 24.03.2022)


STEINA

Geschichtliches vom Abbau und der Verarbeitung des Harzer Dolomits in Steina/Südharz

 
 Steinsägewerk und Schleiferei
 Reinhold Beyermann KG
 Harzer Dolomit- und Marmorsteinbrüche 


 Im Jahre 1881 erwarb der Steinmetzmeister Friedrich Beyermann in der sogenannten „Wolfskuhle“ bei Steina ca. 60 Morgen Steinbruchland, um den dort anstehenden Dolomit, der bereits zum Bau des Zisterzienser Klosters Walkenried von den Mönchen für Bauarbeiten verwendet wurde, abzubauen. Er beschäftigte ca. 20 bis 30 Steinmetze. Im Jahre 1919 gab er seinen Betrieb auf und verteilte seinen Landbesitz an seine Kinder. Der Steinbildhauer Reinhold Beyermann, ältester Sohn von Friedrich Beyermann, gründete im gleichen Jahr mit seinem Steinbruch-Erbteil die Firma Reinhold Beyermann (Steinbildhauerei, Bau- und Grabmalarbeiten).

Bis zum Jahr 1935 beschäftigte er je nach Marktlage bis zu 25 Steinmetze. 1936 gab es für das Steinmetzhandwerk einen Aufschwung und es wurden 2 Steinsägen angeschafft. Desweiteren wurde der Steinbruch maschinell verbessert. Während des 2. Weltkrieges (1939-1945) kam der Betrieb zum Erliegen.

1945 erfasste Reinhold Beyermann trotz Zonengrenzziehung und dem damit verbundenen Verlust seines wirtschaftlichen Hinterlandes sofort die Initiative und baute den Betrieb wieder auf.
1947 trat sein aus dem Krieg zurückgekehrter Sohn, der Steinmetz und Techniker Hans-Joachim Beyermann, in die Firma mit ein. Gemeinsam wurde der Anschluss an den Wiederaufbau gefunden. Die Firma erhielt mehr Mitarbeiter und bildete guten Nachwuchs aus. Der Maschinenpark wurde vergrößert und modernisiert. Der Betrieb wurde voll auf Natursteinarbeiten am Hochbau umgestellt.

(beide Fotos, Photographin Tina Holzapfel / GLC)

 Am 01.01.1957 wurde die Firma in eine KG umgewandelt und als solche war sie mit 45 Mitarbeitern eine der bekanntesten Natursteinfirmen Norddeutschlands, die ihre Steine im eigenen Steinbruch abgebaut, im dazugehörigen Sägewerk verarbeiteten und auch selbst verlegt hatten. Namhafte Bauten, zum Beispiel in Hildesheim, Wiesbaden, Köln und Bayreuth, wurden mit Natursteinarbeiten der Firma Beyermann ausgeführt. Außenbehänge aus „Harzer Dolomit“ wurden ebenfalls an Gebäuden verarbeitet.

Auch die Restaurierung des Kreuzgangs des Zisterzienser Klosters in Walkenried zählte zu den bedeutendsten Arbeiten. Die Bögen der Decke wurden hierfür speziell von Steinmetzen angefertigt und später passgenau eingesetzt. Das abgebaute „Harzer Dolomit“ des hiesigen Steinbruches ist eine Gesteinsart der Südharzer Karstlandschaft.

Mitte der Siebziger Jahre wurde der Betrieb an der Steinsäge im Ort eingestellt. Der Abriss des Gebäudes erfolgte im April 2006.

Um der Nachwelt die Geschichte dieses Natursteinbetriebes zu erhalten, hat sich der Förderverein Steina e.V. für eine Rettung der größten und historischen Steinsäge im Südharz eingesetzt. Nach 5 Jahren konnte diese historische Steinsäge durch die Initiative des Vereins in Verbindung mit Fördermitteln vom Land und verschiedenen Sponsoren erfolgreich restauriert und neu aufgebaut werden.
 
Das Sägeblatt der „Historischen Steinsäge“ hat immerhin einen Durchmesser von mehr als 2 Metern. Große Dolomit-Steinblöcke, die im Steinbruch gebrochen worden sind, konnten mit dieser imposanten Steinsäge weiter verarbeitet werden.
 
Für den Ort war die Firma Beyermann von großer Bedeutung. Heute steht die Steinsäge in Steina auf dem Kirchplatz und kann von allen Interessierten angeschaut werden. 
(2021-04-26: https://www.bad-sachsa.de/bad-sachsa/steina/)

TETTENBORN

Harzer Holzwaren-Fabrik Gebrüder Lohoff, Tettenborn

(1907; Briefkopf, Slg. R. Boehm)

"Ein Kapitel regionaler Wirtschafts-geschichte.Die Eisenbahnlinie Northeim - Nordhausen von 1869 war letztlich entscheidend für die Standortwahl am Bahnhof Tettenborn. Bis zu dieser Zeit betrieb der Kaufmann Gustav Lohoff bereits in Benneckenstein ein florierendes Versand-geschäft mit Haus- und Küchengeräten aller Art, die dort von den zahlreichen Holzhand-werkern in Heimarbeit hergestellt wurden.

Das Geschäft wuchs. Die manufakturelle Produktion konnte der steigenden Nachfrage immer weniger gerecht werden. Zumal das Buchenholz mit erheblichen Transportkosten belastet war: Es mußte mit Pferdefuhrwerken von seinem natürlichen Standort im Süd- und Ostharz auf den Hochharz transportiert werden. Die Fertigprodukte wurden über die weitreisenden „Benneckensteiner Handelsleute“ an den Verbraucher gebracht.

Zusammen mit seinem Bruder Emil, Apotheker in Magdeburg, reifte der Plan, dort eine industrielle Produktion aufzubauen, wo das Buchenholz sozusagen vor der Tür liegt. So fiel die Wahl auf Tettenborn mit seinem Gleisanschluß.
 Ein weiterer Aspekt für die lohnintensive Produktion war die Standortwahl im Hinblick auf das benötigte Arbeitskräftepotenzial: In den umliegenden Dörfern lebten viele Familien, deren kleine Landwirtschaft nur für das Lebensnotwendigste ausreichte. Bei einer Arbeitszeit von 6 Uhr in der Frühe bis 14.30 Uhr blieb den fleißigen Holzwerkern im Sommer genügend Zeit für Acker, Wiese und Vieh. Von Benneckenstein kamen etliche erfahrene Männer mit hinunter in den Südharz, um mit ihren Familien in Tettenborn-Kolonie zu siedeln und ihr Wissen und Können mit einzubringen.
 Familiennamen wie Gropp, Großheim, Hartung, Ließmann, Hecht, Hendrich, Heyder, Hintze, Wedler u.a. geben uns noch heute Zeugnis vom Pioniergeist und schöpferischen Fleiß, lassen uns die Aufbruchstimmung der Gründerjahre - und die Liebe zum Harzgebirge erahnen, das Heimat und Rohstoffquelle zugleich war.

Am 3. Oktober 1903 wurden erstmalig die beiden Wolffschen Dampfmaschinen angefahren. Zwei mächtige Dampfkessel, jeder in den Dimensionen einer schweren Güterzug-Lokomotive. Geheizt wurden sie ausschließlich mit den reichlich vorhandenen Holzabfällen. Über Transmissionsräder, -wellen und -riemen wurde der gesamte Betrieb, inklusive der schweren Gattersägen, mit mechanischer Energie versorgt. Mit der überschüssigen Wärmeenergie beheizte man vor allem mehrere Trockenkammern, in welchen dem an der Luft vorgetrockneten Schnittholz die restliche Feuchte entzogen wurde. Mit der Entwicklung der Elektrizitätstechnik stellte man die Produktion schrittweise auf Stromantrieb um. Mittels Holzgasgenerator erzeugte man den Strom aus Produktionsabfällen. Ein Verfahren, welches im 21. Jahrhundert zu neuen Ehren kommt und zu „nachhaltigem“ Wirtschaften verhelfen soll.

Mit der Teilung begann der Niedergang
In den dreißiger Jahren wurde die Strompro-duktion zentralisiert (Reichsenergiegesetz). Seit dieser Zeit mußte die Harzer Holzwaren-Fabrik den Strom aus Bleicherode beziehen. Dies bedeutete einen ersten Rückschlag für die Gesamtrentabilität.

Von Tettenborn in die ganze Welt
Die Kriegswirtschaft und die Teilung Deutschlands brachten weitere Rückschläge. Von ca. 350 Beschäftigten, anfangs der dreißiger Jahre, waren noch etwa 55 Arbeitsplätze am Ende der fünfziger Jahre übriggeblieben. Allerdings verlangte auch die Entwicklung auf dem Weltmarkt von Anbeginn eine kontinuierliche Produktivitäts-steigerung.

Es war in erster Linie dem Erfindungs-reichtum des Drechslermeisters Louis Hendrich aus Benneckenstein zu verdanken, einem Bruder des Kunstmalers Hermann Hendrich, dass durch patentierte Produktionsverfahren Millionen von Federklammern und Kleiderbügeln in alle Welt exportiert werden konnten. Um die Jahrhundertwende wurde annähernd der gesamte Weltbedarf dieser Artikel erst in Benneckenstein - und ab 1903 in Tettenborn-Kolonie erzeugt, was Tettenborn den Beinamen „Klammerode“ einbrachte! Das „Hendrichstal“ erinnert uns noch heute an den genialen Konstrukteur und Erbauer zahlreicher Spezialmaschinen, der nach mehreren Firmengründungen in Amerika hier im Harz als Ingenieur seine Bestimmung fand.
Rückschläge durch Krieg und Teilung
Im Endeffekt war die Teilung Deutschlands die Ursache für Mitte der sechziger Jahre das Ende des Unternehmens. Das angestammte Absatzgebiet und die Leipziger Messe konnte nicht mehr bedient werden. Dem jährlichen Ausstoß von bis zu 15 Millionen Kleiderbügeln stand ein reduzierter Absatzmarkt gegenüber, welcher mit traditionellen Wettbewerbern beworben werden mußte. Steigende Rohstoff­ und Arbeitskosten verschärften zusätzlich die Situation.

1965 kam das Ende
Überdies hatte der nachwachsende Rohstoff Buchenholz durch den Kunststoff Konkurrenz erhalten. Im Jahre 1965 rief die weithin zu vernehmende Dampfpfeife die Beschäftigten ein letztes Mal zur Arbeit. Die Feuer in den Kesseln erloschen nach 63 Jahren endgültig.

Glücklicherweise erwachsen aus Trümmern auch neue Chancen: Die Firma Wilhelm Wedler betreibt heute auf dem Gelände ihr modernes Einrichtungsunternehmen."
( Lutz Werner Lohoff auf https://karstwanderweg.de/publika/harz_kur/lohoff/index.htm)

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"Größte Spezialfabrik der Welt"

(1920er Jahre, Slg. R. Boehm)

So warben die Gebr. Lohoff in den 1920er Jahren auf bspw. der Messe in Leipzig für Produkte ihrer HARZER HOLZWAREN-FABRIK GEBR. LOHOFF, TETTENBORN, SÜDHARZ.

Mark 1.000.000 / wörtlich Eine Million Mark

(15. August 1923, Slg. R. Boehm)

Auch die Harzer Holzwarenfabrik gab im August 1923 Notgeld heraus in Form von Gutscheinen; bekannt sind mir Gutscheine über 100.000 Mark vom 15. August und vom 30. August sowei der abgebildete Schein über 1 Million.