"Kinder müssen mit den Erwachsenen

viel Geduld haben"

 (Antoine de Saint-Exupéry)

In dieser Werbebroschüre (vermutlich 1976 herausgegeben; Slg. R. Boehm) äußert sich
Dr. med. Karg, Kinderarzt (tätig insbesondere im "Borntal") über

"KINDER IN BAD SACHSA"


Unterstützen Sie die Aufarbeitung der Misshandlungen der „Verschickungskinder“
z.B. durch Ihre Unterschrift für eine Petition, die durch den Verein
"Aufarbeitung und Erforschung Kinderverschickung" angeregt worden ist
(
Vorsitzende: Anja Röhl, www.verschickungsheime.de)

KINDERHEIME

in Bad Sachsa



"Kinderverschickung war die Hölle. Wer immer behauptet, dass alle Verschickungen ein Erholungsurlaub für die kleinen war, begeht das Verbrechen noch einmal!". 

Auszüge einer Diskussion auf Facebook im März 2021

(unvollständig):

A: "Kann einer was über die Zustände in Kinderheimen [in Bad Sachsa] in den 50iger bis 80er Jahren erzählen? Ich habe einige Tatsachenberichte gelesen und wenn nur die Hälfte war ist, musste das ja erbärmlich gewesen sein...".

 

B: "Diese Zustände gab es in fast allen Kinderheimen in Deutschland. Ich war über den Bund der Kinderreichen Familien 1960 zur Kinderverschickung an der Ostsee in Kellinghusen. Es war dort genauso, wie in der Reportage gezeigt.
Die Sachsaer Kinder kamen nach Lübeck Brodten oder Kellenhusen. Mich hat man mehrmals bestraft, weil ich morgens den Haferschleim nicht gegessen habe usw".

C: "Ähnlich schlechte Erfahrungen im Solling 1964 gemacht".

D: "1956 im Kinderheim Brodten an der Ostsee. Aus heutiger Sicht muss man so einiges kriminell nennen, was dort geschah. Dr. Loch hatte es empfohlen. Ich fuhr in einer Rotes Kreuz-Gruppe dorthin und sollte mich während vier Wochen erholen. Ich kam richtig krank zurück und musste mich in Bad Sachsa erholen!". 

E: "Es ist nicht schön, was so alles geschrieben wird. Ich bin in einem Kinderkurheim aufgewachsen. Meine Eltern würden sich sehr grämen, wenn sie dieses alles mitbekommen hätten. Das Kurheim was das Lebenswerk  von Herrn und Frau Kern. Das Wohl der Kinder stand immer an erster Stelle und vor ihrem eigenen. ich habe noch viele Briefe von ehemaligen Kurkindern, die sehr gerne in Bad Sachsa waren und häufig zu Besuch kamen, oder zum erneuten Kuraufenthalt. Im Bezug zum HAUS KERN kann ich solche Vorwürfe nicht bestätigen!".

F: "Wibke Bruns berichtet anderes aus Bad Sachsa. (Foto 1: Wilbke Bruhns, Nachrichtenzeit, Meine unfertigen Erinnerungen, Diogenes, Foto 2: ...Außererdem war es gut, die anderen kennenzulernen. Viele von denen waren in Bad Sachsa gewesen, wohin die Nazis Kinder der Attentäter nach dem 20. Julie entführt hatten")...

G: "Ging es hierbei nicht um das Borntal?".

H: "Aus meiner Sicht sollte man die Themen ein wenig sortieren in 1) Kinder des 20. Juli und 2) Heimunterbringung in den Nachkriegsjahren...
...Zu 1) den Kindern des 20. Juli. Diese Kinder, zwischen wenigen Wochen und 15 Jahren alt, wurden ihren Familien entrissen, um sie als Faustpfand gegenüber ihren Eltern, insbesondere den Attentätern des 20. Juli, zu mißbrauchen, um insbesondere weitere Beteiligte und Strukturen zu erpressen. Einfach nur widerlich! Desweiteren wurden die nach Bad Sachsa verschleppten Geschwister von einander getrennt und ihnen neue Namen verpasst, denn Unsere wahre Identität sollte vernichtet werden (so der Buchtitel, hier bei der Tourist-Info für 5 Euro zu bekommen!!!, der die Thematik umfassend behandelt - und wer schon mal in der Tourist-Info ist, kann ja auch gleich die dortige Gedenk-Ausstellung besuchen, um sich zu informieren). Dieses Schicksal dieser Kinder prägt sie zeitlebens und ist grausam gewesen: von den Eltern getrennt, nicht wissend, wie es diesen geht - ob sie noch leben? etc... Körperliche Grausamkeiten hingegen sind ihnen NICHT angetan worden. Von all den 46 Kindern, mit denen ich habe sprechen können und die Schriftliches veröffentlicht haben, spricht lediglich ein Mädchen davon, daß sie schlecht behandelt worden sei - führt das aber nicht aus. In der Gedenk-Ausstellung in der Tourist-Info Bad Sachsa kann man nicht nur die Lebensläufe der Kinder sondern auch das Tagebuch der Christa von Hofacker, welches sich eben genau mit der Sachsaer Zeit beschäftigt, nachlesen. --- Zum Personal im Borntal: in der Anfangszeit ist offensichtliche eine sehr strenge Schwester federführend gewesen, die aber alsbald abgelöst wurde. In den letzten Monaten vor Kriegsende war Frau Ferch die entscheidende Person, die sich um die verbliebenen Kinder (manche wurden nicht mehr als Druckmaterial gebraucht) gekümmert und eingesetzt hat! Diese Frau Ferch hat mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln versucht, den Kindern ein Überleben zu ermöglichen - auch und besonders gegenüber den Vorgesetzten!!! Und genau diese Frau Ferch hat der von den Amerikanern eingesetzte Bürgermeister Willi Müller geheiratet. Dieses SPD-Mitglied, welches unter den Nazis sein Haus und seine Arbeit verloren hatte, welches im Rahmen der Verfolgung der Beteiligten am Attentat vom 20. Juli auf Hitler über kurze Zeit ins KZ Buchenwald gesteckt wurde war, dieses SPD-Mitglied hätte wohl kaum eine Nazi-Anhängerin und kindermisshandelnde Frau geheiratet!!! Zum heutigen Schluß dieser Stellungnahme der Satz, den Willi Müller 1945 am ersten Tag seines Amtes als Bürgermeister gegenüber den Kindern des 20. Juli sagte: ...ihr brauch Euch Eurer Namen und Väter nicht zu schämen - denn sie waren Helden!. Um zur selben Überzeugung zu kommen brauchte die BRD und die DDR zweieinhalb Jahrzehnte - und manche wissen bis heute nicht, was Anstand, Respekt und Charakterstärke sind! Ralph Boehm".

H: "zu 2) Der Heimverschickung nach Bad Sachsa nach dem Kriege: Im Stadtarchiv erreichen mich bedauerlicherweise regelmäßig Anfragen von ehemaligen Kindern, die in Bad Sachsa unter den Erziehungsmethoden der Nachkriegszeit - und das waren die Methoden der Vorkriegszeit!!! (bis in die 1970er Jahre hinein!!!) gelitten hatten! Dieses ist kein Ruhmesblatt der Bad Sachsaer Geschichte im Besonderen und der deutschen pädagogischen bzw. didaktischen Methoden im Allgemeinen. Auch hilft hier eine Verallgemeinerung in Bezug der hiesigen vielen Heime nicht weiter - die Erfahrungen sind von Heim zu Heim andere!!!! Einblicke und Aufschluß gibt der Blog https://blog.zeit.de/.../12/09/zeitsprung-bad-sachsa/.... und ganz aktuell insbesondere: http://www.anjaroehl.de/verschickungsheime/. Ralph Boehm".

J: Siehe "Zeitsprung: Bad Sachsa. Hier sind viele Tatsachenberichte geschrieben... Nicht nur Negative.... aber sehr viele!".

K: "Ich war 1957 in Bad Sachsa, glaube, es war das Haus Warteberg. Mein ganzes Leben habe ich diese schrecklichen Erinnerungen mit mir herumgetragen. Erst jetzt, mit fast siebzig Jahren, kann ich es aufarbeiten, weil es viele Andere gibt, die meine Bilder bestätigen".

H: "Es ist gut zu wissen, dass man/frau nicht allein ist!".

L: "Ich war zur Kinderverschickung Haus Kern 1986, es war die Hölle für mich, bin heut noch traumatisiert".

K: "Kinderverschickung war die Hölle. Wer immer behauptet, dass alle Verschickungen ein Erholungsurlaub für die kleinen war, begeht das Verbrechen noch einmal. Es sind viele tausend ehemalige Verschickungskinder, die bis heut unter dem Erlebten zu leiden haben. Es gibt Akten in den Landesarchiven, die Quälerei lässt sich nicht leugnen. Ich freue mich für die Wenigen, die Glück bei ihrer Verschickung hatten". 

 

Zu den diversen Kinderheimen nun im Einzelnen

(Die Fotos/Ansichtskarten etc. in dieser Rubrik sind aus der Slg. R. Boehm, Abweichungen werden besonders hervorgehoben) 

Kinderheim Sonnenschein

Drosselweg 3 (damals Waldsaumweg 2)
("Der Harz", März 1937)


Dieses Haus Sonnenschein war über viele Jahre bekannt durch seine, heute würden man/frau es als alternative Lebensweise bezeichnen, frühzeitige ganzheitliche Erholungsmöglichkeit unter Einbeziehung der guten Luft in Bad Sachsa, bester Ernährung durch Obst und Gemüse sowie Diätkuren.
Als Kinderheim der Inhaberin M. Voigt wird die "Einrichtung der Wohlfahrtspflege"

ausschließlich 1924 erwähnt; das "Haus Sonnenschein erhält Kinder zur dauernden Pflege, die Einschulung der Kinder in die hiesige Volksschule ist nicht erforderlich, da die Kinder im heim Privatunterricht erhalten."
(StABS 1,26,2)

Kinderheim Böttcher-Ramdohr

Glaseberg 3 (zwischenzeitlich als Tonburg 2 geführt)

1935 eröffnet die staatlich geprüfte Säuglings- und Kinderpflegerin Camilla Böttcher-Ramdohr ihr Kinderheim zur Aufnahme von Kindern von 2 bis 12 Jahren. Ärztliche Kontrolle wird durch Dr. Deimler gewährleistet. Die Preise betragen pro Tag zwischen 2.50 und 4 Reichsmark.
Bei einer Überprüfung der Konzession wird 1941 festgestellt, dass diese, das Heim wird seit 5 1/2 Jahren betrieben (!), nicht vorliegt - aber in 1942 erteilt wird.
Nach dem II. Weltkrieg betreibt Camilla Böttcher-Ramdohr, geboren am 10.11.1891 in Mendoza/Südamerika, mit einer selbst ausgebildeten Helferin dieses Heim mit durchschnittlich 6 bis 7 Kindern weiter bis Ende der 1960er Jahre. (StABS 471,01 + 471,02,03 + 1,26,2, Detlef Böttcher-Ramdohr 2017)

Berghotel Pfaffenberg mit Kindergenesungsheim Pfaffenberg

Pfaffenberg 6 (damals 18) 
(1949, AK: Slg. R. Boehm)


In der Nachkriegszeit fand in diesem Hotel 1947 keine Belegung mit Flüchtlingen statt, dafür hat das Sozialamt Göttingen hier 60 Betten zu Zwecken der Erholungsfürsorge vorgehalten. (StABS 471/01)

Haus Bergfrieden

Steinaer Straße 24

Die AOK des Landkreises Goslar (Sitz in Salzgitter) kauft das An-wesen des Fabrikanten Gustav Lohoff und begeht die Einweih-ung des Genesungsheimes Berg-frieden zum 15.01.1952 im Bei-sein des Verwaltungsdirektors Dittrich und dem für den Ausbau verantwortlichen Architekten Alfred Behnsen (BSN 17.2.1952).
Als Besitzer des Hauses Bergfrieden wird der Kinderarzt Dr. Fritz Wilhelm genannt (20.01.1955; StABS 471/01).

Wer wann für was auf diesem Gelände Verantwortung hat, ist nicht ganz einfach zu unter-scheiden. Auf Facebook hat es Horst Verloren am 04.08.2023 so zusammengefaßt:


"Das Heim der Familie Fehrmann hieß : Bergheimat - dort lebten hauptsächlich Kinder aus gescheiterten Familien - diese Kinder gingen in Bad Sachsa auch zur Schule . Oberhalb der Bergheimat war der Bergfrieden (bestehend aus Sperlingslust und Falkenhorst) dort wechselten alle 6 Wochen die Kinder , die dort zur Kur waren . Das komplette Areal gehörte Dr. Wilhelm (Kinderarzt im Landkreis Osterode)"


In den 1960er Jahren führen der Inhaber Dr. med. Fritz Wilhelm, Facharzt für Kinderkrankheiten, das Haus gemeinsam mit seiner Gattin Liselotte Wilhelm, die für die Heimleitung verantwortlich zeichnet.
In den 1980er Jahren wird als Inhaberin Elke Schindler genannt; gleichzeitig heißt es, dass Frau Wilhelm das Heim nach dem Tod ihres Mannes in 1990 das Heim weiterführt bis 1992.
Zu dem Gelände gehören die Häuser "Spatzennest" und "Sperlingslust" (ab 1980 "Haus Peterle").
Nach vielen Jahren des Leerstandes brennt das Haus 2018 komplett nieder.

Kinderheim Kern

Ringstraße 48 (damals Bahnhofstraße 12)
(1972, AK: Heike Aue-Markert)

1972 endet das Pachtverhältnis an der Walkenrieder Straße 1 [zur Vorgeschichte des Kinderheims Kern siehe dort] und das Kinderheim zieht um in die heutige Ringstr. 48. Bereits 1969 hatte das Ehepaar Kern dieses Anwesen gekauft und ab 1971 durch den Architekten Hansjochen Rößler den Neubau errichten lassen. Am 06. Juni 1972 wird das Kinderheim "Haus Kern" eröffnet.
2001 geht das Ehepaar in Ruhestand und verkauft im Anschluss das Gebäude an die AWO.

Kinderheim Pfaffenberg (Schotte)

Pfaffenberg 19 (später wohl Haus Tanneck; dann wohl Buchenweg 2)

Bereits 1940 hat das Ehepaar Schotte im ehemaligen "Ev. Erholungsheim des Elisabeth-Stifts" (Prospekt 1932) ein Kinderheim geführt. Durch Denunziation wurde ihnen von der Erfurter Behörde die Konzession entzogen, die LVA Berlin pachtete das Heim, um weiter Kinder verschicken zu können. Auch 1946 ist das Heim an die Versicherungsanstalt Berlin verpachtet. Hiergegen richtet das Ehepaar Schotte am 1.7.1946 Beschwerde beim hiesigen Bürgermeister ein (StABS 471/02/6) - wohl ohne Erfolg, denn 1947 wird die Landesversicherungsanstalt Berlin, Ruhrstraße 2, als Betreiber von 30 Betten genannt, welches zu 60 % mit Flüchtlingen belegt wird (StABS 471/01).

Haus Bergfrieden

Steinaer Straße 24
Die dunkle Zeit, insbesondere zur Zeit der Familie Fehrmann, wird zur Zeit auf Facebook angesprochen (2023-04/05)

 
"nach aussen gaben sich Fehrmanns als Ehrenleute - genau wie der Besitzer Doktor Wilhelm -, das Jugendamt Berlin schaute ab und an mal rein und wir hatten unter Strafandrohung den Mund zu halten und zu sagen, dass alles toll ist."
(Bernfried Noch, ca. 28. April 2023)
 


IN ARBEIT

Kindergenesungsheim Bergfrieden (1960er, Prospekt, Slg. R. Boehm)

Die folgenden drei Kinderheime stellen sich vor im 1950 erschienenen

"Blauer Harzführer mit Elm und Lappwald"
(E. Appelhans & Co., Braunschweig, März 1950)

Aller Anfang ist schwer! Der Weg hierher war nicht immer einfach für uns. Aber wir würden um keinen Preis der Welt etwas daran ändern. Unsere Erfahrungen haben uns zu dem gemacht, was wir heute sind - und wir haben aus unseren Fehlern gelernt. Davon können Sie heute profitieren.

Kinderheim Lüding

(1962, AK, Quelle unbekannt)
Bahnhofstraße 54

Nach Umzug in (wohl) 1957 auf 1958 in die Bahnhofstraße 54 [zur Vorgeschichte des Kinderheims Lüding siehe Walkenrieder Str. 1] eröffnet die Jugendleiterin Charlotte Hanff das Kindererholungs- und Genesungsheim Lüding mit "8 Zi. m. Fließw., Bad im Hause" und 25 Betten (Prospekt 1958).
"Erst hatte Familie Hanff regiert. Man muss leider wirklich sagen regiert! Sie hat (nach 1965?) an die damalige Angestellte Frau Steinfels übergeben: streng aber ohne Gewalt und immer gerecht, hat sie vieles geändert".

Kinderheim Krüsmann

Steinaer Straße 13

Bisher als Säuglingsheim  (siehe dort) der Frau Müller von der Lehr geführt, eröffnet Erika Krüsmann, geb. Kumnick, zum 1.4.1940 ein Kindererholungs-heim der Luftwaffe, in welchem ständig 27 Kinder von Angestellten und Arbeitern der Luftwaffe Aufnahme finden. Zum Jahresende 1943 erhält die Heimleiterin Krüsmann die Genehmigung, neben Kindern im Alter von 6 bis 14 Jahren auch Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren aufzunehmen.
1947, mit der Inneren Mission (vgl. Konsul Albert-Heim in der Gartenstraße 2) besteht ein Pachtvertrag, verfügt das Haus über 40 Betten, von denen 50 % von Flüchtlingen beansprucht werden
Auch 1951 ist Erika Krüsmann für das Evangelische Kinderkurheim für durchschnittlich 35 Kinder verantwortlich. 1958 bezeichnet man/frau sich selbst als "Ev. Kinderkurheim Krüsmann. Inh. Fr. E. Krüsmann, Wohlf.-Pfl., 12 Zimmer, 40 Betten, Zi. m. Fließw., Bad im Hause" (Prospekt).
(StABS 471/01 + 471/02/1).

(vermutlich Ende der 1920er Jahre, Prospekt: Slg. R. Boehm)

Kinderheim Krüsmann

(1959, AK)

(1932, Prospekt: Slg. R. Boehm)


 

Abs. Lxxxx Vxxxxxx aus Bad Sachsa,

Steinaerstr. 13, Ev. 

(Kinderheim Krüsmann)
26.09.1956

 

Haus Warteberg

Steinaer Straße 24
Die dunklen Zeiten werden hier demnächst thematisiert...

Haus Warteberg

(1952, AK)
Steinaer Straße 30

1938 wird der Hotelbetrieb eingestellt [zur Vor- und Nachgeschichte siehe bei der Steinaer Straße], stattdessen wird das Haus durch  Kinderland-verschickung belegt.
Um 1951 werden im Kinder-genesungsheim Warteberg durchschnittlich 125 Kinder betreut von 1 Jugendleiterin,  5 staatl. gepr. Kindergärtnerin-nen, 1 staatl. gepr. Kinder-pflegerin, 1 Helferin unausge-bildet, 1 Köchin, 6 Haus- und Küchengehilfinnen, 2 Tages-frauen für Wäscherei und Näherei, 1 Arbeiter für Landwirtschaft und Haus-mannsarbeiten, 1 Kranken-pflegerin nach Bedarf.
In dem Haus der Familie übernimmt nach dem Tod des Dr. med. Rudolf Köbrich die zweite Ehefrau 1952 - 1959 die Leitung des Kinder-genesungsheimes. Ab 1958 zeichnen die Köbrich-Erben Wolf und für 40 Zimmer, mit 140 Betten verantwortlich; die Eltern von Dr. Günter Köbrich Wolf und Ärztin Aksamenija übernehmen im Mai 1959 das Kinderkurheim (für Kinder von 4 bis 14 Jahren) und führen es bis zur Schließung im Dezember 1989. (StABS 471/01 + 471/02/5)

(30.09.1962, Vs- + Rs der AK: Slg. G. Angermüller)

"Liebe Mutti!             d. 29.9.62
Wir stehen jeden Morgen um 8 Uhr auf.
Dann ziehen wir uns an und waschen uns.
Dann machen wir die Betten und dann Kochen [über gestrichen] wir Kaffee.
Dann singen wir.
Dann gehen wier spielen oder gehen in die Berge.
die Karte ist gutt angekommen die du geschrieben hast
wir haben Gestern (grote) geduscht.
Viele Grüße dein Arno
"                  

Gruppenbild aus Oktober 1970 (Foto, Slg. R. Boehm)

Unterstützen Sie die Aufarbeitung der Misshandlungen der „Verschickungskinder“
z.B. durch Ihre Unterschrift für eine Petition, die durch den Verein
"Aufarbeitung und Erforschung Kinderverschickung" angeregt worden ist
(
Vorsitzende: Anja Röhl, www.verschickungsheime.de)

Kinder-Kurheim
"HAUS LÜDING"

Walkenrieder Straße 1 (inhaltlich siehe dort!), 1952

Kinderlandverschickung

(oben: 1941, Ganzsache: Slg. R. Boehm)
(unten: 1941, Ganzsache: Slg. R. Boehm 6301) 

KLV-Lager Pension Dreger

Tannenweg 6
(damals Pfaffenberg 5)

In den Kriegsjahren 1940 ff wird die Pension Dreger durch Kinderlandverschickung belegt.  [Zur Vor- und Nachgeschichte vgl. Tannenweg 6].

1942 steht das Haus unter Diphterie-Verdacht und es wird festgestellt, dass die "allgemeinen hygienischen grundlegenden Bedingungen bei der Belegung von 50 Personen nicht den Anforderungen" entsprechen", es fehlen Bettbezüge, Bettsäcke, Zahnputzgläser, Waschschüs-seln usw. (Notiz  26.09.1942, StABS 471/02/5); am 4.11.1942 teilt der Bad Sachsaer Bürgermeister als Ortspolizeibehörde dem Landrat in Nordhausen mit, dass sich im Nachlass des verstorbenen Juden Dr. Bernhard Israel Meyer eine Anzahl Wäsche, Geschirr, Eimer und sonstiges Gerät befände, welches in dem Heim der Frau Dreger gebraucht werden könnte. Frau Dreger wurde gebeten, sich mit der Ortsgruppenamtleiterin der NSV Frau Wawrina in Verbindung zu setzten... (StABS 471/02/5) 



IN ARBEIT
 


IN ARBEIT

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Heime für Säuglinge, Töchter und

andere Jugendliche:

Töchter gehobenener Stände finden freundliche Aufnahme
bei Frau Oberpostsecretär Buchheister

(19.11.1878, Kölnische Zeitung)

Schuldirektor Dr. Julius Tietz, (oben mittig), Dr. Dieckmann (vermutlich Sohn des oben links abgebildeten Dr. Hermann Dieckmann, * 18.11.1818 in Clausthal; † 28.12.1887 in Hannover, nach ihm benannt die Dieckmannstraße in der Südstadt) sowie Pastor Büttner stehen mit ihrem guten Namen für die Ausbildung höherer Töchter im beschaulichen, und 1878 noch sehr dörflich geprägten, Sachsa. (linkes Foto: 1887?: Ernst Alpers, Hannover. THE NEW YORK PUBLIC LIBRARY DIGITAL COLLECTIONS / Foto oben: 1910, W. Eichhorn, Wikipedia. Beide abgerufen 21.02.2024)

Bismarckstraße 1

Im ausgehenden 1900 Jahrhundert, in der Vakanz dieses Gebäudes zwischen dem damaligen Eigentümer + Ziegeleibesitzer Conventes und dem zukünftigen Besitzer Louis Deibel in 1900 war in diesem, damals noch recht einfach gebauten Haus, die erste höhere Töchterschule dieser Stadt untergebracht.
Weitere Informationen sind bisher nicht bekannt. 

Töchterheim Scheller-Witzell
IN ARBEIT
Bismarckstraße 3 (auch Wiesenstr. 3)
Marta Scheller, geb. Witzell, erhält am 11.11.1916 die Erlaubnis zur Leitung eines Töchterheims für hauswirtschaftliche und wissenschaftliche Fortbildung (evtl. auf dem Glaseberg?). 1920 ist der Name der Anstalt in der Bismarckstraße 3 Töchterheim Scheller-Witzel, Inhaberin: Frl. Emmy Witzel und Frau verw. Rittergutb. Scheller, geb. Witzel. Hauptamtlich sind 4 Lehrerinnen und 6 nicht beamtliche Personen beschäftigt, die 38 Mädchen, davon 12 über 18 Jahre alt, unterrichten in "Haushalt, Nadelarbeiten, kunstgewerb. Arbeiten, Sprachen, Literatur, Kunstgeschichte, Musik". (StABS 1,26,2 + 1,29,4)

Töchterheim Elisabeth
IN ARBEIT 
Steinaer Straße 21
Zum Betrieb der privaten Koch- und Haushaltungsschule von Knobelsdorff haben Arthur von Steinmetz und seine Nichte Erna von Knobelsdorff (staatlich geprüfte Haushaltungslehrerin) die Villa in der Steinaer Straße 21 angemietet mit der Option, dass dieses Grundstück in deren Besitz übergeht, sobald die Genehmigung zur Leitung erteilt worden sei.
Zum 17. Januar 1917 wurde Erna von Knobelsdorff aus Nikolassee bei Berlin die Erlaubnis zur Leitung eines Töchterheims für hauswirtschaftlich und wissenschaftliche Fortbildung erteilt. 1919 werden 2 hauptamtliche und 2 unbeamtliche Lehrerinnen für 22 Mädchen, davon 6 über 18 Jahren, beschäftigt zur Ausbildung im Kochen und Haushaltung; Anfang der 1920er Jahre werden hauptamtlich 3 und unbeamtlich 2 Lehrerinnen beschäftigt für 36 Mädchen (davon 11 über 18 Jahren). Mitte/Ende der 1920er Jahre nimmt die Zahl der Töchter deutlich ab (9 Mädchen) um in den 1930er wieder zu steigen auf durchschnittlich 35 Mädchen, die von 4 Lehrerinnen unterrichtet werden.
1940 ist Major Arved von Knobelsdorff Inhaber und Hauptmann Manfred von Knobelsdorff und S. von Helldorff Leiter der Anstalt für 38 Schülerinnen (Alter 15-19 Jahren, kein Mädchen aus Bad Sachsa)
  (StaBS 1,26,2 + 1,29,4 + 1,29,5)

Töchterheim Maria Erika

Waldsaumweg 15
(1911)

Maria Schule, Inhaberin des Töchterheims Maria Erika, wird am 08.04.1916 davon in Kenntnis gesetzt, dass zum Betriebe des Töchterheims die Genehmigung der königlichen Regierung - Abteilung für Kirchen- und Schulwesen erforderlich ist. Aufnahmen dürfen vorher nicht erfolgen. Das Töchterheim ist nicht nur Erholungsheim, sondern auch eine wissenschaftliche Fortbildungsschule.
Zum 1.8. 1916 wird Fräulein Maria Schulze die Erlaubnis zur Leitung eines Töchterheims für hauswirtschaftliche und wissenschaftliche Fortbildung erteilt. In 1919 werden 5 Lehrerinnen (darunter Susanne Schmidt-Eschke ..........) und 3 unbeamtliche Personen beschäftigt für 39 Mädchen (18 über 18 Jahren, 18 unter 18 Jahren), die in Sprachen, Kochen, Haushaltungslehre, Gesundheitslehre, Kochtheorie, Waschen und Plätten, Handarbeit, Literatur, Kunstgeschichte, Deutsch, Zeichnen, Malen und Chorgesang unterrichtet werden. In 1920 sind es 52 Mädchen (26 über 18, 26 unter 18 Jahren). StABS 1,26,2 + 1,29,4)

Töchterheim Franziska
IN ARBEIT 
Glaseberg

Das Töchterheim Franziska wird 1921 erwähnt im Pensionat Fräulein Goebel, Glaseberg. (StABS 1,26,2)

Freizeitheim der Inneren Mission

Gartenstraße 2
(1937)

Das einstige Kriegsinvalidenheim HELDENDANK e.V. "ist seit 1929 im Besitz der Inneren Mission (Magdeburg, Breiterweg 195) und dient als Jugendheim. Seit 1933 werden in dem Heim nur Jugendliche im Alter bis zu 25 Jahren aufgenommen. Das Heim führt z.Zt. die Bezeichnung: Freizeitheim" und "Besitzer ist noch der Provinzialverband in Magdeburg". 1935 wird als Heimleiter des Evangelischen Provinzial-Freizeitheimes Rudolf Zilling genannt
Aus dem Freizeitheim wird im Laufe der Jahre ein Kindererholungsheim der "Inneren Mission Landesverband Hannover", (BSN 10./11. Mai 1958),  welches später als Kinderheim "Konsul-Albert-Heim" bekannt wird (u.a. 1962)

Wohl in den späten 1970er Jahren zieht hier eine Fachklinik für Diabetis- und Stoffwechsel-krankheiten ein.
Seit 1990 wird das Anwesen durch die Familie Küker als Haus Alba für die Seniorenbetreuung genutzt.

(StABS 2,11,2)

"KONSUL-ALBERT-HEIM"

Gartenstraße 2


Immerhin durfte das Kind seinen Namen darunter-setzen!
(25.07.1963, Foto: R. Boehm)

"Haushaltungskurse für Bräute und Abiturientinnen - auch kurzfristig..." im
Jungmädchenheim
Frau Charlotte Wegner
Bismarckstraße 7


rs. bezeichnet: "Hinteransicht"
(vermutlich 1933, Foto: Otto Adam; Slg. R. Boehm)

(ca. 1930, Prospekt: Horst Möller)

Diese Villa, erbaut 1892, wird vermutlich seit Ende der 1920er Jahre als "Bestempfohlenes Erholungsheim für junge Damen und Schülerinnen" geführt. 1933 erwirbt Frl. Knorr das Haus und zieht mit Pfarrer i.R. Kurt Knorr und dessen Ehefrau Auguste ein; sie betreiben gemeinsam das Mädchenpensionat wohl bis in die 1940er Jahre (?).

"Vorderansicht"

(vermutlich 1933, Foto: Otto Adam; Slg. R. Boehm)

Säuglingsheim von Steinmetz

Glasebergstraße 14
(1911, abgerissen 1975/1976)


Zum 30. Januar 1930 erhält Schwester Charlotte von Steinmetz die Genehmigung in ihrem Privat-Säuglingsheim ein Entbindungszimmer und ein Schlafzimmer für Wöchnerinnen zu unterhalten.
In 1938 wird die Genehmigung widerrufen und die weitere Ausführung untersagt, da die einfachsten Bedingungen der Gesundheitspflege nicht befolgt werden! (StABS 1,38,16)

Säuglingsheim
Müller von der Lehr

Steinaer Straße 13
(AK, 1959)

Zum 5. Juni 1933 wird Schwester Luise Müller von der Lehr gestattet, ein Privat-Entbindungs- und Säuglingsheim zu betreiben in der ehemaligen Villa "Drei Linden".
Im April 1938 ist das Heim mit 38 Kindern belegt (überbelegt!). Ende März 1940, nach Besichtigung durch das Gesundheitsamt in Nordhausen mit Feststellung diverser Mängel wird das Heim geschlossen; Frau Müller von der Lehr verzieht nach Dresden. (StABS 1,38, 16a + 471,02,1)
(zur weiteren Verwendung dieses Hauses siehe beim Kinderheim Krüsmann)

Entbindungsheim Borntal

IN ARBEIT



HIER FEHLT NOCH DIE VORGESCHICHTE :::::::::?::::::::
In 1947 wird im Borntal (siehe an anderen Orte!) Luise Mönkemann mit 5 Mitarbeiterinnen erwähnt, die ein Entbindungsheim für durchschnittlich 10 bis 15 Mütter mit 10 Kindern (Flüchtlinge) betreibt.
Auch 1951 steht Luise Mönkemann für das Entbindungs- und Säuglingsheim; gemeinsam mit einer Säuglingsschwester, einer Schülerin für Säuglingspflege sowie Haus- und Küchenpersonal werden durchschnittlich 12 Säuglinge betreut. 
(StABS 471/01)

Unterstützen Sie die Aufarbeitung der Misshandlungen der „Verschickungskinder“
z.B. durch Ihre Unterschrift für eine Petition, die durch den Verein
"Aufarbeitung und Erforschung Kinderverschickung" angeregt worden ist
(
Vorsitzende: Anja Röhl, www.verschickungsheime.de)

Und was machen die kleinen Schmerle?

Sie gehen entweder zum Nachbarn, in den Wald, ins Freibad und/oder in den Kindergarten:

Kindergarten von Lüpke
(um 1912)

Marktstraße 46
(2007, Foto: H.J. Liebau)

Im Oktober 1912 beantragt Frieda von Lüpke (Turn- und Haushaltungslehrerin) als Zweig der Volkswohlfahrt einen Kindergarten zu errichten für Mädchen und Jungen im Alter von 3 bis 6 Jahren im Haus Marktstraße 46; dort stehen ein Zimmer mit 25 qm, 3m Höhe, Garten und Hofraum zur Verfügung. Die Genehmigung wird im März 1913 erteilt.
 (StABS 1,26,2)

Kindergarten
(um 1914)

??? Otto Kaiser-Weg 1 ???

Namens des Vaterländischen Frauenvereins bittet Frieda von Tenspolde im März 1914 um eine einmalige Beihilfe zur Errichtung einer Kleinkinderschule, verbunden mit einem  Gemeindesaal (Jungfrauenverein, Wohlfahrtspflege, Konfirmandensaal). Das Stadtarchiv verrät uns, dass die Stadt- und Kirchengemeide unentgeltlich das Bauterrain zur Verfügung gestellt hat; es verrät uns leider nicht, ob und wann dieser Kindergarten existiert hat.
(StABS 1,26,2)

"Kinderheim Sonneck"

Lore (Laura) Sundermann eröffnete zum 01.08.1929 das "Kinderheim Sonneck" (fälschlich auch "Sonneneck" genannt), am Pfaffenberg 16 (ab ca. 1935: Pfaffenberg 26)

(Dr. med. Kurt Schröder: Der Harz als Kurgebiet, Verlag E. Appelhans & Comp., Braunschweig)

Haus Sonneneck
(um 1934)

Pfaffenberg 16
(heute Pfaffenberg 26)
Frl. Lore Sundermann (staatlich geprüfte Wohlfahrtspflegerin, Kindergärtnerin und Jugenderzieherin) betreibt zumindest  von 1929 bis in die Jahre 1934 bis 1936 das Kinderheim Sonneck und  im selben Haus den privaten Kindergarten für bis zu 25 Kindern, für die pro Tag zwischen 2.50 und 5 Reichsmark zu entrichten sind; Hausarzt ist Dr. med. Stöhr. (StABS 470/01 + 1,26,2)

Bei Dr. med. Kurt Schröder heißt es auch:

VERSCHICKUNGSkinder

Kinderverschickung - was geschah?
Diakonie Niedersachsen sucht ehemalige Mitarbeiter der Kinderklinik "Im Borntal"

in Bad Sachsa (Echo zum Sonntag, 08.10.2023, ähnlich auch am 30.09.2022 im Harz Kurier: "Bad Sachsa und die Kinderverschickung: Was geschah damals wirklich?")

 Auf der Homepage des Diakonissenmutterhaus Bad Harzburg ist zu lesen 
(abgerufen 04. Dezember 2023 unter https://www.dmk-harzburg.de/?Mutterhaus___Verschickungskinderzeit )

Zur Geschichte der Verschickungskinder
Ab Anfang der 1950er bis zum Ende der 1980er Jahre wurden in der Bundesrepublik Deutschland bis zu 12 Mio. Kinder und Jugendliche aus gesundheitlichen Gründen über mehrere Wochen in Kindererholungsheime verschickt. Zu diesen Kurheimen bzw. Kurkliniken gehörten auch das Kinderkrankenhaus „Im Borntal“ in Bad Sachsa im Harz und das Seehospiz Norderney. Der Diakonissen-Mutterhaus Bad Harzburg e.V. ist bzw. war Trägerin dieser beiden Einrichtungen
Für viele Kinder waren die Kuren teilweise mit sehr leidvollen und traumatischen Erfahrungen verbunden. Das Diakonissen-Mutterhaus stellt sich seiner Verantwortung. Die uns bislang bekannt gewordenen Schilderungen beschämen uns. Sie machen uns sehr traurig und betroffen! Wir können das Leid der Verschickungskinder nicht ungeschehen machen. Deshalb bitten wir alle, die damals Leid und Traumatisierung erfahren haben, um Entschuldigung und Vergebung. Den Betroffenen helfen wir bei ihren Nachforschungen und der Aufarbeitung ihrer eigenen Verschickungskinderzeit, soweit dies in unseren Möglichkeiten liegt.
Auf der Grundlage von Fragen der Betroffenen sind über die Verhältnisse in Bad Sachsa umfangreiche Nachforschungen eingeholt worden. Den von der unabhängigen, ehemaligen Richterin, Frau Eva Moll-Vogel, erstellten ausführlichen Bericht über die Situation in der Kinderklinik „Im Borntal“ in Bad Sachsa finden Sie demnächst auf dieser Seite.
Die Verhältnisse im Seehospiz sind u.a. Gegenstand der bundesweiten Forschungsarbeiten des Historischen Instituts, Lehrstuhl für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Humboldt Universität Berlin. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts sollen bis Ende 2024 vorliegen. Auch diese werden Sie dann hier finden.
Sollten Sie weitergehende Fragen zu Ihrem Aufenthalt im Kinderkrankenhaus „Im Borntal“ in Bad Sachsa oder im Seehospiz auf Norderney haben, so helfen wir Ihnen gerne weiter. Damit diese Hilfe unparteilich und unabhängig von uns als Mutterhaus-Vorstand erfolgt, haben wir Frau Beate Reinecke gebeten, diese Aufgabe zu übernehmen. Sie arbeitet im Hauptberuf als behördliche Berufsbetreuerin beim Land Niedersachsen. Frau Reinecke hilft Ihnen gerne weiter. Sie erreichen sie unter [email protected].


BORNTAL

Teil 1 (ab 1935): Die Daniel Schnakenberg-Stiftung

Das "Gerdchen" Jaritz, zur Zeit Gruppe 8 im N.S.V. Kindererholungsheim Bad Sachsa Harz, schreibt an seine Eltern in Osnabrück:


"Liebe Eltern.

Herzlichen Gruß aus Bad Sachsa.
Wir sind schon auf die Berge gewesen. Wir sind über Melle und Bünde gefaren. Wir sind in gruppe Acht.
Hier sind 7 Häuser. Hier sind im ganzen 240 Kinder.
Mir gefällt es hier gut. Es grüßt nun Gerdchen"
.

N.S.V.-Kindererholungsheim Bad Sachsa - Borntal

(25.11.1940, AK Avers + Revers, Slg. Ralph Boehm)


Aus Bad Sachsa schreibt Elisabeth Zibell, Gruppe 8 im "N.S.V. Kindererholungsheim Bad Sachsa Harz" an Gerhard Jawitz [siehe die Karte zuvor]:


"B. Sachsa, d. 11.5.(19)41

Lieber Gerd.
Ich habe mich sehr zu Deiner Osterkarte gefreut und danke Dir und Deinen Eltern dafür.
Wie geht es Dir, denkst Du noch manchmal an Bad Sachsa? Ich würde mich freuen, wenn Du bald  wieder einmal schreibst.
Dir u. Deinen Eltern die herzl. Grüße v. Elisabeth Zibell
".

N.S.V.-Kindererholungsheim Bad Sachsa - Borntal

(25.11.1940, AK Avers + Revers, Slg. Ralph Boehm)


Teil 2 (bis 1939): Saarländer im Borntal

Teil 3 (1944/1945): Die "Kinder des 20. Juli"

HITLERS ZORN

DIE KINDER VON BAD SACHA

ein Film von Michael Heuer


zu sehen auf NDR:


https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/unsere_geschichte/Hitlers-Zorn-Die-Kinder-von-Bad-Sachsa,unseregeschichte798.html?fbclid=IwAR3EF1E10uQZ3o321o9S34_Ih_FMciZNITzCJeR-vdqGepcxJP0HInc3hjE

Einweihung der Ausstellung zum Gedenken an die "Kinder des 20. Juli 1944" in Bad Sachsa
(Kursaal, 

Wilhelm Graf von Schwerin von Schwanenfeld hält seine Rede zur "Sippenhaft" in Bad Sachsa.

 


 „Sippenhaft“ in Bad Sachsa 

 Wilhelm Graf von Schwerin von Schwanenfeld

 „Sippenhaft“ in Bad Sachsa

 Grußwort von Wilhelm Graf von Schwerin von Schwanenfeld zur Eröffnung der Ausstellung „Unsere wahre Identität sollte vernichtet werden“ am 22. November 2016 im Kursaal der Stadt Bad Sachsa 

 Meine sehr verehrten Damen und Herren,

 vor etwas mehr als 72 Jahren, ich war damals 15 Jahre alt und bin damit heute 87, kam ich spät abends mit der Bahn in Bad Sachsa in Begleitung an. Aber davon später etwas mehr. 

 Ich ging zu der Zeit in Nordhausen auf das humanistische Gymnasium, nachdem ich das Internat Klosterschule Roßleben, auch in Thüringen, wegen politischer Aktivitäten hatte verlassen müssen. Der Oberstudiendirektor Kurt Sachse am Nordhäuser Gymnasium war 1921 Geschichts- und Lateinlehrer meines Vaters in Roßleben gewesen und bei der Umwandlung von Roßleben zur SS-Heimschule dort politisch nicht mehr tragbar. Daher mein „Unterkommen“ in Nordhausen. 

 Ich bin verheiratet, habe eine Tochter und zwei Söhne, alle drei sind, gottlob, in Arbeit und Brot und elf Enkelkinder. Meine Frau und ich leben seit 1994, nach meiner Pensionierung bei John Deere in Mannheim, wo ich mich 34 Jahre lang im Konzern mit Landmaschinen beschäftigt habe, nun wieder auf meinem väterlichen Betrieb im Osten Mecklenburgs, ca. 150 km nördlich von Berlin und erfreuen uns täglich an der wunderschönen Landschaft, dem meist guten Wetter und der von mir sehr geschätzten Mischung aus Ackerland, Wald und großen Seen. Back to the roots! Es lebt sich gut in Norddeutschland, einen Steinwurf von Berlin entfernt und wieder zu Hause auf eigenem Grund und Boden. 

 Die Tatsache, nach genau 50 Jahren wieder zu Hause zu sein, ist überwältigend und deckt die Schwierigkeiten des Neuanfangs mit einem Mantel größter Dankbarkeit zu. 

 Mein Elternhaus war sehr politisch ausgerichtet. Mein Vater engagierte sich unter anderem für das Deutschtum im damaligen Westpreußen (auch Korridor genannt, weil zwischen dem Reichsgebiet und Ostpreußen gelegen und 1918 an Polen gefallen). 

 Die Familie hatte dort neben dem mecklenburgischen Betrieb auch noch einen Waldbesitz direkt am Weichselufer südlich von Danzig, der nach dem Ersten Weltkrieg von den Polen enteignet werden sollte. Durch das Verhandlungsgeschick meines Vaters, bis zum Völkerbund in Genf, konnte er erhalten werden, wenn auch in der Größe reduziert. 

 Meine Jugend auf dem Lande und später in verschiedenen Internaten, deren Wechsel sich aus den Ausbombungen ergaben, wurde bis zum Juli 1944 durch zahlreiche politische Eckpunkte bestimmt. Beginnend mit dem Einmarsch in Österreich am 13. März 1938. Die Begeisterung für uns Jungen kannte keine Grenzen. Anfang September 1938 mussten wir aus Westpreußen nach Mecklenburg (ins Reich!) zurückkommen, da mein Vater kriegerische Verwicklungen hinsichtlich des Sudetenlandes befürchtete. Es folgte am 30. September 1938 die Münchener Konferenz, auch Münchener Abkommen genannt, mit Hitler, Mussolini, Chamberlain und Daladier. Sie wurde von Chamberlain als Erfolg für den Frieden gefeiert, fand aber mit der schnell folgenden Besetzung des Sudetenlandes ihren augenblicklichen Abschluss. 

 Auf unserem Betrieb in Göhren, Mecklenburg, hatten sich damals Herren der deutschen Generalität (Witzleben, Beck und andere) versammelt, um das Ergebnis der Münchener Konferenz abzuwarten. Witzlebens Kommando über den Wehrkreis Berlin hätte die Möglichkeit geboten, dies war die Planung, die Reichsregierung im Falle eines Scheiterns der Münchener Konferenz zu verhaften. Nachdem die Konferenz aber einen für die Reichsregierung positiven Verlauf genommen hatte, war an einen Staatsstreich nicht zu denken. 

 Nach dem Einmarsch in Österreich und das Sudetenland 1938 erfolgte im März 1939 die Besetzung des Memelgebietes und schließlich der Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939. Mein Vater wurde am 25. August 1939 als Reserveoffizier eingezogen und marschierte mit seinem Bataillon von Pommern aus in den Korridor ein. 

 Die Nationalsozialisten fühlten sich auf dem Höhepunkt ihrer Macht und ließen dies die Menschen in den besetzten Gebieten in vielfältiger Weise spüren. 

 Nach dem Ende der militärischen Aktivitäten in Polen war mein Vater Ende 1939 im Urlaub auf seinem Betrieb in Westpreußen und wäre fast Zeuge von Ermordungen von über 1.000 geistig Kranken aus einem in unserer Kreisstadt gelegenen Hospital in einer Kiesgrube in seinem Wald geworden. In dieser Kiesgrube sind bis Kriegsende an die 10.000 Menschen ermordet und verscharrt worden. 

 Seinem testamentarischen Wunsch, in der Kiesgrube ein Kreuz zu errichten mit einer Tafel und folgendem Text: „Hier ruhen 1000-1500 Christen und Juden. Gott sei ihrer Seele und ihren Mördern gnädig“, konnten wir nur teilweise nachkommen, da es in der Kiesgrube bei unserem ersten Besuch 1976 bereits ein großes steinernes Kreuz – von den Polen errichtet – gab. Die Tafel haben wir an der Kapelle in unserem dortigen Heimatort anbringen können. 

 Mit diesem Hintergrund versuchte ich mich in der obligatorischen Hitlerjugend bzw. dem Jungvolk zu arrangieren. Opposition war nicht erwünscht, Widerreden wurden meist mit Strafen und Nachexerzieren geahndet. 

 Für mich war der 20. Juli 1944 quasi der Neuanfang meines Lebens. Kein Stein stand mehr auf dem anderen. 

 Alles wurde abrupt beendet, als am 7. August 1944 die Gestapo, zwei Männer und eine Frau, vor der Tür standen, um meine Mutter, meine beiden Brüder – elf Jahre und neun Wochen alt – und mich zu verhaften. 

 Himmler hatte auf einer Gauleitertagung am 3. August 1944 in Posen gesagt: „Dann werden wir die absolute Sippenhaft einführen. Wir sind danach schon vorgegangen und haben danach gehandelt. Die Familie Graf Stauffenberg wird ausgelöscht werden bis ins letzte Glied.“ 

 Himmler hat dann wohl seine Meinung geändert, da man der deutschen Bevölkerung nicht jeden Tag die Hinrichtung von Menschen mit in Deutschland bekannten Namen bekannt geben konnte. Außer den Morden in Plötzensee wurden alle anderen Maßnahmen auf Gefängnis-, Lager- und KZ-Strafen geändert. 

 Ich kam am 7. August morgens von der Jagd zurück, in der einen Hand ein erlegtes Kaninchen, das ich in den Eiskeller (Kühltruhen gab es noch nicht) brachte, und stellte das Gewehr nach der Reinigung in den Gewehrschrank, bevor ich mich unserem Besuch zuwendete und nach ihrem Begehren fragte. 

 Ihre Verblüffung ob dieser Frage war so groß, dass der Vorgesetzte etwas von Verreisen sagte. Ich packte also ein Köfferchen mit etwas Wäsche und dem Waschzeug. Die Kinderschwester, die meinen jüngsten Bruder versorgte, erklärte, dass, wenn sie das Baby mitnehmen würden, sie auch mitkäme. Das wurde ihr großzügig gestattet. Da die Gestapotruppe zu dritt war, war in einem kleinen DKW nicht genug Platz für meine Mutter, Kinderschwester, Baby, meinen jüngeren Bruder und mich. Es wurde also beschlossen, dass meine Mutter mit Baby und Kinderschwester mitfahren, die Gestapo-„Tante“ sich einen eigenen Transport besorgen müsste und mein Bruder und ich nachkommen sollten. Wir wurden dann zu unserem nächstgelegenen Bahnhof gebracht, kauften unsere Fahrkarten und fuhren ins Gefängnis. Man beachte bitte, mit selbst gekauften Fahrkarten! 

 Die erste Nacht brachten wir in einem Kinderheim zu. Ich wurde am nächsten Morgen nach Güstrow ins Gefängnis verlegt, wo meine Mutter am Tag zuvor schon eingewiesen und einem Verhör unterzogen worden war. Ich bin niemals verhört worden, wurde aber nach der Ankunft in Güstrow von meiner Mutter instruiert, wie welche Fragen zu beantworten seien. 

 Das Gefängnis war im Güstrower Schloss untergebracht. Meine und die Zelle meiner Mutter lagen an einem Flur, waren unverschlossen, der Gang am Ende war allerdings verriegelt. Das Mobiliar bestand aus Bett und Stuhl. Die Sanitäreinrichtungen waren angepasst. 

 Die Zellen hatten ein in kleine Scheiben unterteiltes Fenster, von denen man die mittlere öffnen konnte. Mein Kopf passte gerade so hindurch. Auf der einen Seite sah ich auf eine Wiese außerhalb des Schlosskomplexes, auf der anderen auf den Schlosshof. Am Sonnabend konnte ich immer das Zusammenstellen von Sonderkommandos von Häftlingen auf dem Schlosshof beobachten. Sie marschierten dann über die Schlossbrücke und wurden draußen auf wartende LKW verladen und ins KZ gebracht. 

 Ich wurde zur Arbeit einer Gärtnerei zugewiesen. Der Gärtner holte mich morgens um 6.30 Uhr ab und brachte mich abends um 18.00 Uhr wieder zurück in die Zelle. Der Vorteil dieser Arbeitsstelle war, dass es, da alles Obst reif war, eine erfreuliche Ergänzung zum Knast-Fraß gab. 

 Da er während der Frühstückspause den „Völkischen Beobachter“ las und mir die Zeitung, wenn er fertig war, übergab, war ich immer über die Außenwelt informiert. Daher wusste ich auch, dass der Name unserer Familie nicht in deutschen Medien veröffentlicht worden war, was mir später bei einer Diskussion mit einem Gestapo- Beamten im Gespräch über unseren neuen Namen (Seifert) behilflich war. 

 Am 22. und 23. August 1944 wurde unter dem Code-Namen „Gitter“ (Gewitter) in Deutschland eine große Verhaftungswelle durchgeführt, bei der die Funktionsträger des politischen Lebens der Weimarer Republik inhaftiert wurden. Drei dieser Inhaftierten wurden auch der Gärtnerei zugeteilt. Es waren natürlich für mich ältere Herren, die plötzlich in Häftlingskleidung mit Holzpantoffeln herumlaufen mussten. Einer von ihnen hatte bei der nächtlichen Verhaftung vor Aufregung seine Zahnprothese vergessen, was aber am folgenden Tag repariert wurde. 

 Diese Herren saßen mit mir zusammen in den Pausen vor der Gärtnerbude, so dass wir uns selbstverständlich auch unterhielten, schließlich kamen wir ja aus demselben „Haus“. Nach zwei Tagen wurde mit mitgeteilt, dass ich mich mit den Herren nicht unterhalten dürfe. Ich hörte nach meiner Entlassung, dass Kaltenbrunner, Chef des Reichssicherheitshauptamtes, schon den Befehl gegeben hatte, mich nach Dachau zu verlegen, dies aber von einem Onkel von mir, dem Reichsfinanzminister, verhindert wurde. Es ist kaum vorzustellen, wie besorgt man sich um einen 15-jährigen Schuljungen kümmerte. 

 Am 13. September wurden mein Bruder und ich mit der Begründung aus Güstrow abgeholt, dass die Sommerferien beendet seien und wir auf eine Schule gebracht würden. Dies konnte eigentlich, meiner Ansicht nach, nur ein Internat sein. Als ich dann herausbekam, dass wir am nächsten Morgen nach Bad Sachsa fahren, nahm ich an, dass wir dort auf das mir bekannte Internat kommen würden. 

 Beim Abendessen in der Schweriner Gestapo-Zentrale – große Schüsseln mit Gulasch und Salzkartoffeln – haben wir offensichtlich so viel gegessen, dass ein Gestapo-Mann sich zu der Bemerkung hinreißen ließ, dass wir wohl besonders hungrig wären. Die Antwort bzw. Frage meines Bruders, ob er schon mal bei sich im Gefängnis gegessen hätte?! 

 Wir fuhren also am nächsten Morgen mit dem Zug über Nordhausen nach Bad Sachsa – 1. Klasse im ersten Waggon hinter der Lokomotive, der wegen der Tieffliegerangriffe, die ja meist der Lokomotive galten, nicht mit Passagieren besetzt wurde. Beim Umsteigen in Nordhausen traf ich Klassenkameraden (Fahrschüler) von mir – eiligst wurden wir in einen separaten Raum gebracht! 

 Wir verließen den Zug in Bad Sachsa und ich schlug die Richtung zum Internat ein. Mir wurde aber bedeutet, dass wir die Nacht in einem Heim verbringen würden. So kamen wir zu Fuß im Borntal an, wurden kurz mit „Heil Hitler“ von Fräulein Köhler, einer Walküre mit dem Parteiabzeichen mitten auf der Brust, begrüßt und in das Haus 1 (für Jungen ab 10 Jahren) weitergeleitet. 

 Wir hatten ein Doppelzimmer und ich muss ehrlich zugeben, dass ich mich freute, wieder einmal in einem bezogenen Bett auf einer Matratze schlafen zu können, im Gefängnis war es ein Strohsack mit altem Stroh. 

 Am nächsten Morgen musste ich mit Fräulein Köhler und ihrem großen Schäferhund, den ich an der Leine führen durfte, außerhalb des Heimgeländes einen kurzen Spaziergang machen, bei dem sie mir das Ehrenwort abnahm, dass ich nicht weglaufen würde. Meine Frage: Wohin denn? 

 Das Leben im Heim war zwar ein Eingesperrt-Sein, aber erträglich, da wir kaum Vorschriften oder Verhaltensanweisungen erhielten. Wir hatten versprechen müssen, dass wir unsere richtigen Namen nicht bekannt geben würden. 

 Als ich von meinem Rundgang mit Hund und Fräulein Köhler zurück ins Haus kam, erzählte mir mein Bruder, wie all die Kinder mit richtigem Namen heißen würden. Er trug eine von mir ausgewachsene Lederhose, die aus meiner Internatszeit innen an der Klappe mit Namen gezeichnet war. Er ist also an dem Morgen im Haus herumgegangen und hat jedem gesagt, dass er ihm ja nicht sagen dürfe, wie er hieße, sie könnten aber in seiner Hose seinen Namen lesen und dazu die Klappe aufknöpfte. 

 Unsere uns zugewiesene Kindergärtnerin, Hilde Waßmann, war entsetzt, konnte aber nichts mehr machen und hat letztendlich das Spiel mitgemacht. Sie war eine liebevolle Persönlichkeit, die uns pfleglich behandelte. 

 Wir waren ja nun alle schon eine längere Zeit „unterwegs“. Unsere Haarpracht sah entsprechend aus, so dass ich mich entschloss, den Friseur zu spielen. Dazu brauchten wir einen Raum, vor allem bei schlechtem Wetter. Ich hatte schnell eine gewisse Fertigkeit erzielt, obgleich ich noch nie etwas über Fasson- oder Rundschnitt gehört hatte, war das Bild trotzdem recht uniform. 

 Anfang Oktober wurden mein Bruder und ich entlassen und von denselben zwei Gestapo-Beamten, die uns auf dem Hinweg begleitet hatten, wieder abgeholt und nach Schwerin gebracht, wo uns ein Onkel in Empfang nahm. Wir lebten dann bei Verwandten in der Nachbarschaft von unserem alten Zuhause, das ja für die ganze Familie „off limits“ und wie der ganze übrige Besitz und das Vermögen meines Vaters enteignet war. Ich bin dann sehr schnell wieder auf die Schule nach Nordhausen zurückgekehrt und dort bis Ostern 1945, nach dem die Stadt total zerstörenden Fliegerangriff, geblieben. 

 Im November 1944 fuhr ich von Nordhausen aus noch einmal nach Bad Sachsa in das Heim. Fräulein Köhler war nicht beglückt, mich wiederzusehen, erlaubte mir aber, einige der immer noch nicht entlassenen Kinder zu treffen. 

 Meine Mutter war in der Zwischenzeit aus der Uckermark in die Gegend von Salzwedel geflohen, wo ich sie dann auch traf. 

 Ich bedanke mich bei Ihnen, Herr Bürgermeister Dr. Hartmann, dass wir diese Zusammenkunft in ihrer Stadt haben können. 1944 war die Verbindung zur Stadt nur dadurch gegeben, dass uns erzählt wurde, dass die Lebensmittel für unser Essen aus Bad Sachsa kämen. Sie haben uns also am Leben erhalten, wofür wir der Stadt dankbar sind. 



75. Jahrestag des Attentats auf Adolf Hitler,

20. Juli 1944

Rotes Rathaus und Bendlerblock
(Fotos Ralph Boehm, 19. und 20. Juli 2019)

(Harz Kurier, 25.07.2019)

"20/07/44 - 75 Jahre"
Fassade des Bendlerblocks, Stauffenbergstraße 13-14

Prof. Dr. Johannes Tuchel (Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand und 
Geschäftsführer der Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand) eröffnet die

Sonderausstellung
"Ihr trugt die Schande nicht..."
(Die frühe Erinnerung an den 20. Juli 1944).

Blick in die Sonderausstellung

Dr. Rainer Goerdeler während des Besuchs der Sonderausstellung

Dr. Rainer Goerdeler 

Blick in die Sonderausstellung

Dr. Rainer Goerdeler während des Besuchs der Sonderausstellung

Dr. Rainer Goerdeler 

79. Jahrestag des Attentats auf Adolf Hitler,

20. Juli 2023, Bendlerblock

(Fotos: Ralph Boehm)

Kurz vor dem Einlass zur Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Ehrenhof,  Bendlerblock, Stauffenbergstraße 13-14

"Kinder des 20. Juli 1944".
Wilhelm Graf von Schwerin von Schwanenfeld (mit Gattin, sitzend) sowie

Helmtrud von Hagen (stehend) und Frauke Hansen (verdeckt).

"Stiftung des 20. Juli".
Baron Philipp Riedesel Freiherr zu Eisenbach und seine Frau Baronin Valerie Riedesel Freifrau zu Eisenbach (Kuratoriumsvorsitzende).

"Stiftung des 20. Juli".
Prof. Dr. Robert von Steinau-Steinrück (Vorsitzender des Vorstandes).

Bundesminister der Verteidigung Boris Pistorius nach seiner Rede.

"Stiftung des 20. Juli".
Baronin Valerie Riedesel Freifrau zu Eisenbach (Kuratoriumsvorsitzende).

Minister Boris Pistorius und Carsten Breuer (Generalinspekteur der Bundeswehr) legen Kranz nieder.

Dr. Axel Smend (Ehrenvorsitzender des Kuratoriums, mittig im dunklen Anzug), Karin Göring-Eckert (Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Abgeordnete für Thüringen, rechts).

"Kinder des 20. Juli 1944".
Volker Hayessen + Gattin

"Kinder des 20. Juli 1944".
Gebrüder Wessel und Andreas Freiherren Freytag von Loringhoven

 

"Kinder des 20. Juli 1944".

Rainer Goerdeler mit Gattin und Tochter.

Dr. Axel Hartmann (Ex-Bürgermeister Bad Sachsa)

Grete Boehm im Gespräch mit Daniel Quade (Bürgermeister Bad Sachsa).

Eine persönliche Bücherauswahl zum Thema "Kinder des 20. Juli":

Friedrich-Wilhelm von Hase:
"Hitlers Rache. Das Stauffenberg-Attentat und seine Folgen für die Familien der Verschwörer".

 
Verlag: SCM Hänssler, 2014.

Valerie Riedesel, Freifrau zu Eisenbach:
"Geisterkinder. Fünf Geschwister in Himmlers Sippenhaft."

Verlag: SCM Hänssler, 2017

Ann Bausum:
"ENSNARED IN THE WOLF`S LAIR -  Inside the 1944 PLOT to Kill HITLER and the GHOST CHILDREN of His Revenge".

National Geographic, Washington D.C., 2021

Teil 4 (1945): Die Kinderheilanstalt Dresden und das Kinderkrankenhaus

"Liebe Mutti!

Heute möchte ich Dir ein mal schreiben. Warum habt ihr mir nicht früher geschrieben? Mir geht es gut, dasselbe hoffe ich auch von Dir. Wann ist Gitte nach hause gekommen. Mutti ich war vorrige Woche krank Kopfschmerzen, aber du brauchst Dir keine Sorge zu machen, ich dar schon wieder aufstehen."

Märchenwiese im Borntal

(18.08.1947, AK Avers + Revers, Slg. G. Angermüller)


Kinderkrankenhaus im Borntal mit Haus 5

(1956, AK Revers, Slg. R. Boehm)


"Heute will ich euch nur eine Karte schreiben weil ich noch rechnen machen muß"

Kinderkrankenhaus im Borntal mit Haus 5

(1956, AK Avers, Slg. R. Boehm)


Bad Sachsa und die Kinderverschickung: Was geschah damals wirklich?
Die Diakonie Niedersachsen will das Kapitel Kinderverschickung aufarbeiten - 
dazu werden Mitarbeiter der Kinderklinik "Im Borntal" in Bad Sachsa gesucht;
so titelte der Harzkurier am 30.09.2022.
Wenige Tage später erschien am 08.10.2022 im "Echo zum Sonntag" dieser fast identische Artikel:

Das Diakonissenmutterhaus Bad Harzburg fasst diese Problematik auf ihrer Homepage 2023 so zusammen
(https://www.dmk-harzburg.de/?Mutterhaus___Verschickungskinderzeit):

Zur Geschichte der Verschickungskinder

Ab Anfang der 1950er bis zum Ende der 1980er Jahre wurden in der Bundesrepublik Deutschland bis zu 12 Mio. Kinder und Jugendliche aus gesundheitlichen Gründen über mehrere Wochen in Kindererholungsheime verschickt. Zu diesen Kurheimen bzw. Kurkliniken gehörten auch das Kinderkrankenhaus „Im Borntal“ in Bad Sachsa im Harz und das Seehospiz Norderney. Der Diakonissen-Mutterhaus Bad Harzburg e.V. ist bzw. war Trägerin dieser beiden Einrichtungen

Für viele Kinder waren die Kuren teilweise mit sehr leidvollen und traumatischen Erfahrungen verbunden. Das Diakonissen-Mutterhaus stellt sich seiner Verantwortung. Die uns bislang bekannt gewordenen Schilderungen beschämen uns. Sie machen uns sehr traurig und betroffen! Wir können das Leid der Verschickungskinder nicht ungeschehen machen. Deshalb bitten wir alle, die damals Leid und Traumatisierung erfahren haben, um Entschuldigung und Vergebung. Den Betroffenen helfen wir bei ihren Nachforschungen und der Aufarbeitung ihrer eigenen Verschickungskinderzeit, soweit dies in unseren Möglichkeiten liegt.

Auf der Grundlage von Fragen der Betroffenen sind über die Verhältnisse in Bad Sachsa umfangreiche Nachforschungen eingeholt worden. Den von der unabhängigen, ehemaligen Richterin, Frau Eva Moll-Vogel, erstellten ausführlichen Bericht über die Situation in der Kinderklinik „Im Borntal“ in Bad Sachsa finden Sie demnächst auf dieser Seite.

Die Verhältnisse im Seehospiz sind u.a. Gegenstand der bundesweiten Forschungsarbeiten des Historischen Instituts, Lehrstuhl für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Humboldt Universität Berlin. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts sollen bis Ende 2024 vorliegen. Auch diese werden Sie dann hier finden.

Sollten Sie weitergehende Fragen zu Ihrem Aufenthalt im Kinderkrankenhaus „Im Borntal“ in Bad Sachsa oder im Seehospiz auf Norderney haben, so helfen wir Ihnen gerne weiter. Damit diese Hilfe unparteilich und unabhängig von uns als Mutterhaus-Vorstand erfolgt, haben wir Frau Beate Reinecke gebeten, diese Aufgabe zu übernehmen. Sie arbeitet im Hauptberuf als behördliche Berufsbetreuerin beim Land Niedersachsen. Frau Reinecke hilft Ihnen gerne weiter. Sie erreichen sie unter [email protected].

und weist auf zwei Artikel in der Goslarschen Zeitung hin:

1) "Wir können das Unrecht nicht ungeschehen machen", 20.09.2023;
Ein Zitat hieraus macht mich besonders betroffen

 "Aus heutiger Sicht sei vieles damals

ein Unding

gewesen,

konstatiert die Mutterhaus-Oberin".

2) "Täglich raus an die frische Luft", 23.09.2023


(20.09.2023, Goslarsche Zeitung, oberster + unterster Abschnitt)

 

Am 26. Mai 2023  setzt sich eine Gruppe von 20 ehemaligen Verschickungskindern mit ihren damals im Borntal erlebten Traumata im Beisein von Frau Moll-Vogel am Ort des Geschehens auseinander.
Ich (1956 gebohren, 67 Jahre alt) kann nicht glauben, daß alle anwesenden Betroffenen deutlich jünger sind als ich; will sagen: diese Problematik ändert sich erst in den 1980er Jahren...!


(Borntal Haus 1, 26.05.2023, Foto: Ralph Boehm)

Teil 5 (1987): Tschernobyl und das Borntal     (IN ARBEIT)

 

Von Nastassia Reznikava und Jutta Schwengsbier
 
"Atomkatastrophe vor 32 Jahren  -  Die Kinder von Tschernobyl"

Sie fragen sich vielleicht, was dieses Foto (Aufnahme Ralph Boehm, 28.01.2024) mit dem Text darüber und darunter zu tun hat??? Es hat nichts miteinander zutun!!!
Das ursprünglich an dieser Stelle befindliche Foto 
[2018-04-26, Kinder aus einer der Tschernobyl-Reaktorkatastrophe betroffenen Region in Weißrussland kommen für ein Ferienaktion in Hannover an
(picture alliance-dpa-Holger Hollemann in Deutschlandfunk am 26.04.2018)]
haben wir umgehnd entfernt aufgrund des Erhalts der Briefe (17.01.2024 ff) mit dem Vorwurf der
"Urheberrechtsverletzung auf Ihrer Webseite heimatmuseum-bad-sachsa.de" durch die
"ksp. RECHTSANWÄLTE"
Den geforderten Betrag in Höhe von 252,32 € haben wir fristgemäß am 19.02.2024 per PayPal überwiesen....

 

In der "taz. die tageszeitung" wird am 14. März 1996 auf Termine zum 10. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl hinweisen; u.a. auf "16.3. Salzgitter-Lebestedt, 17.3. Bad Sachsa: Rock-Requiem „Die Kinder von Tschernobyl“ Info: Kontakte Musikverlag, Koltackerweg 26, 59558 Lippstadt, Tel.: 02941/6582,86, Fax: 02941/658287". Bereits 1991 fand die Uraufführung dieses Rock-Requiems „Die Kinder von Tschernobyl“ statt, das auf 200 Aufführungen kam. Auf Einladung des Ministerpräsidenten Johannes Rau war der deutsche Kinderliedermacher Reinhard Horn mit seiner Gruppe in Minsk (vgl. Wikipedia,  https://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_Horn, 05.01.2024).


 

In der "Süddeutschen Zeitung" wird am 17. Mai 2010 (sic!) der Bad Sachsaer Einwohner zitiert im Artikel

"20 Jahre nach der Reaktorkatastrophe, TSCHERNOBYL - WO LIEGT DAS EIGENTLICH?" :


Carsten Salander, 72, Bad Sachsa, Kernphysiker, Ex-Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen

Es gibt eigenartige Zufälle: Genau am Tag des Reaktorunglücks haben wir mit einem Siemens-Konsortium den Vertrag zum technischen Bau der WAA Wackersdorf unterzeichnet. Es war wie ein Omen. Wir haben ja vom Störfall erst Tage später erfahren. Zwar bin ich heute noch der Meinung, dass ein Unfall in dieser Form bei uns nicht passieren kann. Doch auch uns Kernphysiker hat das Ereignis bestürzt. Bei den radioaktiven Auswirkungen war schnell klar, dass es sich um das bis dahin schlimmste Reaktorunglück handelte. Wir wollten verstehen, was da physikalisch abgelaufen sein könnte. Über den Reaktortyp war ja im Westen praktisch nichts bekannt. Ich habe deshalb mit Kollegen in England telefoniert, die Erfahrungen mit Graphitreaktoren hatten. Nach und nach mussten die Sowjets Details preisgeben. Da war unser Entsetzen über die Konstruktion und die grobe Fahrlässigkeit der Reaktormannschaft noch größer. 

Kinder aus Weißrussland besuchen Bad Sachsa
Viel Spaß im Spaßbad

 Mittlerweile ist es schon zur schönen Tradition geworden, dass das Salztal Paradies Bad Sachsa jedes Jahr 20 Kinder und Betreuer aus der Region Gomel einlädt. Diese liegt in Weißrussland unweit der Stadt Tschernobyl. 
Seit über 20 Jahren organisiert die Dritte-Welt-Initiative Nordhausen bereits Ferienaufenthalte für Kinder aus dieser Region, die von unzähligen freien Helfern erst ermöglicht werden. 
Bei einem dreistündigen Badevergnügen haben die Kinder die Möglichkeit den Sorgen des Alltags zu entfliehen. Alle Kinder genossen sichtlich den Besuch im Salztal Paradies und werden zu Hause jede Menge über die tollen Tage in der Region zu berichten haben. 

Der Geschäftsführer der Bädergesellschaft Bad Sachsa, Martin Völz, freut sich über so viel Anklang und würde sich freuen, auch im nächsten Jahr wieder helfen zu dürfen.


(29.07.2019 Harzkurier 15.07 Uhr online)
(Foto © Bädergesellschaft Bad Sachsa | Theresa Kirchner)

Teil 6 (ab 2000): Auch hier übernimmt der Tourismus die Regie