KINDERHEIME

in Bad Sachsa



"Kinderverschickung war die Hölle. Wer immer behauptet, dass alle Verschickungen ein Erholungsurlaub für die kleinen war, begeht das Verbrechen noch einmal!". 

Auszüge einer Diskussion auf Facebook im März 2021

(unvollständig):

A: "Kann einer was über die Zustände in Kinderheimen [in Bad Sachsa] in den 50iger bis 80er Jahren erzählen? Ich habe einige Tatsachenberichte gelesen und wenn nur die Hälfte war ist, musste das ja erbärmlich gewesen sein...".

 

B: "Diese Zustände gab es in fast allen Kinderheimen in Deutschland. Ich war über den Bund der Kinderreichen Familien 1960 zur Kinderverschickung an der Ostsee in Kellinghusen. Es war dort genauso, wie in der Reportage gezeigt.
Die Sachsaer Kinder kamen nach Lübeck Brodten oder Kellenhusen. Mich hat man mehrmals bestraft, weil ich morgens den Haferschleim nicht gegessen habe usw".

C: "Ähnlich schlechte Erfahrungen im Solling 1964 gemacht".

D: "1956 im Kinderheim Brodten an der Ostsee. Aus heutiger Sicht muss man so einiges kriminell nennen, was dort geschah. Dr. Loch hatte es empfohlen. Ich fuhr in einer Rotes Kreuz-Gruppe dorthin und sollte mich während vier Wochen erholen. Ich kam richtig krank zurück und musste mich in Bad Sachsa erholen!". 

E: "Es ist nicht schön, was so alles geschrieben wird. Ich bin in einem Kinderkurheim aufgewachsen. Meine Eltern würden sich sehr grämen, wenn sie dieses alles mitbekommen hätten. Das Kurheim was das Lebenswerk  von Herrn und Frau Kern. Das Wohl der Kinder stand immer an erster Stelle und vor ihrem eigenen. ich habe noch viele Briefe von ehemaligen Kurkindern, die sehr gerne in Bad Sachsa waren und häufig zu Besuch kamen, oder zum erneuten Kuraufenthalt. Im Bezug zum HAUS KERN kann ich solche Vorwürfe nicht bestätigen!".

F: "Wibke Bruns berichtet anderes aus Bad Sachsa. (Foto 1: Wilbke Bruhns, Nachrichtenzeit, Meine unfertigen Erinnerungen, Diogenes, Foto 2: ...Außererdem war es gut, die anderen kennenzulernen. Viele von denen waren in Bad Sachsa gewesen, wohin die Nazis Kinder der Attentäter nach dem 20. Julie entführt hatten")...

G: "Ging es hierbei nicht um das Borntal?".

H: "Aus meiner Sicht sollte man die Themen ein wenig sortieren in 1) Kinder des 20. Juli und 2) Heimunterbringung in den Nachkriegsjahren...
...Zu 1) den Kindern des 20. Juli. Diese Kinder, zwischen wenigen Wochen und 15 Jahren alt, wurden ihren Familien entrissen, um sie als Faustpfand gegenüber ihren Eltern, insbesondere den Attentätern des 20. Juli, zu mißbrauchen, um insbesondere weitere Beteiligte und Strukturen zu erpressen. Einfach nur widerlich! Desweiteren wurden die nach Bad Sachsa verschleppten Geschwister von einander getrennt und ihnen neue Namen verpasst, denn Unsere wahre Identität sollte vernichtet werden (so der Buchtitel, hier bei der Tourist-Info für 5 Euro zu bekommen!!!, der die Thematik umfassend behandelt - und wer schon mal in der Tourist-Info ist, kann ja auch gleich die dortige Gedenk-Ausstellung besuchen, um sich zu informieren). Dieses Schicksal dieser Kinder prägt sie zeitlebens und ist grausam gewesen: von den Eltern getrennt, nicht wissend, wie es diesen geht - ob sie noch leben? etc... Körperliche Grausamkeiten hingegen sind ihnen NICHT angetan worden. Von all den 46 Kindern, mit denen ich habe sprechen können und die Schriftliches veröffentlicht haben, spricht lediglich ein Mädchen davon, daß sie schlecht behandelt worden sei - führt das aber nicht aus. In der Gedenk-Ausstellung in der Tourist-Info Bad Sachsa kann man nicht nur die Lebensläufe der Kinder sondern auch das Tagebuch der Christa von Hofacker, welches sich eben genau mit der Sachsaer Zeit beschäftigt, nachlesen. --- Zum Personal im Borntal: in der Anfangszeit ist offensichtliche eine sehr strenge Schwester federführend gewesen, die aber alsbald abgelöst wurde. In den letzten Monaten vor Kriegsende war Frau Ferch die entscheidende Person, die sich um die verbliebenen Kinder (manche wurden nicht mehr als Druckmaterial gebraucht) gekümmert und eingesetzt hat! Diese Frau Ferch hat mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln versucht, den Kindern ein Überleben zu ermöglichen - auch und besonders gegenüber den Vorgesetzten!!! Und genau diese Frau Ferch hat der von den Amerikanern eingesetzte Bürgermeister Willi Müller geheiratet. Dieses SPD-Mitglied, welches unter den Nazis sein Haus und seine Arbeit verloren hatte, welches im Rahmen der Verfolgung der Beteiligten am Attentat vom 20. Juli auf Hitler über kurze Zeit ins KZ Buchenwald gesteckt wurde war, dieses SPD-Mitglied hätte wohl kaum eine Nazi-Anhängerin und kindermisshandelnde Frau geheiratet!!! Zum heutigen Schluß dieser Stellungnahme der Satz, den Willi Müller 1945 am ersten Tag seines Amtes als Bürgermeister gegenüber den Kindern des 20. Juli sagte: ...ihr brauch Euch Eurer Namen und Väter nicht zu schämen - denn sie waren Helden!. Um zur selben Überzeugung zu kommen brauchte die BRD und die DDR zweieinhalb Jahrzehnte - und manche wissen bis heute nicht, was Anstand, Respekt und Charakterstärke sind! Ralph Boehm".

H: "zu 2) Der Heimverschickung nach Bad Sachsa nach dem Kriege: Im Stadtarchiv erreichen mich bedauerlicherweise regelmäßig Anfragen von ehemaligen Kindern, die in Bad Sachsa unter den Erziehungsmethoden der Nachkriegszeit - und das waren die Methoden der Vorkriegszeit!!! (bis in die 1970er Jahre hinein!!!) gelitten hatten! Dieses ist kein Ruhmesblatt der Bad Sachsaer Geschichte im Besonderen und der deutschen pädagogischen bzw. didaktischen Methoden im Allgemeinen. Auch hilft hier eine Verallgemeinerung in Bezug der hiesigen vielen Heime nicht weiter - die Erfahrungen sind von Heim zu Heim andere!!!! Einblicke und Aufschluß gibt der Blog https://blog.zeit.de/.../12/09/zeitsprung-bad-sachsa/.... und ganz aktuell insbesondere: http://www.anjaroehl.de/verschickungsheime/. Ralph Boehm".

J: Siehe "Zeitsprung: Bad Sachsa. Hier sind viele Tatsachenberichte geschrieben... Nicht nur Negative.... aber sehr viele!".

K: "Ich war 1957 in Bad Sachsa, glaube, es war das Haus Warteberg. Mein ganzes Leben habe ich diese schrecklichen Erinnerungen mit mir herumgetragen. Erst jetzt, mit fast siebzig Jahren, kann ich es aufarbeiten, weil es viele Andere gibt, die meine Bilder bestätigen".

H: "Es ist gut zu wissen, dass man/frau nicht allein ist!".

L: "Ich war zur Kinderverschickung Haus Kern 1986, es war die Hölle für mich, bin heut noch traumatisiert".

K: "Kinderverschickung war die Hölle. Wer immer behauptet, dass alle Verschickungen ein Erholungsurlaub für die kleinen war, begeht das Verbrechen noch einmal. Es sind viele tausend ehemalige Verschickungskinder, die bis heut unter dem Erlebten zu leiden haben. Es gibt Akten in den Landesarchiven, die Quälerei lässt sich nicht leugnen. Ich freue mich für die Wenigen, die Glück bei ihrer Verschickung hatten". 

 

Zu den diversen Kinderheimen nun im Einzelnen

(Die Fotos/Ansichtskarten etc. in dieser Rubrik sind aus der Slg. R. Boehm, Abweichungen werden besonders hervorgehoben) 

Kinderheim Sonnenschein

Drosselweg 3 (damals Waldsaumweg 2)
("Der Harz", März 1937)


Dieses Haus Sonnenschein war über viele Jahre bekannt durch seine, heute würden man/frau es als alternative Lebensweise bezeichnen, frühzeitige ganzheitliche Erholungsmöglichkeit unter Einbeziehung der guten Luft in Bad Sachsa, bester Ernährung durch Obst und Gemüse sowie Diätkuren.
Als Kinderheim der Inhaberin M. Voigt wird die "Einrichtung der Wohlfahrtspflege"

ausschließlich 1924 erwähnt; das "Haus Sonnenschein erhält Kinder zur dauernden Pflege, die Einschulung der Kinder in die hiesige Volksschule ist nicht erforderlich, da die Kinder im heim Privatunterricht erhalten."
(StABS 1,26,2)

Kinderheim Böttcher-Ramdohr

Glaseberg 3 (zwischenzeitlich als Tonburg 2 geführt)

1935 eröffnet die staatlich geprüfte Säuglings- und Kinderpflegerin Camilla Böttcher-Ramdohr ihr Kinderheim zur Aufnahme von Kindern von 2 bis 12 Jahren. Ärztliche Kontrolle wird durch Dr. Deimler gewährleistet. Die Preise betragen pro Tag zwischen 2.50 und 4 Reichsmark.
Bei einer Überprüfung der Konzession wird 1941 festgestellt, dass diese, das Heim wird seit 5 1/2 Jahren betrieben (!), nicht vorliegt - aber in 1942 erteilt wird.
Nach dem II. Weltkrieg betreibt Camilla Böttcher-Ramdohr, geboren am 10.11.1891 in Mendoza/Südamerika, mit einer selbst ausgebildeten Helferin dieses Heim mit durchschnittlich 6 bis 7 Kindern weiter bis Ende der 1960er Jahre. (StABS 471,01 + 471,02,03 + 1,26,2, Detlef Böttcher-Ramdohr 2017)

Berghotel Pfaffenberg mit Kindergenesungsheim Pfaffenberg

Pfaffenberg 6 (damals 18) 
(1949, AK: Slg. R. Boehm)


In der Nachkriegszeit fand in diesem Hotel 1947 keine Belegung mit Flüchtlingen statt, dafür hat das Sozialamt Göttingen hier 60 Betten zu Zwecken der Erholungsfürsorge vorgehalten. (StABS 471/01)

Haus Bergfrieden

Steinaer Straße 24

Die AOK des Landkreises Goslar (Sitz in Salzgitter) kauft das Anwesen des Fabrikanten Gustav Lohoff und begeht die Einweihung des Genesungsheimes Bergfrieden zum 15.01.1952 im Beisein des Verwaltungsdirektors Dittrich und dem für den Ausbau verantwortlichen Architekten Alfred Behnsen (BSN 17.2.1952).
Als Besitzer des Hauses Bergfrieden wird der Kinderarzt Dr. Fritz Wilhelm genannt (20.01.1955; StABS 471/01).

In den 1960er Jahren führen der Inhaber Dr. med. Fritz Wilhelm, Facharzt für Kinderkrankheiten, das Haus gemeinsam mit seiner Gattin Liselotte Wilhelm, die für die Heimleitung verantwortlich zeichnet.
In den 1980er Jahren wird als Inhaberin Elke Schindler genannt; gleichzeitig heißt es, dass Frau Wilhelm das Heim nach dem Tod ihres Mannes in 1990 das Heim weiterführt bis 1992.
Zu dem Gelände gehören die Häuser "Spatzennest" und "Sperlingslust" (ab 1980 "Haus Peterle").
Nach vielen Jahren des Leerstandes brennt das Haus 2018 komplett nieder.

Kinderheim Kern

Ringstraße 48 (damals Bahnhofstraße 12)
(1972, AK: Heike Aue-Markert)

1972 endet das Pachtverhältnis an der Walkenrieder Straße 1 [zur Vorgeschichte des Kinderheims Kern siehe dort] und das Kinderheim zieht um in die heutige Ringstr. 48. Bereits 1969 hatte das Ehepaar Kern dieses Anwesen gekauft und ab 1971 durch den Architekten Hansjochen Rößler den Neubau errichten lassen. Am 06. Juni 1972 wird das Kinderheim "Haus Kern" eröffnet.
2001 geht das Ehepaar in Ruhestand und verkauft im Anschluss das Gebäude an die AWO.

Kinderheim Pfaffenberg (Schotte)

Pfaffenberg 19 (später wohl Haus Tanneck; dann wohl Buchenweg 2)

Bereits 1940 hat das Ehepaar Schotte im ehemaligen "Ev. Erholungsheim des Elisabeth-Stifts" (Prospekt 1932) ein Kinderheim geführt. Durch Denunziation wurde ihnen von der Erfurter Behörde die Konzession entzogen, die LVA Berlin pachtete das Heim, um weiter Kinder verschicken zu können. Auch 1946 ist das Heim an die Versicherungsanstalt Berlin verpachtet. Hiergegen richtet das Ehepaar Schotte am 1.7.1946 Beschwerde beim hiesigen Bürgermeister ein (StABS 471/02/6) - wohl ohne Erfolg, denn 1947 wird die Landesversicherungsanstalt Berlin, Ruhrstraße 2, als Betreiber von 30 Betten genannt, welches zu 60 % mit Flüchtlingen belegt wird (StABS 471/01).

Kindergenesungsheim Bergfrieden (1960er, Prospekt, Slg. R. Boehm)

Die folgenden drei Kinderheime stellen sich vor im 1950 erschienenen

"Blauer Harzführer mit Elm und Lappwald"
(E. Appelhans & Co., Braunschweig, März 1950)

Aller Anfang ist schwer! Der Weg hierher war nicht immer einfach für uns. Aber wir würden um keinen Preis der Welt etwas daran ändern. Unsere Erfahrungen haben uns zu dem gemacht, was wir heute sind - und wir haben aus unseren Fehlern gelernt. Davon können Sie heute profitieren.

Kinderheim Krüsmann

(1959, AK)
Steinaer Straße 13

Bisher als Säuglingsheim  (siehe dort) der Frau Müller von der Lehr geführt, eröffnet Erika Krüsmann, geb. Kumnick, zum 1.4.1940 ein Kindererholungs-heim der Luftwaffe, in welchem ständig 27 Kinder von Angestellten und Arbeitern der Luftwaffe Aufnahme finden. Zum Jahresende 1943 erhält die Heimleiterin Krüsmann die Genehmigung, neben Kindern im Alter von 6 bis 14 Jahren auch Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren aufzunehmen.
1947, mit der Inneren Mission (vgl. Konsul Albert-Heim in der Gartenstraße 2) besteht ein Pachtvertrag, verfügt das Haus über 40 Betten, von denen 50 % von Flüchtlingen beansprucht werden
Auch 1951 ist Erika Krüsmann für das Evangelische Kinderkurheim für durchschnittlich 35 Kinder verantwortlich. 1958 bezeichnet man/frau sich selbst als "Ev. Kinderkurheim Krüsmann. Inh. Fr. E. Krüsmann, Wohlf.-Pfl., 12 Zimmer, 40 Betten, Zi. m. Fließw., Bad im Hause" (Prospekt).
(StABS 471/01 + 471/02/1).

Haus Warteberg

(1952, AK)
Steinaer Straße 30

1938 wird der Hotelbetrieb eingestellt [zur Vor- und Nachgeschichte siehe bei der Steinaer Straße], stattdessen wird das Haus durch  Kinderland-verschickung belegt.
Um 1951 werden im Kinder-genesungsheim Warteberg durchschnittlich 125 Kinder betreut von 1 Jugendleiterin,  5 staatl. gepr. Kindergärtnerin-nen, 1 staatl. gepr. Kinder-pflegerin, 1 Helferin unausge-bildet, 1 Köchin, 6 Haus- und Küchengehilfinnen, 2 Tages-frauen für Wäscherei und Näherei, 1 Arbeiter für Landwirtschaft und Haus-mannsarbeiten, 1 Kranken-pflegerin nach Bedarf.
In dem Haus der Familie übernimmt nach dem Tod des Dr. med. Rudolf Köbrich die zweite Ehefrau 1952 - 1959 die Leitung des Kinder-genesungsheimes. Ab 1958 zeichnen die Köbrich-Erben Wolf und für 40 Zimmer, mit 140 Betten verantwortlich; die Eltern von Dr. Günter Köbrich Wolf und Ärztin Aksamenija übernehmen im Mai 1959 das Kinderkurheim (für Kinder von 4 bis 14 Jahren) und führen es bis zur Schließung im Dezember 1989. (StABS 471/01 + 471/02/5)

Kinderheim Lüding

(1962, AK, Quelle unbekannt)
Bahnhofstraße 54

Nach Umzug in (wohl) 1957 auf 1958 in die Bahnhofstraße 54 [zur Vorgeschichte des Kinderheims Lüding siehe Walkenrieder Str. 1] eröffnet die Jugendleiterin Charlotte Hanff das Kindererholungs- und Genesungsheim Lüding mit "8 Zi. m. Fließw., Bad im Hause" und 25 Betten (Prospekt 1958).
"Erst hatte Familie Hanff regiert. Man muss leider wirklich sagen regiert! Sie hat (nach 1965?) an die damalige Angestellte Frau Steinfels übergeben: streng aber ohne Gewalt und immer gerecht, hat sie vieles geändert".

 

Abs. Lxxxx Vxxxxxx aus Bad Sachsa,

Steinaerstr. 13, Ev. 

(Kinderheim Krüsmann)
26.09.1956

Kinderlandverschickung

(oben: 1941, Ganzsache: Slg. R. Boehm)
(unten: 1941, Ganzsache: Slg. R. Boehm 6301) 

Kinder-Kurheim
"HAUS LÜDING"

Walkenrieder Straße 1 (inhaltlich siehe dort!), 1952

KLV-Lager Pension Dreger

Tannenweg 6
(damals Pfaffenberg 5)

In den Kriegsjahren 1940 ff wird die Pension Dreger durch Kinderlandverschickung belegt.  [Zur Vor- und Nachgeschichte vgl. Tannenweg 6].

1942 steht das Haus unter Diphterie-Verdacht und es wird festgestellt, dass die "allgemeinen hygienischen grundlegenden Bedingungen bei der Belegung von 50 Personen nicht den Anforderungen" entsprechen", es fehlen Bettbezüge, Bettsäcke, Zahnputzgläser, Waschschüs-seln usw. (Notiz  26.09.1942, StABS 471/02/5); am 4.11.1942 teilt der Bad Sachsaer Bürgermeister als Ortspolizeibehörde dem Landrat in Nordhausen mit, dass sich im Nachlass des verstorbenen Juden Dr. Bernhard Israel Meyer eine Anzahl Wäsche, Geschirr, Eimer und sonstiges Gerät befände, welches in dem Heim der Frau Dreger gebraucht werden könnte. Frau Dreger wurde gebeten, sich mit der Ortsgruppenamtleiterin der NSV Frau Wawrina in Verbindung zu setzten... (StABS 471/02/5) 



IN ARBEIT
 


IN ARBEIT

Heime für Säuglinge, Töchter und andere Jugendliche im 20. Jahrhundert:

Bismarckstraße 1

Im ausgehenden 1900 Jahrhundert, in der Vakanz dieses Gebäudes zwischen dem damaligen Eigentümer + Ziegeleibesitzer Conventes und dem zukünftigen Besitzer Louis Deibel in 1900 war in diesem, damals noch recht einfach gebauten Haus, die erste höhere Töchterschule dieser Stadt untergebracht.
Weitere Informationen sind bisher nicht bekannt. 

Töchterheim Scheller-Witzell
IN ARBEIT
Bismarckstraße 3 (auch Wiesenstr. 3)
Marta Scheller, geb. Witzell, erhält am 11.11.1916 die Erlaubnis zur Leitung eines Töchterheims für hauswirtschaftliche und wissenschaftliche Fortbildung (evtl. auf dem Glaseberg?). 1920 ist der Name der Anstalt in der Bismarckstraße 3 Töchterheim Scheller-Witzel, Inhaberin: Frl. Emmy Witzel und Frau verw. Rittergutb. Scheller, geb. Witzel. Hauptamtlich sind 4 Lehrerinnen und 6 nicht beamtliche Personen beschäftigt, die 38 Mädchen, davon 12 über 18 Jahre alt, unterrichten in "Haushalt, Nadelarbeiten, kunstgewerb. Arbeiten, Sprachen, Literatur, Kunstgeschichte, Musik". (StABS 1,26,2 + 1,29,4)

Töchterheim Elisabeth
IN ARBEIT 
Steinaer Straße 21
Zum Betrieb der privaten Koch- und Haushaltungsschule von Knobelsdorff haben Arthur von Steinmetz und seine Nichte Erna von Knobelsdorff (staatlich geprüfte Haushaltungslehrerin) die Villa in der Steinaer Straße 21 angemietet mit der Option, dass dieses Grundstück in deren Besitz übergeht, sobald die Genehmigung zur Leitung erteilt worden sei.
Zum 17. Januar 1917 wurde Erna von Knobelsdorff aus Nikolassee bei Berlin die Erlaubnis zur Leitung eines Töchterheims für hauswirtschaftlich und wissenschaftliche Fortbildung erteilt. 1919 werden 2 hauptamtliche und 2 unbeamtliche Lehrerinnen für 22 Mädchen, davon 6 über 18 Jahren, beschäftigt zur Ausbildung im Kochen und Haushaltung; Anfang der 1920er Jahre werden hauptamtlich 3 und unbeamtlich 2 Lehrerinnen beschäftigt für 36 Mädchen (davon 11 über 18 Jahren). Mitte/Ende der 1920er Jahre nimmt die Zahl der Töchter deutlich ab (9 Mädchen) um in den 1930er wieder zu steigen auf durchschnittlich 35 Mädchen, die von 4 Lehrerinnen unterrichtet werden.
1940 ist Major Arved von Knobelsdorff Inhaber und Hauptmann Manfred von Knobelsdorff und S. von Helldorff Leiter der Anstalt für 38 Schülerinnen (Alter 15-19 Jahren, kein Mädchen aus Bad Sachsa)
  (StaBS 1,26,2 + 1,29,4 + 1,29,5)

Töchterheim Maria Erika

Waldsaumweg 15
(1911)

Maria Schule, Inhaberin des Töchterheims Maria Erika, wird am 08.04.1916 davon in Kenntnis gesetzt, dass zum Betriebe des Töchterheims die Genehmigung der königlichen Regierung - Abteilung für Kirchen- und Schulwesen erforderlich ist. Aufnahmen dürfen vorher nicht erfolgen. Das Töchterheim ist nicht nur Erholungsheim, sondern auch eine wissenschaftliche Fortbildungsschule.
Zum 1.8. 1916 wird Fräulein Maria Schulze die Erlaubnis zur Leitung eines Töchterheims für hauswirtschaftliche und wissenschaftliche Fortbildung erteilt. In 1919 werden 5 Lehrerinnen (darunter Susanne Schmidt-Eschke ..........) und 3 unbeamtliche Personen beschäftigt für 39 Mädchen (18 über 18 Jahren, 18 unter 18 Jahren), die in Sprachen, Kochen, Haushaltungslehre, Gesundheitslehre, Kochtheorie, Waschen und Plätten, Handarbeit, Literatur, Kunstgeschichte, Deutsch, Zeichnen, Malen und Chorgesang unterrichtet werden. In 1920 sind es 52 Mädchen (26 über 18, 26 unter 18 Jahren). StABS 1,26,2 + 1,29,4)

Töchterheim Franziska
IN ARBEIT 
Glaseberg

Das Töchterheim Franziska wird 1921 erwähnt im Pensionat Fräulein Goebel, Glaseberg. (StaBS 1,26,2)

Freizeitheim der Inneren Mission

Gartenstraße 2
(1937)

Das einstige Kriegsinvalidenheim HELDENDANK e.V. "ist seit 1929 im Besitz der Inneren Mission (Magdeburg, Breiterweg 195) und dient als Jugendheim. Seit 1933 werden in dem Heim nur Jugendliche im Alter bis zu 25 Jahren aufgenommen. Das Heim führt z.Zt. die Bezeichnung: Freizeitheim" und "Besitzer ist noch der Provinzialverband in Magdeburg". 1935 wird als Heimleiter des Evangelischen Provinzial-Freizeitheimes Rudolf Zilling genannt
Aus dem Freizeitheim wird im Laufe der Jahre ein Kindererholungsheim der "Inneren Mission Landesverband Hannover", (BSN 10./11. Mai 1958),  welches später als Kinderheim "Konsul-Albert-Heim" bekannt wird (u.a. 1962)

Wohl in den späten 1970er Jahren zieht hier eine Fachklinik für Diabetis- und Stoffwechsel-krankheiten ein.
Seit 1990 wird das Anwesen durch die Familie Küker als Haus Alba für die Seniorenbetreuung genutzt.

(StABS 2,11,2)

Säuglingsheim von Steinmetz

Glasebergstraße 14
(1911, abgerissen 1975/1976)


Zum 30. Januar 1930 erhält Schwester Charlotte von Steinmetz die Genehmigung in ihrem Privat-Säuglingsheim ein Entbindungszimmer und ein Schlafzimmer für Wöchnerinnen zu unterhalten.
In 1938 wird die Genehmigung widerrufen und die weitere Ausführung untersagt, da die einfachsten Bedingungen der Gesundheitspflege nicht befolgt werden! (StABS 1,38,16)

Säuglingsheim
Müller von der Lehr

Steinaer Straße 13
(AK, 1959)

Zum 5. Juni 1933 wird Schwester Luise Müller von der Lehr gestattet, ein Privat-Entbindungs- und Säuglingsheim zu betreiben.
Im April 1938 ist das Heim mit 38 Kindern belegt (überbelegt!). Ende März 1940, nach Besichtigung durch das Gesundheitsamt in Nordhausen mit Feststellung diverser Mängel wird das Heim geschlossen; Frau Müller von der Lehr verzieht nach Dresden. (StABS 1,38, 16a + 471,02,1)
(zur weiteren Verwendung dieses Hauses siehe beim Kinderheim Krüsmann)

Entbindungsheim Borntal

IN ARBEIT



HIER FEHLT NOCH DIE VORGESCHICHTE :::::::::?::::::::
In 1947 wird im Borntal (siehe an anderen Orte!) Luise Mönkemann mit 5 Mitarbeiterinnen erwähnt, die ein Entbindungsheim für durchschnittlich 10 bis 15 Mütter mit 10 Kindern (Flüchtlinge) betreibt.
Auch 1951 steht Luise Mönkemann für das Entbindungs- und Säuglingsheim; gemeinsam mit einer Säuglingsschwester, einer Schülerin für Säuglingspflege sowie Haus- und Küchenpersonal werden durchschnittlich 12 Säuglinge betreut. 
(StABS 471/01)


Unterstützen Sie die Aufarbeitung der Misshandlungen der „Verschickungskinder“
z.B. durch Ihre Unterschrift für eine Petition, die durch den Verein
"Aufarbeitung und Erforschung Kinderverschickung" angeregt worden ist
(
Vorsitzende: Anja Röhl, www.verschickungsheime.de)

Und was machen die kleinen Schmerle?

Sie gehen entweder zum Nachbarn, in den Wald, ins Freibad und/oder in den Kindergarten:

Kindergarten von Lüpke
(um 1912)

Marktstraße 46
(2007, Foto: H.J. Liebau)

Im Oktober 1912 beantragt Frieda von Lüpke (Turn- und Haushaltungslehrerin) als Zweig der Volkswohlfahrt einen Kindergarten zu errichten für Mädchen und Jungen im Alter von 3 bis 6 Jahren im Haus Marktstraße 46; dort stehen ein Zimmer mit 25 qm, 3m Höhe, Garten und Hofraum zur Verfügung. Die Genehmigung wird im März 1913 erteilt.
 (StABS 1,26,2)

Kindergarten
(um 1914)

??? Otto Kaiser-Weg 1 ???

Namens des Vaterländischen Frauenvereins bittet Frieda von Tenspolde im März 1914 um eine einmalige Beihilfe zur Errichtung einer Kleinkinderschule, verbunden mit einem  Gemeindesaal (Jungfrauenverein, Wohlfahrtspflege, Konfirmandensaal). Das Stadtarchiv verrät uns, dass die Stadt- und Kirchengemeide unentgeltlich das Bauterrain zur Verfügung gestellt hat; es verrät uns leider nicht, ob und wann dieser Kindergarten existiert hat.
(StABS 1,26,2)

(Dr. med. Kurt Schröder: Der Harz als Kurgebiet, Verlag E. Appelhans & Comp., Braunschweig)

Haus Sonneneck
(um 1934)

Pfaffenberg 16
(welche Adresse heute????)
Frl. Lore Sundermann (staatlich geprüfte Wohlfahrtspflegerin, Kindergärtnerin und Jugenderzieherin) betreibt zumindest in den Jahren 1934 bis 1936 den privaten Kindergarten Haus Sonneneck für bis zu 25 Kindern, für die pro Tag zwischen 2.50 und 5 Reichsmark zu entrichten sind; Hausarzt ist Dr. med. Stöhr. (StABS 470/01 + 1,26,2)

Bei Dr. med. Kurt Schröder heißt es auch:

Kinderheim/Kindergarten Thieke
(um 1940)

(Foto, 2.5.2021)
Schillerstraße 7

1943 fragt der Landrat des Kreises Grafschaft Hohenstein, ob die Geschwister Ilse und Anna Thieke eine Genehmigung zur Einrichtung eines Kinderheimes hätten; da diese nicht vorliegen würde, wurde den Geschwistern untersagt, Pflegekinder aufzunehmen. Nach dem II. Weltkrieg wird 1946 ein weiterer Versuch auf Erlaubnis zur Aufnahme von Pflegekindern gestellt - dem wird stattgegeben worden sein, denn im August 1947 findet das Kinderheim Thieke Erwähnung in der Schillerstraße 7.
In einer Korrespondenz vom 19.07.1950 mit  Stadtdirektor Willi Müller wird erwähnt, dass  der Privat-Kindergarten Thieke in der Schillerstraße vom Gesundheitsamt geschlossen worden sei. (StABS 470/01 + 471/01 + 471/02/04)

Kindergarten Fritsche (NSV)
(um 1935)

IN ARBEIT
Ringstraße 18 (heute ???)

1935 eröffnet zum 1. Juni die NS-Volkswohlfahrt einen Kindergarten in der Ringstr. 18; am 22. Mai 1945, die Leitung hatte die Kinderpflegerin Frl. Leni Pfafferoth (?Paffrath?) ist der Kindergarten geschlossen
In oben genannter Korrespondenz vom 19.07.1950 mit  Stadtdirektor Willi Müller wird erwähnt, dass  der Privat-Kindergarten Fritsche in der (damaligen) Ringstraße 18 geschlossen sei.  

1950 besteht in Bad Sachsa überhaupt kein Kindergarten; an diese Situation hat sich trotz großer Dringlichkeit und großer Diskussion auch 1959 immer noch nichts geändert!

(StABS 470/01)

(BSN, 11.05.1936)
(um 1936)

"Die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (abgekürzt NSV), kurz NS-Volkswohlfahrt, wurde am 18. April 1932 durch die Nationalsozialisten als eingetragener Verein gegründet und am 3. Mai 1933, nur wenige Monate nach der Machtergreifung, zur Parteiorganisation der NSDAP erhoben..."
(Wikipedia 27.06.2022).
Ob es zur oben angekündigten  voraussichtlichen Eröffnung des Kindergartens in der "Pfaffenwiese 20" (tatsächlich gemeint Schützenstraße 20) am 20. Mai 1936 kam, ist unwahrscheinlich, denn das "Hotel Schröder" firmierte so seit der Jahrhundertwende (z.B. 1899) bis in die 1960er Jahre und seit dem Vorjahr bestand der Kindergarten in der Ringstraße (siehe links).

BORNTAL

Teil 1 (ab 1935): Die Daniel Schnakenberg-Stiftung

Teil 2 (bis 1939): Saarländer im Borntal

Teil 3 (1944/1945): Die "Kinder des 20. Juli"

HITLERS ZORN

DIE KINDER VON BAD SACHA

ein Film von Michael Heuer


zu sehen auf NDR:


https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/unsere_geschichte/Hitlers-Zorn-Die-Kinder-von-Bad-Sachsa,unseregeschichte798.html?fbclid=IwAR3EF1E10uQZ3o321o9S34_Ih_FMciZNITzCJeR-vdqGepcxJP0HInc3hjE

Teil 4 (1945): Die Kinderheilanstalt Dresden und das Kinderkrankenhaus

Kinderkrankenhaus im Borntal mit Haus 5

(1956, AK Revers, Slg. R. Boehm)


"Heute will ich euch nur eine Karte schreiben weil ich noch rechnen machen muß"

Kinderkrankenhaus im Borntal mit Haus 5

(1956, AK Avers, Slg. R. Boehm)


Teil 5 (1987): Tschernobyl und das Borntal

Teil 6 (ab 2000): Auch hier übernimmt der Tourismus die Regie