1970er Jahre
GOLDENE ZEITEN IM KURWESEN

oder:

Die glücklichen Jahre des Kurbetriebes

(und somit auch der Stadt Bad Sachsa und der Kurgäste)

1975

Der Kurdirektor lädt die Ärzte der Stadt zum regelmäßigen Stammtisch:

"Sehr geehrte   Dr. ...
In unserem Kurmittelhaus sind in den letzten Monaten einige Erneuerungen vorgenommen worden, über die wir mit Ihnen gern einmal diskutieren möchten.
Hierzu gehören u.a.
A) Arztaufsicht im Kurmittelhaus      [hds. Anm.: Thermal-Sole-Bewegungsbecken]
B) Zuweisung von Patienten durch die Ärzte     [hds. Anm.: Elektro-Gerät Dinapuls]
C) Bewegungstherapie         [hds. Anm.: Gymnastik]
Wir dürfen Sie zu dieser Gesprächsrunde für Mittwoch, den 19. März 1975, 17.00 Uhr im Kurmittelhaus recht herzlich einladen.
Vor Beginn der Besprechung soll eine Besichtigung und praktische Anwendungen erfolgen.
Wir würden uns freuen, Sie zu dieser Zusammenkunft begrüßen zu können.
Mit freundlichen Grüßen
KURVERWALTUNG BAD SACHSA
(Keßler)
Kurdirektor"

Aufgrund dieses Gespräches wird in der Kurausschuß-Sitzung am 04.04.1975 beschlossen, dass die Ärztin Frau Wilden-Feddersen sich um die Angelegenheiten des Kurmittelhauses kümmern soll - Ein Vertrag wird zum 01. April 1975 geschlossen.
(StABS ohne Nummer)

Prospekt

Leitsätze und Lage des Kurortes Bad Sachsa (nach 1945; direkt an der unsichtbaren Grenze zur DDR)

(1977, 2 Ausschnitte. Slg. R. Boehm)

Zur selben Zeit (1977) relevante "Verkehrsanbindungen

- Bad Sachsa ist Eilzugstation an der Strecke Northeim - Walkenried (245)
Täglich durchgehende Zugpaare bis ins Ruhrgebietz
D-Zug-Station ist Northeim an der Strecke Hamburg - Frankfurt
- Omnibusverbindungen direkt von und nach:
Göttingen, Goslar, Walkenried, Bad Harzburg, Osterode, Hildesheim
und  B  e  r  l  i  n


-Autoanfahrten
a) Autobahn Hannover - Kassel mit Abfahrten
Göttingen, Northeim, Seesen
b) Autobahn Dortmund - Kassel - Göttingen
über Herzberg nach Bad Sachsa (B 243)"

(01.06.1979, Skript., vmtl. Kurdirektor Rüdiger Fuchs, Slg. R. Boehm)

Stadtplan

(o.D., Einlage im Prospekt 1977. Slg. R. Boehm)

ZIMMER FREI

"BAD SACHSA" in weiß / "staatl. anerkannter Luftkurort seit 18.02.1975" in grün

(1977, Einlagen im Prospekt 1977. Slg. R. Boehm)
Fast jedes Haus bot Übernachtungsmöglichkeiten für Kurgäste an.
Manche Wohnhäuser wurden so gebaut UND finanziert, in dem von Anfang an Zimmer für Gäste eingeplant wurden.
Die sogenannte "Berliner Siedlung" (nördlich der Steinstraße/östlich der Wiedaer Straße) verdankt seinen Namen diesem Umstand
(auch kam der Architekt Dau aus Westberlin)

In Bad Sachsa: 16 Hotels / 3 Gasthäuser / 49 Pensionen / 94 Privatzimmer / 41 Ferienwohnungsanbieter
In Steina: 3 Hotels + Pensionshäuser/ 3 Privatzimmer / 2 Ferienwohnungsanbieter

Satzung über die Erhebung eines Kurbeitrages in der Stadt Bad Sachsa, 15.03.1973

1976

HERBSTSONNE ÜBER DEM SÜDHARZ
Kur und Erholung im sonnigen Südharz
Es ist wissenschaftlich nachgewiesen: Der Südharz hat die meisten Sonnenstunden der deutschen Mittelgebirge aufzuweisen.
An der Spitze steht dabei, so Professor Jungmann, Hamburg, mit erheblichem Abstand heute noch der heilklimatische Kurort Bad Sachsa, den er als "Dauerbrenner" bezeichnete.
Er bestätigte die Feststellung Dr. Schulzes von der Wetterwarte Braunlage, der errechnet hatte, daß Bad Sachsa am meisten im deutschen Mittelgebirge von der Sonne verwöhnt wird. Und diese "Sonnenseite des Harzes", die lange Zeit ein wenig stiefmütterlich behandelt wurde, ist tatsächlich durch die drei sich gegenseitig ergänzenden Heilbäder Bad Grund, Bad Lauterberg und Bad Sachsa zum attraktieen Aushängeschild des Gesamharzes geworden. Sie ergänzen in idealer Form das Gesamtangebot des Harzes und untermauern damit - anteilmäßig - die Feststellung zahlreicher Mediziner, daß der Harz wegen seiner Geschlossenheit, seiner landschaftlichen Vielfalt und nicht zuletzt wegen seines heilsamen Klimas, mit zu den besten Erholungsgebieten Deutschlands zählt.
Was dabei die drei genannten Heilbäder am Süd- und Südwesthang des Harzes anbetrifft, so ziehen sie immer mehr Heilungs- und Erholungsuchende in den Harz...

...Bad Sachsa, "Märchenstadt Südharz", bezieht diese Bezeichnung nicht nur vom "Märchengrund" mit seinen bekannten Märchenspielen, sie ist auch der Sagenwelt entliehen, die hier die "Heimat der Zwerge vom Sachsenstein" hinverlegt. Was den Zauber von Bad Sachsa aber wirklich ausmacht, ist seine einmalig eindrucksvolle Landschaft, Weit hineingestreut in die hier sanft ausklingende Südharzer Bergwelt und nach oben durch den, eine phantastistische rundschau bietenden 660 m hohen "Ravensberg" abgeschlossen, bietet sich Bad Sachsa wahrhaft als "Kleinod des Harzes" an. Der 1. deutsche Generalpostmeister v. Stephan rief einst:
"Das ist nicht nur ein gesegnetes Fleckchen Erde, das ist eine Perle im Südharzland."
Hinzu kommt, daß Bad Sachsa ein anerkannt heilendes und stärkendes Klima hat und sein Jahren einer beliebtesten Kurzorte für Herznachkuren ist..."
(NZ, 18.09.1976, S. 39 "REISE/KUR/ERHOLUNG)

Die folgenden Zahlen mögen verdeutlichen, welchen Stellenwert der Kurbetrieb für Bad Sachsa hatte
(Bad Sachsa war auf einem vielverspechenden Weg...)

oben: 1974

Statistische Angaben über die Entwicklung des Kur- und Fremdenverkehrs im Heilklimatischen Kurort Bad Sachsa und dem Erholungsort Steina
(Bad Sachsa, 22. Januar 1974)

In 1971 wurden ca. 46.500 Ankünfte verzeichnet mit rund 640.000 Übernachtungen !!! 

Davon "ca. 20 % Berliner Gäste" (01.06.1977)

links: 1972 + 1973

Aufstellung über die Abgabe von Kurmitteln

Mehr als 68.000 Anwendungen werden verabreicht

(Belege aus Slg. Ralph Boehm)

Auszüge aus einem Gästebuch

"Lob und Tadel über die Arbeit im Kurmittelhaus Bad Sachsa; B.S., Aug. 1976"

(Slg. Ralph Boehm)

 1976

""Mit gutem Erfolg, dank der intensiven
Kuranwendungen, beende ich meinen Aufent-
halt im schönen Bad Sachsa.
ein besonderes Dankeschön,
für Frau Kronenberg
und
Herrn Pfannenschmidt.
Unterschrift
aus Lübeck"
 

1976

""Ob Massage, Trocknung oder
Bad, in Sachsa man Er-
fahrung hat.
Dank Herrn Bogdan, Herr Brodhuhn.
Unterschrift
Kiel"

1976

"Sechs Wochen bin ich hier in
Sachsa aber wie im Fluge verging
die Zeit bei herrlichen Wetter
nun gehts wieder an die Arbeit
und dies verdanke ich grössten
Teils der guten Massage von
Herrn Pfannenschmidt und den
guten Bewerungs Bäder unter der
Leitung von Herrn Kellner diesen
danke ich hiermit auf herzlichste
auch bei der Zeiteinteilung möchte
ich mich für Ihre Entgegenkommen
danken. Ich denke gern an Sachsa
zurück und werde es jedem
empfehlen.
Unterschrift
Braunschweig"

1977

"Ich kam nach Bad Sachsa zur Kur,
es regnete in einem nur.
Die Geschäfte und Lokale,
standen in Wettbewerb der Preis-Pokale.
Das Bad von Sachsa kann man streiche.
vor der Musik im Kursaal muß man weichen.
Im Kur-Bad selber fehlt es auch an Geld,
oder will man warten bis der Kur-Gast fehlt.

Döbrichs Weinstuben, klein und fein,
da gibt es Preiswert Wein:
und in jedem Glas ist Sonnenschein.
Ich werde das A.O.K. Heim nicht vergessen,
es bot das beste, von der Unterbringung
bis zum Essen.
Unterschrift
2152 Neunkirchen"

1977

Die Maßnahmen zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen
betreffen insbesondere diese Bäder im Südharz und sind deshalb Thema im TV auf NDR/RB REGIONAL:

"25 Minuten Aufenthalt
Bäder im Südharz"


(HÖRZU 24/77, Programm vom 11.-17. Juni, S. 74)

1977

Kurdirektor Meyer schreibt an einen Hamburger Journalisten per 26.10.1977:
..."wir freuen uns, feststellen zu dürfen, daß Sie das Thema Bad Sachsa verarbeitet haben und danken Ihnen für die Möglichkeit einer Korrektur.
Wir bitten Sie, falls Sie sich unseren Vorstellungen anschließen können, einen Teil des Textes wie folgt zu ändern:

BAD SACHSA im Südharz.
Staatlich anerkannter heilklimatischer Kurort
und Wintersportplatz.
9 500 Einwohner, 330 - 660 Meter ü. d. M.
Ein Kurort, wo Suchende die schöne, heile Welt noch finden.
Es gibt keine Betonburgen in dieser lieblichen und romantischen
Landschaft mit einem gut ausgebauten Kur- und Wanderwegenetz.
Allerlei Anreiz wird auch für jüngere Familienmitglieder geboten
(Märchengrund, Tretboote, Greifvogelpark, Skifamilienhang und anderes mehr),
wenig Autolärm, viel Vogelgezwitscher. 

Das war`s, lieber Herr xxxxxx. Wir hoffen Sie, uns zu verzeihen, daß wir versuchen, Ihnen unsere Vorstellungen aufzuzwingen. "...
(26.10.1977, Brief, StABS ohne Nummer)

1977

Zur "Erstellung eines neuen Kreisprospektes" bittet der Kreisoberamtsrat Matzander um Mitteilung folgender Daten
1. Höhe über NN / 2. Unterkunftsarten / 3. Anschrift / 4. Kurzbeschreibung
Stadtdirektor Schaub antwortet am 05.10.1977 wie folgt (05.10.1977, Brief, StABS ohne Nummer):

 :

(o.D., wohl 1977, Prospekt, StABS ohne Nummer)


BAD SACHSA   HEILKLIMATISCHER KURORT   WINTERSPORTPLATZ

KUR VERANSTALTUNGEN 1977

(Prospekt. Slg. Ralph Boehm)

Kurmittel-Preise
Gültig ab 1. August 1977

(Slg. Ralph Boehm)

Kurdirektor Wilfried Meyer: "Betr.: Pressegespräch am ...9. August in Berlin" (2 Seiten, StABS, ohne Nr.)

Die badeärztliche Aufsicht im Kurmittelhaus der Stadt Bad Sachsa wurde bisher von der Badeärztin, Frau Wilden-Feddersen, durchgeführt. Sie hat mit Wirkung vom 1.6.1978 diese aufgabe niedergelegt. Dr. med. Ludwig Kirchoff übernimmt die ärztliche Aufsicht ab 1.8.1978.

Dr. Ludwig Kirchhoff, Internist und Kurarzt (Bad Sachsa), verfaßte in seiner Zeit als Kurausschußvorsitzender im Juni 1979 ein maschinegeschriebenes Skript,
aus dem an dieser Stelle zitiert werden soll:

"Bad Sachsa ist am Südrand des Westharzes gelegen. Für den Kern des heilklimatischen Kurorts ist seine Lage am Rand des grossen Mischwaldgebietes charakteristisch, das von Süden nach Norden aufsteigt. Bioklimatisch wichtig ist ausserdem, dass die Harzhöhen dem Ort breit vom Westen nach Osten vorgelagert sind, sodass er von den kalten Luftströmen aus Norden geschützt ist. Die nach Süden leicht abfallende weit offene Lage begünstigt Sonnen-einstrahlung am Vormittag und das Abfliessen von Kaltluft besonders aus den nördlichen Ortsteilen - also aus dem eigentlichen Kurgebiet, das in 330 m über Meereshöhe liegt und im weiten Umkreis von stadteigenen Wäldern umgeben ist. Dies Gefälle, etwa dem Lauf der Uffe entsprechend, verbessert das Lokalklima der Bad Sachsaer Mulde. Das Kurgebiet hat ausser-dem einen gewissen Schutz gegenüber den Westwinden und gegenüber Winden aus
Südwest, die hier am häufigsten sind, durch den vorgelagerten Brand und den Warteberg.

Hier muss der vorhandene Baumbestand erhalten, oder gar vermehrt werden.

Für das Abströmen von Kaltluft aus dem Kurgebiet stellt der Ortskern ein gewisses Hindernis dar. -
Nach den Erhebungen von L. Schulz beträgt die mittlere Nebelhäufigkeit von Oktober bis März nur 38 Tage, was recht günstig ist. Von April bis September ist die mittlere Zahl der Nebeltage 8. In beiden Fällen werden die Grenzwerte von 50 bzw. 5 Tagen bei weitem nicht erreicht. Die mittlere Sonnenscheindauer beträgt 1566 Stunden bei einem Sollwert von 1500 im Jahr, und die Luftverschmutzung war 1969/70 im Kurpark 1.5 g pro Quadratmeter im Monat, der Grenzwert liegt hier bei 2.5 g/m². Die erst 1972 -also nach Abschluss des Gutachtens von L Schulz- in dem Begriffsbestimmungen festgelegten Grenzbedingungen für heilklimatische Kurorte werden somit von Bad Sachsa erfüllt.

Man nehme eine Badewanne, plaziere sie unter die herabstürzenden Wassermassen eines Mühlrades und umgebe das Ganze mit einer Bretterbude. Auf diese Weise erhält man ein Dusch- und Wellenbad zugleich. So geschehen im Jahre 1874 neben Gelpkes Mühle in der Bismarckstrasse, wo der Landwirt und spätere Heilgehilfe Degenhardt diese "Kaltwasser-Heilanstalt" etablierte und dort seine Kranken einer Kur unterzog. Bereits in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts [Anm. Ralph Boehm: also in den 1860er Jahren] hatte Degenhardt mit Weitblick das günstige Klima Sachsas als Heilfaktor erkannt. So wurde der Grundstein für die Entwicklung des Kurortes gelegt.

Schon 1890 errichtete man hinter dem im Vorjahr entstandenen Kurpark ein Badehaus mit 14 Badezellen, das 1937 und 1950 umgestaltet wurde. Zunehmende Gästezahlen und neue balneologische Erkenntnisse machten bald einen Neubau erforderlich, der 1961 hinter dem alten Badehaus, das abgerissen wurde, entstand. Zur Behandlung der Heilungssuchenden standen Wannenbäder mit diversen Zusätzen -insbesondere Kohlensäure-, Inhalatorium, Kneipp-Abteilung, Sauna sowie Räume für Parafangopackungen, Handmassagen und Unterwasserstrahlmassagen zur Verfügung. Hinzu kamen ein Thermal-Bewegungsbad und ein Gymnastiksaal.

Seit 1905 darf sich Sachsa BAD SACHSA nennen. Diese offizielle Anerkennung muss uns heute überraschen, war doch in Sachsa niemals ein ortsgebundenes Kurmittel vorhanden. Nach den vom Deutschen Bäderverband und vom Deutschen Fremdenverkehrsverband herausgegebenen Begriffsbestimmungen für Kurorte, Erholungsorte und Heilbrunnen könnte Sachsa nicht als HEILBAD anerkannt werden.
Erst 1954/55 begann man sich des balneologischen Kurmittels SOLE zu bedienen, die
-damals wie heute- [Anm. R. Boehm: Juni 1979] aus Sülbeck im Landkreis Northeim heran-gebracht wird. Weil sich aber eine gesättigte Sole bei sachgerechtem Transport nicht verändert, ist ein guter Ersatz für ein ortsgebundenes Kurmittel gefunden worden.

Aufgrund eines Gutachtens von Dr. L. Schulz, dem führenden Harzklimatologen, erhielt Bad Sachsa 1964 die Anerkennung als HEILKLIMATISCHER KURORT. Das reizschwache Schonklima eignet sich zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Atemwegserkrankungen sowie Erschöpfungssyndromen. Die Solebehandlung darüberhinaus ist bei Erkrankungen des Bewegungsapparats -z.B. degenerative Gelenkschäde, Wirbelsäulenerkrankungen, Nachbehandlungen bei Gelenkersatz- angezeigt, da sie durch Verminderung der Hautverdunstung zu einer vermehrten Durchblutung der "Körperschale" führt.

Heuer stehen wir erneut vor dem Problem, unser Kurmittelhaus umzubauen, zu erweitern und es den modernen balneologischen Erfordernissen anzupassen.
Das Haus befindet sich in weiten Teilen in einem schlechten Zustand. Die agressive Sole hat zu erheblichen Schäden im Bewegungsbad und in den dazugehörigen Installationen geführt. Die Gänge zu den einzelnen Abteilungen sind zu eng und in keiner Weise behindertengerecht. Es fehlen für die Patienten geräumige und freundliche Wartezonen. Es mangelt an Umkleidekabinen und Ruheräumen. Ein funtionsrerechter Ablauf der Behandlung ist nicht möglich. Die Lüftung -insbesondere im Bewegungsbad- ist unzureichend ausgelegt und defekt, so dass eine überhöhte Luftfeuchtigkeit herrscht.
Im Lauf der Zeit hat sich das Therapiebild völlig verändert. Dies beweisen auch die stark rückläufigen Zahlen bei der Verabfolgung der Wannenbäder und der Unterwasserstrahl-massagen; dagegen hat die aktive Bewegungstherapie im Sole-Thermal-bewegungsbad zugenommen. Das gleiche gilt für die Packungen und Handmassagen.
Während im Jahr 1966 an Wannbädern mit Zusätzen insgesamt 20 483 = 42.5% aller verabreichten Kurmittel abgegeben wurden, fiel die Zahl bis zu Jahr 1976 auf 13 281 = 22%.
Die Unterwasserstrahlmassagen gingen von 4 483 = 9.3% auf 1 803 = 3.0% zurück.
Deutliche Zunahmen erfuhren die Packungen von 3 345 = 6.9% auf 7 010 = 11.6%, die Handmassagen von 9 008 = 18.7% auf 15 109 = 25.0%, und die Anwendungen im Sole-Bewegungsbad von 5 982 = 12.4% auf 16 802 = 27.9%. Alles dies bezogen auf den Zeitraum dieser zehn Jahre. Diese Tendenz hält weiter an.
Aus dieser veränderten Situation resultiert der Entschluss zur Umgestaltung des Kurmittel-hauses unter Wahrung der vorhandenen Bausubstanz. Vordergründig geht es um eine aktive Bewegungsbehandlung der Patienten mit Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises im weitesten Sinn. Des weiteren bietet sich das milde Schonklima von Bad Sachsa zur günstigen Beeinflussung des chronischen bronchitischen Syndroms an, desgleichen gilt dies für die Therapie der psycho-vegetativ Gestörten und der Herz- Kreislauferkrankungen, sofern sie sich nicht im Stadium der Dekompensation befinden. Über eindrucksvolle Erfolge bei asthmakrnaken Kindern kann der Chefarzt des Kinderkrankenhauses IM BORNTAL -Dr. Ferdinand Karg- berichten. Im Jahresdurchschnitt werden dort etwa 1 000 Kinder aus der ganzen Bundesrepublik erfolgreich behandelt.
So wie im Zuge der Erdgeschichte Länder, Meere und Inseln entstehen, so bilden sich im Verlauf der Kulturgeschichte zunehmend jene umgrenzte, mehr und mehr inselförmigen Regionen heraus, in denen die Welt -sagen wir- heil ist, und die noch imstande sind zu heilen und zwar nicht nur durch Anwendungen aller Art, sondern eben grundsätzlich durch den immer stärker hervortretenden Gegensatz zu den krankmachenden Ballungen in den Städten.

Es wird kaum noch bestritten, dass die Evolution dabei ist, ihre Kinder gemächlich zu verzehren. Unsere Lebenserwartungen sind trotz allen Fortschritss qualitativ gesunken, weil wir im wesentlichen einer reich technischen Zivilisation folgen, während die von den Technokraten zwar manipulierte, aber doch niemals bezwungene Seele dabei verhungert.

Ein Kurort dient also nicht nur der befristeten Wiederherstellung körperlicher Funktionen, sondern der Rückgewinnung der psychosomatischen Einheit, dem Vielgenannten ZU SICH SELBST KOMMEN, das in der Leistungsgesellschaft und ihrem Standardvergnügungen nicht mehr stattfindet.
Es braucht nicht gesagt zu werden, dass die therapeutischen Anwendungen aller Art den Heilungssuchenden nicht überfordern sollen. Auch im Rahmen der Kur muss dem Patienten genügend Freizeit bleiben, wenn der Erfolg am Ende auch wirklich eintreten soll. In der freien Zeit ist der Kurgast aber wiederum auf die Stadt und ihre Umgebung angewiesen.
Man darf getrost sagen, dass Bad Sachsa sich -ohne technisch zu überaltern- jenen Charakter bewahrt hat, der insbesondere dem älteren Menschen und seinen Erinnerungen, die er ja mitbringt, zusagt. Die Kur wird gewissermassen im Bewegungsraum der Stadt selbst fortgesetzt, in ihren Strassen, in zahllosen -eigens für den Kurgast geschaffenen- Einrichtungen, in den anliegenden Wäldern.
Bad Sachsa verdankt seinen Kurbetrieb seiner geschützten Lage am Südharz des Harzes, seinem Klima und seinen aus gedehnten Waldungen. Es gild diese Existenzgrundlage des Kurortes zu wahren und weiter auszubauen.
Juni 1979."