MARKTSTRASSE

(Zum Todestag von Horst Wessel wurde die Marktstrasse
am 23.07.1937 bis zum Kriegsende 1945
in "Stasse der S.A." umbenannt)

Marktstraße 27

Alte Bezeichnungen:

1788: Haus 22 in der Marktstraße: Johann Georg Reinhardt

vor 1853: Haus Nr. 22 in der Marktstraße
um 1853 bis um 1900: Marktstraße 28: Familie des Lohgerbers Adolf Euling
Um 1900 wohnt hier in der Marktstr. 28 unser Ehrenbürger Forstmeister Baer
Ab ca. 1913 Marktstr. 27: Fleischerei Leimcke

Ab 1964: Rind- und Schweineschlachterei Edgar Eimler
später Fleischer Assmann, dann Kuhfittig (Fisch) und
von ca. 1971 bis 2017 Gas - und Wasserinstallateurmeister Eckhardt Stolle.

Schlachterei Leimcke

Vor der Eingangstür links: Hermann Leimcke sen.
Vor der Eingangstür rechts: Hermann Leimcke jun.

(o.D., Foto: Slg. R. Boehm)

Brauereien

Marktstraße 52 / Ecke Jugendherbergstraße

Brauerei Kellner

Bis 1899 befand sich hier die 1833 von Wilhelm Kellner gegründete Brauerei, die 1857 an seinen Sohn und von diesem 1890 an den Enkel überging. Ab 1897 wurde eine neue Braustätte an der Walkenrieder Straße genutzt (heute befindet sich dort das Autohaus Frotscher). 

Auszug aus der Kurliste 1897

(Foto: Slg. R. Boehm)

Bierfilz (heute bereits eine Seltenheit)


Bierflasche Brauerei Sachsenstein Gebr. Kellner

(Foto: W. Buckmann)

Jeder kam mal an die Reihe


Braurecht besaßen in der Stadt Sachsa natürlich wie andernorts diverse Häuser. Gebraut selbst wurde aber nicht dort, sondern in hierfür geeigneten Räumlichkeiten. Diese befanden sich zwischen dem Rathaus in der Marktstraße und dem Gebäude Uffestraße 1, also unter Kontrolle des Rates. Das „Reihebrauen“ wurde bis um 1840 betrieben. Damit ist gemeint, dass jedes Haus mit Braurecht irgendwann an die Reihe kam und dann sein Bier in jenem Gebäude braute. Das städtische Brauhaus wurde 1841 verkauft.



Marktstraße 66

Alte Bezeichnungen:

vor 1853: Haus Nr. 64 in Marktstraße
ab 1853:  Haus Nr. 76 in der Marktstraße: Familie Beiermann
ab ca. 1875: Marktstraße 76: Familie Seiert
ab 1881: Marktstraße 66: Familie Wagner (auch Wagener genannt)/Nicolai/Schmidt/Kurz...

Texte: Gerlinde Kurz / Sabine Klapper --- Fotos: Familienarchiv Kurz

Sachsa, den 5 September 1881

"Gesuch des Klempnermeister August Wagener um Ertheilung eines Bauconsenses

 

Erlaube mir Wohllöblichen Magistrat die ergebene Anzeige zu machen, daß ich auf meinem Grundstücke zu meinem Bedarf eine Werkstele erbauen will die Größe und Dimensionen sind aus anliegender Zeichnung und Situationplan ersichtlich.

Die Werkstell soll massiv aus Bruchstein Kalkmörtel erbaut und das Dach soll mit Zink überdeckt werden

Und bitte Wohllöblichen Magistrat um gütige Ertheilung des Baucenseses.

Hochachtungsvoll Aug. Wagener"

August und Auguste Wagener

August Wagener war aus Weißenborn im Eichsfeld nach Sachsa gekommen, um sich hier eine Existenz als Klempnermeister aufzubauen. Er hatte einiges Geschick und vermutlich auch eine Marktlücke entdeckt, denn dem Handwerksbetrieb gliederte er ein Haushaltswarengeschäft an.

1882

Am 22. Mai 1882 erhielt August Wagener die Erlaubnis von der Stadt Sachsa, im Hause Markstraße 66 einen Laden bauen zu dürfen, um seine Waren feilbieten zu können. Vornehmlich vertrieb er Geschirr, aber auch Petroleumlampen und das Petroleum dafür. Schließlich machte er sich auch den Reinheitstrieb der Bevölkerung zunutze und verlieh Zink-Badewannen.

Wageners Geschäft florierte, denn er ließ den Laden mit einem Holzfußboden auslegen, was seinerzeit fortschrittlich war und das ständige Sandstreuen auf den Fußboden erübrigte.
Ab 1907 kam noch eine 6 x 2 m große Holz-Wäschemangel im Schuppen dazu, die über so manch schwere Zeit hinweghalf. Ein Korb Wäsche kostete damals zwischen 40 und 50 Pfennig.

Foto ca. 1954
Willi und Minna Schmidt ("Scherwenminna")

Da das Ehepaar Wagener kinderlos war, nahmen sie die kleine Minna Nicolai an, deren Mutter gestorben war.

 

Minna und ihr Mann Willi Schmidt führten den Laden ab 1925. Der Sanitärbedarf wich im Laufe der Jahre Haus- und Küchengeräten.

Foto 1964


1967 wurde der Laden auf Gerlinde und Peppi Kurz übertragen, die in den folgenden Jahren „aus einem kleinen Wohnzimmer ein großes Geschäft“ machten. Das Sortiment wurde um Markenporzellan, Geschenke und einen Schlüsseldienst erweitert.

Foto 1987

Im Jahre 2004 übertrugen Gerlinde und Peppi Kurz das Geschäft an neue Inhaber, um in den Unruhestand zu gehen. In 37 Jahren wurden bei Kurz unter anderem 14 Lehrlinge ausgebildet und 21 Verkäuferinnen sowie 5 Büroangestellte beschäftigt. Allein das Stammpersonal zählte 6 Angestellte, die bis zu 20 Jahre dort beschäftigt waren.
2007 wurde das 1881 gegründete Geschäft für immer geschlossen. In einem Teil der Räume befindet sich heute ein Wäschegeschäft.

Aus der Festschrift zum 100jährigen Geschäftsjubiläum...

Das von August Wagener gegründete Geschäft bestand 125 Jahre und ist vielen Sachsaern in guter Erinnerung.