MARKTSTRASSE

(Zum Todestag von Horst Wessel wurde die Marktstrasse
durch die Nazis am 23.07.1937 bis zum Kriegsende 1945
in "Stasse der S.A." umbenannt)

MARKTSTRASSE 15

17. Jh.: Haus Nr. 12 in der Marktstraße
>1853:  Haus Nr. 16 in der Marktstraße 

> ca.1890 ff: Marktstr. 15

"Das letzte Stündchen" des alten Hauses Nr. 15 in der Marktstraße

"gegenüber der Einmündung der Tettenborner Straße"

(Osteroder Kreis-Anzeiger, Montag 6. April 1959)

(Osteroder Kreis-Anzeiger, 11./12. April 1959)

"Altes Brauhaus soll Speiselokal werden"

Anmerkung 1: "Früher: altes Brauhaus: Bei dem abgebrochenen Bau handelt es sich um das alte Sachsaer Brauhaus, das eine für unseren Ort bewegte Tradition aufweisen konnte"
Mit dieser Aussage gehe ich bisher NICHT mit! Denn m.E. befand sich das Sachsaer Brauhaus auf dem hinteren Gelände des damalige Rathaus (also Marktstraße 10) - 
aber schau`n mer mal...
Anmerkung 2: leider fehlt das Ende des Artikels!

Wer kann helfen, ergänzen, weiß Genaueres????

(Osteroder Kreis-Anzeiger, 11./12. April 1959)

"Eimer-Werfen"

Die Schmerls und eine ihrer besonderen sportlichen Betätigungen

insbesondere im Keller der Marktstrasse 15, Dortmund und England...


Bei diesem Sport, durch den Gastronomen Jürgen Zaulig in seiner Gaststätte "Pitt´s Bierkeller" um 1978 entwickelt, wurden natürlich nicht die Eimer geworfen - sondern ein ausgedienter Würfelbecher, genannt "Das Leder", wurde über eine Entfernung von ca. 4 Metern eingeworfen. Wer getroffen hatte, war aus dem Schneider - den/die Letzten bissen die Hunde: eine Runde Bier war fällig!

Die Aufnahmen stammen von einem Freiluft-Event zum Stadtfest im August 1983 (10jähriges Bestehen der Deutsch-Französischen Gesellschaft)

 (August 1983, Fotos: Ralph Boehm) 

Ein Wurf "von oben", bei diesem Freiluft-Event durch die Sonneneinstrahlung eine besondere Herausforderung

(v.l.n.r.: Manuel Kohl, Manuel Morales, Andreas Schirmer)

Horst Wedler bevorzugte die Wurftechnik von unten, dabei wird "Das Leder", ähnlich wie bei Boule-Spielen, von unten in einem Bogen in den Eimer geworfen.

(v.l.n.r.: Manuel Morales, rot unbekannt, Andreas Schirmer, Jörg Schnabel, Carsten Ellrott und der "kleine Pichelmeier")

Ein konzentrierter Wurf von oben 

(Manuel Kohl)

Geschlechter spielten bei diesem Sport keine Rolle

(v.l.n.r.: Horst Behrend, Elke Roloff, Horst Wedler)

Nicht jeder Wurf saß!

(v.l.n.r.: Mikk Witter, Horst Danneberg, Manuel Kohl, Andreas Schirmer)

Mit Stefan Willer musste man immer rechnen! 

(dahinter Andreas Schirmer, Frank Borree)

Nach einem erfolgreichen Treffer (diese Runde ging also an andere) schlug man in Pitt`s Bierkeller,
die Deckenhöhe lag bei ca. 2,18 m, mit der Faust an die Decke.
Dieses fiel unter freiem Himmel bedeutend schwerer! 

Diesmal nur in der Zuschauerrolle

(Detlef Heider, Ulrich Barke)

Der Gastronom (und Erfinder des "Eimer-Werfens") Jürgen Zaulig nach einem erfolgreichen Wurf.
(rechts davon: Andreas Schirmer, Frank Borree)

Selbstverständlich wurde das "Gesetz zum Schutze der Jugend" auch beim Eimerwerfen strickt eingehalten (meistens!). Links das Original-Leder.

Das "Eimer-Werfen" wurde auf Kneipen-Fahrten erfolgreich exportiert u.a. nach Dortmund und in die südenglische Stadt Brighton (Fotos werden noch gesucht)

"PROMILLE 08"
Aufgrund der Einladung eines am Pädagogium tätigen Englisch-Lehrers, er wohnte ansonsten in seinem Haus in Südengland zwischen Newhaven (Schulpatenschaft mit dem hiesigen Schulzentrum) und Seaford, fuhr die Fußball-Theken-Mannschaft "PROMILLE 08" unter Führung des Kneipenwirtes Jürgen Zaulig in des Lehrers Heimat.

Überfahrt Calais-Dover nach Brighton

 (Foto: Siegfried Roß)

Leider war der English-Lehrer irgendwo anders auf der Welt - nur nicht in Südengland - somit hatten wir auch erstmal keinen Schlafplatz. Das Foto ist als Reaktion von "1010" auf diesen neuen Umstand zu vertehen.  (Foto: Siegfried Roß)

Natürlich liessen wir uns nicht entmutigen und fanden Unterschlupf in Brighton im "Heidelberg-Guensthouse". (Foto: Siegfried Roß)

In Arbeit


"PROMILLE 08"
Weitere Fahrten unter Führung des Kneipenwirtes Jürgen Zaulig.

1976, Abfahrt nach Prag

Manfred Wezel, Siggi, Nino, Bernd Krautz,..., Britta Schmidt verh. Probst, Achim Schridde, ....,

Astrid + Jürgen Zaulig mit Bernd Krautz u.a.

Siggi Roß, Schridde, Manni Wetzel, Nino, Bernd Krautz, Wiedemann, hockend Breuer

Erich Flessner, ..., Astrid Zaulig., Siggi Roß, Bernd Krautz, "Ete" Zaulig (Vater von Wilfried, Hartmut, Heide + Jürgen "Zecke" Zaulig)

Marktstraße 27

Alte Bezeichnungen:

1788: Haus 22 in der Marktstraße: Johann Georg Reinhardt

vor 1853: Haus Nr. 22 in der Marktstraße
um 1853 bis um 1900: Marktstraße 28: Familie des Lohgerbers Adolf Euling
Um 1900 wohnt hier in der Marktstr. 28 unser Ehrenbürger Forstmeister Baer
Ab ca. 1913 Marktstr. 27: Fleischerei Leimcke

Ab 1964: Rind- und Schweineschlachterei Edgar Eimler
später Fleischer Assmann, dann Kuhfittig (Fisch) und
von ca. 1971 bis 2017 Gas - und Wasserinstallateurmeister Eckhardt Stolle.

Schlachterei Leimcke

Vor der Eingangstür links: Hermann Leimcke sen.
Vor der Eingangstür rechts: Hermann Leimcke jun.

(o.D., Foto: Slg. R. Boehm)

Marktstraße 29

Alte Bezeichnungen:

1631

vor 1853: Haus Nr. 24 in der Marktstraße
um 1853: Marktstraße 31, Familie Nürnberger
1854 ff: Familie Krieghoff
Ab ca. 1875 ff: Marktstr. 31, Kämmerer Karl Wiedemann

Ab ca. 1890 ff: Marktstr. 29, Zimmerer E. Wiedemann
Ca. 1901-1907: Marktstr. 31, Kämmerer Karl Wiedemann (Bürgerrolle StABS IV.a.5)
Ca. 1912 ff: Marktstr. 29, Gastwirt Karl Wiedemann, Magistratsassistent Eugen Wiedemann
Ab 1. April 1924 zeichnet Eugen Wiedemann für die Gastwirtschaft "WEINTRAUBE" verantwortlich; er wird auch noch 1935 als "Eugen Wiedemann, Stadtsekretär i.R." im Einwohnerbuch gelistet.
Familie Leuckefeld eröffnet wohl 1971 

Am 02. Februar 1914, kurz vor den III. Deutschen Rodelmeisterschaften, zog zum 4. Winterfest in Bad Sachsa der Rodelkorso durch die Stadt.
Im Background das "Gasthaus Weintraube" des "Karl Wiedemann" (Foto: Familie Domke)

Zwischenzeitlich, die Kastanien sind deutlich gewachsen, führt "Eugen Wiedemann"
das "Gasthaus Weintraube" (Foto: Juli 1931, Familie Domke)

Vermutlich 1938, die Hälfte der Sachsaer Bevölkerung huldigt den Nazis, wurde dieses Foto aufgenommen (Foto: Familie Krautz)

Innenhof I
(1943, Foto: Familie Leuckefeld)

Innenhof II
(1944, Foto: Familie Leuckefeld) 

Der Familie Leuckefeld verdanken wir die folgenden sw-Fotos aus 1971
(vermutlich anlässlich der Geschäftseröffnung geschossen),
die neben der Front-Ansicht auch den rückwärtigen und den Hofbereich (!) zeigen.

Fritz Leuckefeld
Koffer  Lederwaren  Dekoration

Der rückseitig gemauerte Bereich schließt auf eine frühere Nutzung mit Feuer.

"Radio-Mewes" hat bereits geschlossen 
(Foto: Bauamt Bad Sachsa, 2004)
Nur kurzfristig fand sich in den Folgejahren ein/e Finanzdienstleiter/in im Namen der Deutschen Bank als Pächter/in.

Grundsätzlich war es auch 2011 noch schwierig, diese Immobilie einer Nutzung zuzuführen

(Foto: Bauamt Bad Sachsa, 2009)

Brauereien

Marktstraße 52 / Ecke Jugendherbergstraße

Brauerei Kellner

Bis 1899 befand sich hier die 1833 von Wilhelm Kellner gegründete Brauerei, die 1857 an seinen Sohn und von diesem 1890 an den Enkel überging. Ab 1897 wurde eine neue Braustätte an der Walkenrieder Straße genutzt (heute befindet sich dort das Autohaus Frotscher). 

Auszug aus der Kurliste 1897

(Foto: Slg. R. Boehm)

Bierfilz (heute bereits eine Seltenheit)


Bierflasche Brauerei Sachsenstein Gebr. Kellner

(Foto: W. Buckmann)

Jeder kam mal an die Reihe


Braurecht besaßen in der Stadt Sachsa natürlich wie andernorts diverse Häuser. Gebraut selbst wurde aber nicht dort, sondern in hierfür geeigneten Räumlichkeiten. Diese befanden sich zwischen dem Rathaus in der Marktstraße und dem Gebäude Uffestraße 1, also unter Kontrolle des Rates. Das „Reihebrauen“ wurde bis um 1840 betrieben. Damit ist gemeint, dass jedes Haus mit Braurecht irgendwann an die Reihe kam und dann sein Bier in jenem Gebäude braute. Das städtische Brauhaus wurde 1841 verkauft.



Stadtapotheke

Marktstrasse 54

Dieses Foto ist sehr wahrscheinlich in unserer Stadt-Apotheke entstanden
(1920er, Foto: Slg. R. Boehm)

(1900 ca.,

Foto: Slg. R Boehm)

(Kurliste 1897)


(BSN 02.08.1919)

MARKTstraße 57

Alte Bezeichnungen:
vor 1853: Haus Nr. 55 in der Marktstraße
um 1853: Haus 67 in der Marktstraße, Familie Euling
Ab ca. 1875 ff: Marktstr. 67, Fleischerei Carl Euling (*22.11.1844 bis t26.10.1901)
1881/1882: Marktstr. 57, Schlachthaus für Fleischer Karl Euling (StABS I,a,45 von 1881/82 Nr. 3)
1901-1902: Marktstr. 57, Witwe Charlotte Euling, geb. Weber (*24.01.1854 bis t19.10.1929) eröffnet mit dem 01.11.1901 hier dieselbe Schlachterei, die mit dem 01.04.1902 wieder abgemeldet wird (Markus Jaeger, StABS)
1902-1907: Marktstr. 67, Fleischermeister Karl Euling (*22.09.1887 bis t17.08.1926)
1902 ff: Rind- u. Schweineschlachterei Otto Häseler (Kurliste Nr. 12)
1910: Markstr. 67, Schlachthaus für Fleischer Karl Euling (Gebäudesteuerrolle, StABS)
1933 ff: Marktstr. 57, Fritz Hillnhagen
Nachkriegszeit ff: Marktstr. 57, Otto Hillnhagen
2011 ca. ist die "City-Mode" (links) wohl gerade raus; im rechten Teil befindet sich Fleischerei Lambertz bis zu deren Umzug auf die andere Marktstrassenseite in 2012/2013; somit ist zur Zeit Leerstand in beiden Hälften des Gebäudes. In 2015 zieht "Die Fischkiste" in den rechten Teil. In der 2016 stattgefundenen Zwangsversteigeung (evtl. etwas später) findet das Objekt einen neuen Eigentümer und neue Pächter. Links geht die Reinigung SUPERSANFT mit Ursula Weise hinein, die zeitweilig auch einen HERMES-Paketshop dort anbietet. 2019 hält für kurze Zeit das "Bewegungsstudio Südharz" einzug: Gymanastik, Rückenschule etc.

Carl der xxte Euling (22.09.1887-01.08.1926) übernahm die Schlachterei von seinem Vater zum 01.02.1913 
(30.01.1913, BSN), die aber bereits zum 02.03.1914 abgemeldet und am 04.03.1914 auf die Ehefrau Toni Euling, geb. Borchers, übertragen wird. Diese Schlachterei kaufte der Fleischermeister Bösecke, Lauterberg, und betrieb sie bis zum 15.03.1929

1933 übernahm Fritz Hillnhaben die Schlachterei und übergab sie in der Nachkriegszeit an seinen Sohn Otto Hillnhagen, der 1988 das 75jährige Firmenbestehen begehen konnte
(oben: "DER KREIS OSTERODE AM HARZ", Buch von 1933; unten: 24.09.1988, BSN)
 

Rind= und Schweineschlachterei von Otto Häseler
(1902 circa, Anzeige in der Kurliste Nr. 12)

"Fritz Hillnhagen, Fleischermeister", davor ein Wagen des Rodelkorsos.
(1930er, Foto: Slg. R. Boehm)

(01.04.2016, Harzkurier)

(10.08.2016, Harzkurier) 

Seit Mai 2015 bereichert rechter Hand "DIE FISCHKISTE" das hiesige Angebot.
Zum 01.09.2018 geht die Textilreinigung (bisher links) raus.

(August 2018; Andrej Luft, auf facebook 01.09.2018)

Ende August 2023 wurde das Haus eingerüstet und erhält ein deutlich attraktiveres Erscheinunsbild. Im Fenster verspricht Werbung ein Lokal namens "Teige`s Triple C - Coffee,.... Cake" - eine Eröffnung ist in 2024 nicht absehbar. Auch ist zur Zeit "Die Fischkiste" wegen Krankheit geschlossen.
(12.01.2024, Foto: Ralph Boehm)


Marktstraße 59/60

<1853: Haus 57 und 58
>=1853: Haus 69 und 70 in der Marktstraße
um 1900: Marktstraße 59 und 60
Seit ca. 1893 bilden die beiden Häuser eine wirtschaftliche Einheit.
Das heutige Haus 59 wurde durch den Fabrikanten Hugo Eckstein wohl von Familie Bötticher (hier mindestens seit 1850) erworben;
Das heutige Haus 60 gehörte Mitte der 1850er der Familie Ackenhausen, die es an den "Ackermann Friedrich Schkel zu Mackenrode veräußerte; ca. 1869 heißt es dann:
"modo: das Wohnhaus nebst Hintergebäude und Gärten besitzt jetzt der Kaufmann Eduard Haendeß zu Sachsa" (StABS I.q.30, Flurregister)

Komm` doch mit auf den Ravensberg!

Erstmals läßt sich der Name Haendeß in Sachsa 1794 nachweisen: Der in Regensburg geborene Carl Eustasius Haendeß wird hier seit dem 21. Octbr. 1794 als Bürger geführt; sein Stand ist Apotheker (StABS IV.a.2. lfd. Nr. 18). Bis 1846 wohnt die Familie des "Karl Haendes" (StABS XII.h.2) in der heutigen Marktstraße 21, ab 1846 in der Marktstraße 54; deren Sohn "Kaufmann Eduard Haendeß zu Sachsa" erwirbt 1869 das Doppel-Gebäude Marktstr. 59/60 vom "Ackermann Friedrich Schinkel zu Mackenrode" (StABS I.q.30)."


H. Hendeß aus Sachsa, also offensichtlich ein heimisches Familienmitglied, setzt sich 1853 mit einem "Geheimmittel" gegen die Kartoffelkrankheit auseinander, welches ein gewisser "J. G. von der Trappen. Wesel, bei Bagel. 1852" anbietet zum stolzen Preis von "4 Thlr. oder 7 fl. rh." und kommt zu dem Schluß: "Es dürfte daher die Anwendung des in Rede stehenden Mittels in Ansehung der Kosten, wenigstens in diesem Jahre, nicht gelohnt haben."

(Unterhaltungsblatt und Anzeiger für den Kreis Schleiden und Umgegend. 03.06.1853)

Mit ganz anderen Dingen beschäftigen sich Eduard Hendess gemeinsam mit seinem Bruder.
Allerdings nicht zur Freude Aller; so schreibt "H. Underberg-Albrecht, Erfinder und alleiniger Destillateur des Boonekamp of Maagbitter", immerhin Hoflieferant mehrerer königlichen Hoheiten und
Seiner Majestät des Königs Maximilian von Bayern" (im Kölnischen Anzeiger vom 02.02.1860):

[Hubert Underberg gründete das Unternehmen am 17. Juni 1846, dem Tag seiner Heirat mit Katharina Albrecht. Lange experimentiert er am Rezept für einen Magenbitter. 1851 ließ er sein Produkt beim Handelsgericht in Krefeld schützen; nur allzu verständlich, daß er versuchte, gegen lästige Konkurrenz anzugehen ("Die Firma", in: Die Welt, 09.02.2006)]


"Geworben wurde im Westen mit dem Slogan-Klassiker "Komm doch mit auf den Underberg" auf die Melodie des River-Quai-Marsches.  Die Gruppe, die noch immer vollständig der Familie gehört, beschäftigt rund 1000 Mitarbeiter in Deutschland, Österreich, Ungarn, Frankreich und der Schweiz. Der Umsatz wird seit Jahren mit 500 Mio. Euro angegeben, über die Höhe des Gewinns verlautet nichts "

Die Erwiederung der Firma "Gebrüder Hendess", namentlich Eduard Hendess, erfolgt nur einen Tag später am 23.02.1860 in der Magdeburgischen Zeitung:

Das öffentliche Scharmützel wurde dann nicht weitergeführt. Aus dem "Boonekamp aus Maagbitter" des Hubert Underberg-Albrecht wird der "Underberg", heute in 5ter Generation in Familienbesitz und nachwievor aus Kräutern aus 43 Ländern bestehend. Und seit rund 5o Jahren wird, nach der Melodie des River-Quai-Marsches, am Tresen der Slogan-Klassiker gesungen:

"Komm doch mit auf den Underberg"

Und wie erging es unserem Eduard Hendess ???

Er kämpfte weiter um seinen "Boonekamp of Maagbitter", hier 1870 belegt, verlagerte aber gleichzeitig den Schwerpunkt auf seine "Rum-, Liqueur-, Essenzen- und Mostrich-Fabrik" in der Marktstraße 60.

(Angebot der 97. Auktion bei Südphila Peter Feuser, 19.11.2022 Start 200 € unsold)

Spätestens 1893 zeichnet Hugo Eckstein verantwortlich für die Firma "Eduard Hendess / Inhaber H. Eckstein" und der Maurermeister Fr. Kälz einen Situationsplan zum "Project einer Dampfanlage für Herren Hugo Eckstein in Sachsa a/H."; es wird also kräftig inverstiert!

(StABS V.p.16, "Handwerk, Industrie": und da sage noch einer, wir hätten niemals Industrie in Sachsa gehabt...)

Der Schwerpunkt wird verlegt - weg vom Boonkekamp - hin zur "Dampf-Mostrich und Essigsprit-Fabrik" (Rechnung vom 28.02.1898. Slg. R. Boehm)

Nachfolger "Max Eckstein" blieb bei diesem Sortiment: "Likör, Essigsprit und Mostrich",...
(Rechnung vom 24.10.1925. Slg. R. Boehm)

... aber ganz hat man auf den eigenen "Boonekamp" nie verzichtet!!!

Man stelle sich vor, Eduard Hendess, oder seine Nachfolger Eckstein, hätten einen Werbesong verbreitet, wie

"Komm` doch mit auf den Ravensberg"...

(StABS I.20.7, Wasserzins)

Ab ca. 1935 wird als Eigentümerin die "Witwe Friedrich Krieghoff, Bad Sachsa, Marktstraße 59/60" geführt. Mit Boonekamp und Likör ist nun Essig...
Denn von nun heißt es im rechten Teil:
"Kutsch- und Lohnfuhrwerk, Kohlenhandlung, Möbeltransport, Bahnamtliche Spedition" (StABS I.43.5).

Um 1960 ist Karl Krieghof für Kohlenhandlung-Güternahverkehr zustängig; wenige Jahre darauf, spätestens 1964, heißt es dann, daß "Karl Krieghoff u. Sohn" zuständig sind für "Kohlen-Heizöl-Brennholz" und die "Bahnamtliche Spedition" (1964, Werbeschrift wohl des Schützenvereins). Um 1970 wird firmiert unter "Friedrich Krieghoff Ww, Inhaber Ulrich Krieghoff, Spedition, Kohlenhandlung, Heizöle (17.02.1972, Rechung). Schließlich geht das Haus Marktstraße 60 um die Jahrtausendwende in das Eigentum der Familie Klapproth über, das Gebäude als Wohnhaus nutzt.

Marktstr. 59 wird vermutlich verpachtet. Folgende Anzeigen möcht ich Euch und Ihnen nicht vorenthalten:

(20.11.1951, BSN)

Marktstr. 59 wird vermutlich verpachtet. Folgende Anzeigen möcht ich Euch und Ihnen nicht vorenthalten:

(03.09.1955, ?)

2004 (vor Stadtsanierungsmaßnahmen)

"Blumenhaus Brandt

2011 (nach Stadtsanierungsmaßnahmen) 


"Blumenhaus Brandt"

Dieser Vergleich der beiden Fotos zeigt beeindruckend die Möglichkeiten, welche durch die sogenannte "Stadtsanierung" umgesetzt werden konnten. Unter Beibehalt der vorhandenen Struktur (u.a. Zink-Blech-Verkleidung) wurden lediglich die Fenster teilweise geändert und es kam Farbe in die Stadt. Der Dank gilt hierfür hinsbesondere dem Architekten Ulrich Leander Braun, Melsungen.

Marktstraße 66

Alte Bezeichnungen:

vor 1853: Haus Nr. 64 in Marktstraße
ab 1853:  Haus Nr. 76 in der Marktstraße: Familie Beiermann
ab ca. 1875: Marktstraße 76: Familie Seiert
ab 1881: Marktstraße 66: Familie Wagner (auch Wagener genannt)/Nicolai/Schmidt/Kurz...

Texte: Gerlinde Kurz / Sabine Klapper --- Fotos: Familienarchiv Kurz

Sachsa, den 5 September 1881

"Gesuch des Klempnermeister August Wagener um Ertheilung eines Bauconsenses

 

Erlaube mir Wohllöblichen Magistrat die ergebene Anzeige zu machen, daß ich auf meinem Grundstücke zu meinem Bedarf eine Werkstele erbauen will die Größe und Dimensionen sind aus anliegender Zeichnung und Situationplan ersichtlich.

Die Werkstell soll massiv aus Bruchstein Kalkmörtel erbaut und das Dach soll mit Zink überdeckt werden

Und bitte Wohllöblichen Magistrat um gütige Ertheilung des Baucenseses.

Hochachtungsvoll Aug. Wagener"

August und Auguste Wagener

August Wagener war aus Weißenborn im Eichsfeld nach Sachsa gekommen, um sich hier eine Existenz als Klempnermeister aufzubauen. Er hatte einiges Geschick und vermutlich auch eine Marktlücke entdeckt, denn dem Handwerksbetrieb gliederte er ein Haushaltswarengeschäft an.

1882

Am 22. Mai 1882 erhielt August Wagener die Erlaubnis von der Stadt Sachsa, im Hause Markstraße 66 einen Laden bauen zu dürfen, um seine Waren feilbieten zu können. Vornehmlich vertrieb er Geschirr, aber auch Petroleumlampen und das Petroleum dafür. Schließlich machte er sich auch den Reinheitstrieb der Bevölkerung zunutze und verlieh Zink-Badewannen.

Wageners Geschäft florierte, denn er ließ den Laden mit einem Holzfußboden auslegen, was seinerzeit fortschrittlich war und das ständige Sandstreuen auf den Fußboden erübrigte.
Ab 1907 kam noch eine 6 x 2 m große Holz-Wäschemangel im Schuppen dazu, die über so manch schwere Zeit hinweghalf. Ein Korb Wäsche kostete damals zwischen 40 und 50 Pfennig.

Foto ca. 1954
Willi und Minna Schmidt ("Scherwenminna")

Da das Ehepaar Wagener kinderlos war, nahmen sie die kleine Minna Nicolai an, deren Mutter gestorben war.

 

Minna und ihr Mann Willi Schmidt führten den Laden ab 1925. Der Sanitärbedarf wich im Laufe der Jahre Haus- und Küchengeräten.

Foto 1964


1967 wurde der Laden auf Gerlinde und Peppi Kurz übertragen, die in den folgenden Jahren „aus einem kleinen Wohnzimmer ein großes Geschäft“ machten. Das Sortiment wurde um Markenporzellan, Geschenke und einen Schlüsseldienst erweitert.

Foto 1987

Im Jahre 2004 übertrugen Gerlinde und Peppi Kurz das Geschäft an neue Inhaber, um in den Unruhestand zu gehen. In 37 Jahren wurden bei Kurz unter anderem 14 Lehrlinge ausgebildet und 21 Verkäuferinnen sowie 5 Büroangestellte beschäftigt. Allein das Stammpersonal zählte 6 Angestellte, die bis zu 20 Jahre dort beschäftigt waren.
2007 wurde das 1881 gegründete Geschäft für immer geschlossen. In einem Teil der Räume befindet sich heute ein Wäschegeschäft.

Aus der Festschrift zum 100jährigen Geschäftsjubiläum...

Das von August Wagener gegründete Geschäft bestand 125 Jahre und ist vielen Sachsaern in guter Erinnerung.