KIRCHSTRASSE

Der wohl älteste Teil der Stadt Sachsa

Der Kirchhof mit der Kirchstraße

Das Foto gibt einen Ausschnitt einer Ansichtskarte wieder (Poststempel 1940, Slg. R. Boehm)


Auf Basis einer Pharus-Karte von ca. 1920 könnte die Stadt kurz nach Gründung durch vermutlich die Clettenberger um 1200 so ausgesehen haben (es ist eine These!!! Wir bitten um Diskussion!!!):

  • 1. "Der Altarraum in seinem Mauerwerk gehört zum ältesten Bestand der heutigen St. Nikolai-Kirche. Wir nehmen an, daß er kurz vor 1200 errichtet worden ist."..."Der untere Teil des Turms ist wahrscheinlich gleichzeitig mit der Kapelle errichtet worden, und zwar in einem gewissen Abstand davon als Wehrturm und erste Befestigung des neugegründeten Ortes". (Pastor i. R. Gerhard Lüke: "Allhier zur Sachse") 
  • 2. Die Wässer aus dem Salztal sowie Kuckans-, Katzen- und Ostertal (sie flossen ursprünglich auf der heuti-gen Kirch- und Schulstraße, vereinigten sich am östlichen Ende des Kirchhügels, um dann die heutige Marktstraße hinunter zu fließen) wurden entsprechend der beabsichtigten Nutzung verlegt; der Mühlgraben  speiste, aus Richtung Salztal kommend und über den Pferdeteich geregelt, die Mühle (heute Schulstr. 2).
  • 3. Ein Backhaus war zwingend und wird hier gestanden haben (Karl Berger [1928-2016] sprach 2008 von dem "gemeinsam genutzten Backhaus auf Höhe Schulstr. 1", heute unbebaut.
  • 4. Die Pfarrscheune wird seit jeher als Lager gedient haben.
  • 5. Die "Ritterstätte am Kirchhofe bei Nikolaus Fricks Hof" war am Mühlenbrink gelegen; die genaue Lage ist z.Zt. nicht nachvollziehbar. (Hallbauer I, S. 77-85). Allerdings spricht einiges für die Lage in unmittelbarer Nähe des Stadttores (6) und des Brunnens (9).
  • 6. Das Obertor, "das auch an selben Orthe eine aufgerichtete Säulen, so man den Kack nennet, öffentlich gestanden und vom Rath zur Sachsa dahin gesetzet worden..." (StABS I.w.1/a)
  • 7. Die, im Volksmund als Pinkelgasse überlieferte, Lücke in der Bebauung findet sich noch um 1920 oberhalb des Obertors (heutige Kirchstraße 15) genauso wie unterhalb des Untertors (heutige Marktstraße 41). Weitere Baulücken sind auf dem Pharus-Plan weder in der Kirch- noch in der Marktstraße!
  • 8. Für bedrohliche Zeiten, insbesondere bei schlechtem Wetter, konnte das Vieh auf den "Mühlenbrink" verbracht werden (Wikipedia 17.06.2023 zitiert das Wörterbuch der Gebrüder Grimm: Brink sei ein niederdeutsches Wort in der Bedeutung des hochdeutschen Anger, ... Weiter heißt es „in Cassel heißt ein hügelicher platz in der stadt der brink“.).
  • 9. Der Brunnen ist noch heute angedeutet.


Für die Zeit davor hat der Lehrer Richard Saage in Sachsa einen
"Beitrag zur Heimatkunde des Regierungs-Bezirks Erfurt"
um 1910 veröffentlich:

Bad Sachsa

liegt im nordwestlichen Zipfel der Provinz Sachsen am Südwestrande des Harzes. Es war einst der letzte thüringische Ort nach dem alten Sachsenlande hin und erhielt wohl von dieser Grenzlage seinen Namen Sachsa (a). Als Dorf vor 1000 Jahren gehörte es zur Grafschaft Clettenberg. Im Jahre 1230 kam es an die Grafen von Hohenstein, die das Dorf zum Flecken und zur Stadt erhoben. Der Zeitpunkt dieser Erhebung ist leider unbekannt [Anm.: xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx]
Nach dem Aussterben der Hohensteiner Grafen fiel Sachsa an Braunschweig. Nach dem 30jährigen Kriege war es
Lehen der Grafen Sayn=Wittgenstein. 1803 wurde es preußisch und bildete sodann mit einigen Dörfern der Umgegend zur Zeit des westfälischen Königreichs den Kanton Sachsa. Gegenwärtig [Anm.: um 1910] aber gehört es zum Kreis "Grafschaft Hohenstein", Regierungsbezirk Erfurt.

1. Von den Ureinwohnern.
Weithin über das gesamt Deutschland erstreckte sich in alter Zeit ein mächtiger, tausendjähriger Urwald. Riesige Eichen reckten die knorrigen Aeste gen Himmel und verflochten die grünen Zweige in einander. Das gewaltige Dickicht war an vielen Stellen undurchdringlich und belebt von großen Urtieren, die längst hinübergezogen sind nach dem Osten, in die Wälder und Steppen Sibiriens. Es waren grimmige Bären, Luchse, Elentiere und Wölfe. Die Jagd auf diese Bestien stählte und kräftigte die alten Germanen, sie bildete ein Vorspiel zu den blutigen Kämpfen für den Jüngling und erzog ihn zum Krieger. Römische Schriftsteller berichteten außerdem von ganz seltsamen Geschöpfen, die im deutschen Urwald gehaust haben sollen. Nicht weit von Sachsa liegt die Ruine Scharzfeld und in deren Nähe die "Einhornhöhle". Das Einhorn war nach der Beschreibung der Römer ein gewaltiger Ochs in Hirschgestalt mit einem hohen geraden Horn mitten auf der Stirn. Auch von einem Elch wird berichtet, die Schenkel dieses Tieres sollten ohne Gelenke sein, es konnte sich daher nicht niederlegen, sondern nur durch Anlehnen an einen Baumstamm ausruhen. Das gewaltige Ungeheuer aber soll ein unzähmbarer Stier gewesen sein, der Ursus.
Unsere Vorfahren, die diesen Urwald ihr eigen nannten, teilt ein römischer Schriftsteller in fünf Gruppen ein, von denen eine - die Hermionen - viele Stämme unter sich begriff. So wohnten im Nordharz die Cherusker, im Südharz die Chatten, ein sehr kriegerisches Volk. Im Jahre 58 oder 59 n. Chr. zogen diese Chatten mit einem großen Heere aus, um den ostwärts von ihnen wohnenden Hermanduren die Salzquellen zu entreißen. Vor der Schlacht aber machten beide Parteien einen Vertrag, wonach die überwundene Partei dem Schlachtengott mit Mann und Maus geopfert werden sollte. Das Kriegsglück entschied gegen die Chatten. Zu den wenigen Uebriggebliebenen schlugen sich die Sachsen, und von der Zeit an verschwindet der Name "Chatten" immer mehr, indem er in dem umfassenden Namen "Hesser" aufgeht. Uns Sachsaer aber erinnert der in unserer nächsten Umgebung liegende "Katzenstein" (Chattenstein) und das Chattental an den Namen der Ureinwohner des Südharz, an die Chatten.

Bald darauf entstand das thüringische Königreich, dessen Könige Wartburgen und Grenzschlösser bauten. Sie teilten ihr Land ein in Nord=, Süd=, West= und Ostthüringen. Zu Nordthüringen gehörte der Harz, zu Südthüringen unsere heimatliche Landschaft. Die Thüringer wurden durch die Sachsen wieder verdrängt, und um Jahr 524 n. Chr. heißt unsere Gegend das Angrische Sachsen. Es bestand aus zwei Gauen,
dem Zurregau (nach dem Zorgefluß genannt) und Helmegau (nach der Helme genannt); der Zorgegau umfaßte die Landschaften um Nordhausen und Ellrich, der Helmegau die Herrschaft Lohra, die goldene Aue und das Mansfeldische. Die Sachsen wurden durch Karl den Großen unterjocht, ihr Land verwandelte er in eine fränkische Provinz und setzte 12 Landvögte und Grafen über sie.
 
2. Von den heidnischen Göttern am Südharz.
In dem eine Stunde von Sachsa gelegenen Clettenberg sowie Harzburg sollen Altäre eine sächsischen Götzen Crodo (Krodan oder Sater) gestanden haben. Sein Bild zeigte die Gestalt eines hageren Mannes, auf einer Säule stehend. Ein ihm geweihter Hain befand sich bei Ellrich. Der Stauffenberg erinnert an den Götzen Stuffo, dessen Säulen auch auf dem Eichsfeld standen. Diese Schulen hat Bonifazius, der Apostel der Deutschen, zerstört. Das Christentum trat an die Stelle des Heidentums, Kapellen und Kirchen traten an die Stelle der heiligen Haine und Altäre. Nach und nach verloren sich die heidnischen Gebräuche, und nur das "Vertun" und "Versprechen" erinnern uns heute noch an jene Heidenzeit. Die Heidengötter verwandelten die christlichen Priester in böse Geister, Wodan wurde zum wilden Jäger, und seine heiligen Orte wurden "Teufelskanzeln".
 

3. Von den Sachsa`er Beziehungen zum benachbarten Kloster Walkenried.

Bonifazius richtete überall Bistümer, Klöster und Abteien und eine gegliederte Ordnung der Kirchen ein. Er hat für die Einführung des Christentums in Deutschland mehr getan als irgend ein anderer Missionar; seine Arbeit war erfolgreich, weil er sich hineinzuleben vermochte in den nationalen Charakter der deutschen Stämme, deren Tugenden er achtete und ehrte. Nach ihm gründeten Fürsten, Ritter und edle Frauen ebenfalls Klöster und beschenkten dieselben mit allerlei Vorrechten, mit Wald, Acker und Wiesen. Mit solchen Stiftungen mühten sich die Menschen damals ab, Gott wohlgefällig zu werden. In dem uns benachbarten Orte Walkenried stand ein von der Gräfin Adelheid von Clettenberg gestiftetes Kloster, das im Bauernkrieg zerstört wurde. Seine Ruinen werden sorgsam erhalten. Vor diesem Kloster (am Tor) wurden anno 1465 zwei "Ketzer" verbrannt, "der eine von der Sachse (Sachsa), der andere von Branderode, so ohnzweiffel Hussiten oder andere Zeugen der Wahrheit gewesen". Nach der Stillung der Bauernaufstände kamen einige von der verlaufenen Mönchen wieder zum Kloster Walkenried zurück, nahmen Weiber und ließen sich zu evangelischen Priestern bestellen, so M. J. Crusius in Ellrich und Friedrich Lohle in der Sachse. Im Kloster selbst entstand eine evangelische Schule. Friedericus Hildebrand, Rektor und Pastor, mußte während des 30jährigen Krieges vor der Wut raubender Soldaten mehrmals aus dem Kloster fliehen. Anno 1629 drangen Cistercienser Mönche  wider alles Recht in das Klsoter ein und vertrieben Hildebrand samt seinen Scholaren. Er floh zuerst nach Nordhausen, dann nach Goslar und zuletzt nach Sachsa, wo er zwei Jahre blieb.

Die Fortsetzung der "Beiträge zur Heimatkunde" wird an geeigneter Stelle erfolgen...

Böttcherei SCHWÄBE

in der Kirchstrasse

Wohl in den 1920ern ist dieses Foto beim Wäschewaschen entstanden (vermutlich rückseitig der Stadtapotheke). Genutzt hat die Dame einen typischen Waschbottich, der auf ein Dreibein gestellt war sowie einen Ofen (im Vordergrund) zum Erhitzen des Wassers.
Waschbottich und dazugehöriges Dreibein waren typische Anfertigungen eines Böttchers
(1920er, Foto: Slg. R. Boehm)

Dreibein (im Wintersport-+Heimatmuseum Bad Sachsa) IN ARBEIT foto folgt
Unser Museum würde gern auch einen Waschbottich zeigen - können Sie uns helfen???

Altes Pfarrhaus

in der Kirchstrasse 25

Baujahr 1756

Zwei Hausbäume fassen optisch den Eingang (mit Oberlicht zur Kirche hin), gradliniges Sichtfachwerg und 8er-Teilung der Fenster, die untere Hälfte geht nach innen auf,
prägen dieses Pfarrhaus,
davor ein Staketenzaun.
(Facebook 15.05.2020, Tom Schreiber)

"Fenster sind wesentliche Funktionselemente eines Gebäudes. Sie entfalten zugleich eine umfassende architektonische und gestalterische Wirkung für die Fassaden".

(VDL Vereinigung der Landesdenkmalpfleger: Holzfenster im Baudenkmal - Hinweise zum denkmalgerechten Umgang; Arbeitshefte der VDL, Arbeitsgruppe Bautechnik)

Feuerwehr-Gerätehaus mit Schlauchturm und das Altes Pfarrhaus.

(wohl vor 1930, Foto: Peter Stecher)

Altes Pfarrhaus, um 1932
(Fotoalbum Pastor Lindenberg, StABS)

Das Fachwerk ist hinter einer Verschieferung (?, Zinkblech ?) verschwunden. Die 8er-Teilung der Fenster ist einer 3er-Teilung gewichen; auch wurden der mittlere Eingang und die Dachgaube aufgegeben; ebenso sind die beiden Hausbäume verschwunden.

Die Hauptansicht von Osten. Mehrere alte Stilelemente sind nun wieder erkennbar, als da sind: mittiger Haupteingang mit Oberlicht, Optische Mehrfachteilung der Fenster, Dachgaube.

(15.05.2020, Foto: H.-J. Liebau)

Die Jahreszahl "1756" ist in die Fassade der Südansicht eingearbeitet.

(15.05.2020, Foto: H.-J. Liebau)

Südansicht mit optischer 8er-Teilung

(21.08.2022, Foto: R. Boehm)