Kiosk - Wie die Pilze schossen sie aus dem Boden...

Ein Phänomen des 20. Jahrhunderts.

Der Kiosk, ursprünglich bezeichnete "kūšk"  (mittelpersisch) einen Pavillon bzw. Gartenhaus, wurde sprachlich von den Türken über das französische "kiosque" im 18. Jahrhundert ins europäische Ausland und somit auch nach Deutschland im allgemeinen (vgl. Wikipedia) und Bad Sachsa insbesondere in die Hindenburgstraße gebracht. In diesen kleinen Verkaufsständen wurden i.d.R. Tabakwaren, Süßigkeiten, Getränke, Zeitungen und Eis verkauft.
 

Und alle waren in der Hindenburgstraße... 

Hindenburgstraße 7 c

(Zeitung für den Harz, 26.05.1892)


Planmäßig stellt sich Bad Sachsa um 1900 auf die sich durch die wachsende Zahl der Kurgäste wandelnden Anforderungen ein: Das Badehaus wird vergrößert auf nunmehr 10 "Zellen"; das Schwimmbad ist vollendet UND ein Bademeister eingestellt. Außerdem ist bei der "Blankschmiede" (damals zu Bad Sachsa gehörig, heute als Forellengrund bezeichneter Teil von Wieda) eine Eisenquelle mit gar nich so unbedeutender Heilkraft entdeckt worden, für die eine Verkaufsstelle gesucht wird. Ob hierfür dieser vermutlich erste Kiosk als Verkaufsstelle errichtet wurde, ist nicht überliefert. 


Der vermutlich erste Kiosk in Sachsa


(Kur= u. Fremdenliste Nr. 1, 28.05.1904, StABS)

In der "Kur= u. Fremdenliste", einem "Organ der Bade=Verwaltung Sachsa", zu beziehen in den Verkaufsstellen von "Friseur Dick, Lindenstr." (heute Hindenburgstr. 1) und "Friseur Nicolaus, Schulstr." (ebenda, heute Eiscafé VENEZIA) wird auf der Titelseite von Nr. 1 der Blick aus dem damaligen Schützenhaus auf die Linden- und Schützenstraße gezeigt. Unter links steht auf der Grünfläche der vermutlich erste Sachsaer Kiosk, der allerdings schon damals nicht mehr den Anforderungen zu genügen scheint. Denn zur selben Zeit 1904 werden bereits neue Pläne geschmiedet.




Der vermutlich dritte Kiosk an selber Stelle in Sachsa fällt etwas größer aus (StABS)


So schreibt der Bürgermeister am 12. Februar 1904 an den Magistrat der Stadt Sachsa zu Händen des Herrn Stadtverordneten Vorsteher, Direktor Rhotert (ja, genau den vom "Päda") folgendes Gesuch: "Wir bitten in vertraulicher Sitzung über Errichtung von Verkaufshallen im Kurpark und über Errichtung eines neuen Prospectes mit der Versammlung verhandeln zu dürfen. Die Unterlagen werden von dem unterzeichneten Bürgermeister der Versammlung vorgelegt werden. 

gez. Freiherr von Schlotheim".

Bereits am 18. Februar 1904 wird in der "Stadtverordneten Versammlung" folgender Beschluß gefaßt:
"Mit der Errichtung eiserner Verkaufshallen am Kurpark ist die Versammlung einverstanden. Die Kosten in Höhe von ca. 6000 M. werden bewilligt." 

"Coffee-to-go" eine Erfindung der Neuzeit? Weit gefehlt! 

"Eisenwerk Laufach AG"

 (1904, StABS)


Noch im selben Jahr wurde die Firma "Eisenwerk Laufach A.G." mit Sitz in Unterfranken mit der Realisierung der sogenannten "Kolonnaden" beauftragt.  

("Kolonnaden" bezeichnet einen Säulengang; abgeleitet aus dem lateinischen columna "Säule"). Nachfolger der "Eisenwerk Laufach A.G." ist die noch heute aktive "Düker GmbH".  

Coffee-to go und Bratwurst vom Grill seien eine Erfindung der Neuzeit? Weit gefehlt! Denn das Wort "Grillen" leitet sich vom Lateinischen <craticulum> ab; zu übersetzen mit "Kleiner Rost". Belegt ist dass bereits die Römer einen Grillrost verwendeten (www.tagwerkercenter.net/aktuell 05.06.2020). Und erst vor kurzem titelte das ZDF "STREETFOOD vor 2.000 Jahren. Antiker Schnellimbiß in Pompeji ausgegraben" (zdf.de>Nachrichten>Panorama 26.12.2020).

Hindenburgstraße 7 C

(Foto: 1914, Heike Markert) 

Auf dem Umzug durch die Stadt streifen die Schützen auch 1914, ihrem Jubeljahr des 100jährigen Bestehens, die prächtigen Kolonnaden.


1955 werden die "Verkaufshallen am Kurpark" durch je ein Feld zu beiden Seiten der Kolonnaden verlängert. Die Eigentumsverhältnisse werden nicht berührt, da der von den Pächtern bezahlte Umbau in das Eigentum der Stadt übergeht (BSN 29.09.1955).

Im Oktober 1982 titeln die Bad Sachsaer Nachrichten "Die Kolonnaden gehören zu Bad Sachsa" und der Redakteur "hwd" (H.W. Degenhardt) schreibt dazu "Vor ein paar Jahren sollten sie der Spitzhacke zum Opfer fallen... Bad Sachsa kann sich glücklich schätzen, diese Betonklötze (Anm.: das Pfaffenberg-Projekt) nicht gebaut zu haben. An der Peripherie unserer Stadt haben wir genug davon." (BSN 11.10.1982) 

4 Jahe später kommen in Zusammenhang mit der anstehenden "Stadtsanierung" erneut "aus der Bevölkerung der Hinweis, baulich sollte irgendwas mit den Kolonnaden passieren. Sie paßten nun nicht mehr in das Bild der oberen Hindenburgstraße." (BSN 18.06.1986) 

Hindenburgstraße 7  C

(Foto: 2018, Horst Möller )

Machen wir es kurz: die Kolonnaden haben allen Angriffen trotzen können; zwar hat der "Zahn der Zeit" ein wenig an ihnen genagt, so sind doch noch einige Rudimente in Form der Säulen zu entdecken. 
Betreiber dieses Kiosks waren über sehr lange Zeit Dora Borchers (die auch Ansichtskarten von Bad Sachsa verlegte) wie auch Max Piper vor und nach dem II. Weltkrieg, später Familie Eckert (Bücher und Zeitschriften), das Sportgeschäft Albrecht, das Antiquitätengeschäft Neidhardt und Foto-Struttmann (dem wir sehr viele klassische Aufnahmen unserer Stadt verdanken), danach Foto-Aue. Viele werden sich noch an "1010" erinnern, dem Funk-Taxi-Ruf der Famlien Ehrlich wie auch Zaulig.
 Vor rund 15 Jahren trennte sich die Stadt von dem Gebäude;  es ist heute im Eigentum der Betreiber Kusch.


Diese Ansichtskarte, hergestellt im

"Verlag v. H.L. Löhnis, Bad Sachsa i/H.", "Lith. Aug. Fuchs, Nordhsn.",

 zeigt bereits 1899 den zweiten Kiosk in Bad Sachsa auf dem Grundstück der Villa Löhnis in der heutigen Hindenburgstraße 5

(1899, Ansichtskarte, Ausschnitt; Slg. R Boehm A 203)

 

Ein Blick auf den Kiosk zwei im Vorgarten des  "Haus Löhnis", Hindenburgstraße 5, und den vermutlich vierten Kiosk in der (späteren) 5 a.  

(AK, 1916 gelaufen; Quelle: unbekannt) 

Hindenburgstraße 5 a, errichtet wohl 1902

Ein weiterer Kiosk, vermutlich der vierte

(1902 oder kurz darauf; Foto: Günter König)
 

Kiosk vier wurde wohl gerade fertig zur Eröffnung des Photogeschätes, Lindenstraße 5 (heute Hindenburgstraße 5a), am 20. Juli 1902. Bis September 1909 betreibt Hugo L. Löhnis außerdem im Hause des Schwiegervaters (Schneidermeister Kamphenkel) in Wieda, Hauptstraße 27 ein Photographisches Atelier. Zusätzlich eröffnet er am 12. Mai 1910 in der 5a einen Buchhandel, am 25.11.1913 einen Verkauf von Küchenherden sowie am 01.07.1914 eine Fabrikation von Eieruntersetzern an selbem Ort. Raum ist halt in der kleinsten Hütte!
Zum 1. Mai 1915 verzieht dieser Teil der Familie Löhnis nach Wilhelmshaven. 

Hindenburgstraße 5 a

(vermutlich 1908; Foto: Günter König)
 

Ernst Jordan eröffnet ein Fotogeschäft in der Uffestraße zum 01. April 1915, erweitert diesen genau 2 Jahre später um einen Handel mit photographischen Artikeln. Zur selben Zeit übernimmt er am 01. April 1916 mit dem Kiosk 4 das photographische Atelier des Herrn Löhnis. U.a. 1930 wird Ernst Jordan als Inhaber des "Fotohaus Jordan" genannt. Seit 1981 ist hier das Geschäft "Pawlik Brillenmode, Inh. Gernot Pawlik etabliert.



 Hindenburgstraße 5 + 5 a,

Aus dem zweiten Kiosk entwickelt sich ein "Waarengeschäft"

(1901, Kurliste, im StABS)
 

Während im Kiosk 4, hier bezeichnet als "Extra=Laden", Andenken und Postkarten verkauft werden, ist das "Waaren"-Angebot im Kiosk 2 bedeutend umfangreicher, wie es diese Anzeige in der Kurliste von 1901 bewirbt. Vermutlich wurden dazu die räumlichen Möglichkeiten nach hinten vergrößert.
Und das Angebot wird ständig erweitert! So erfahren wir beispielsweise von einem Antrag, indem die sogenannte "Linden-Drogerie" (gegründet 1878) am 5. Mai 1913 eine bedeutende Erweiterung bei den Stadtoberen beantragt; Herr Löhnis schreibt:
 

"Wohllöbl. Polizeiverwaltung zu Bad Sachsa

Ich bitte um die Erlaubnis, einen Chocoladen Automaten neben meinem Geschäftslokal, Lindenstraße No. 5, aufstellen zu dürfen. Da nächste Woche schon das Pfingstfest  fällt und ich mir einen geschäftlichen Vorteil davon verspreche, so möchte ich noch höfl. bitten, mir möglichst in diesen Tagen die Erlaubnis zu erteilen. Umstehender Plan zur Erklärung. Der Automat selbst hat ein sehr elegantes Äußeres & bildet gleichzeitig eine Zierde der Straße.
Hochachtungsvoll
Henriette Löhnis
Inh. der Firma H.L. Löhnis
"
Können die Stadtoberen dieses Gesuch noch rechtzeitig bescheiden? Sie können es nicht! So antwortet der hiesige Bürgermeister v. der Boeck erst 10 Tage später (! lediglich 10 Tage !) am 15.5.1913 (die Pfingsttage waren gerade vorbei am 11/12. Mai 1913):
"Auf Ihre Eingabe vom 5. Mai erteile ich Ihnen auf jederzeitigen Widerruf die Genehmigung, neben Ihrem Geschäftslokal Lindenstraße No. 5 einen Chokoladenautomaten aufzustellen. Herrn Polizeisergeanten Baumgart zur Kenntis."  (StABS 2,24,2).

Hindenburgstraße 5,

(o.D., um 1900, Nachlaß Familie Blume)
 

Die "Linden-Drogerie" (und somit auch unser Kiosk 2) hat offensichtlich über 100 Jahre die obere Hindenburgstraße bereichern können!

Bügelverschluß, Anfang des 20. Jahrhunderts

(15.02.2020, André Merx auf facebook)
 

Der Herstellung von Mineralwässern widmeten sich diverse Sachsaer; kein Wunder, steht doch das zweite "a" in "Sachsa" für das althochdeutsche "aha", gleichbedeutend mit Wasser. Also kümmerte sich auch die Linden-Drogerie von H. L. Löhnis um die Herstellung und Vertrieb im Kiosk 2 mit seiner "MINERALWASSERANTALT / H.L. Löhnis / BAD SACHSA A/H."
(Unser Wintersport-+Heimatmuseum Bad Sachsa würde sich über einen solchen Bügelverschluß, wie auch eine komplette Flasche, sehr freuen!)


Hindenburgstraße 5

(15./16.11.1986 Echo zum Sonntag)
 

Ab spätestens 1935 übernimmt die Familie Blume für Jahrzehnte die Linden-Drogerie (Einwohnerbuch 1935); anschließend wirbt Erika Hartmann für ihren Kosmetiksalon (Das Öffentliche 1982/83). In der Neuzeit dient der Kiosk als Zentrale für "Arnos Taxi und Mietwagen - Arno Wichmann". 

Der vierte Kiosk in böser Zeit

(1939, Foto, Slg. R. Boehm)
 
Mord und Fahnenverbrennen ist leider auch in Bad Sachsa angekommen; als äußeres Zeichen wehen die unheilbringenden Fahnen zum 75jährigen Kurort-Jubiläum und 125jährigen Schützenbestehen in den Straßen der Innenstadt und natürlich auch auf dem Weg zum Schützenplatz und Festzelt. 

Hindenburgstraße 4 a,

Der nunmehr fünfte Kiosk.

(1909, StABS 2,21,7)
 

Einer Auseinandersetzung über Bau- und Straßenfluchtlinien verdanken wir diesen "Grundriss" mit "Colonade" und "Verkaufsstand" (2,50 m auf 2,70 m). Diesen Kiosk betrieb später nach dem Kriege der Eigentümer Georg Barth junior (Sein Vater Georg Barth senior hatte, seit ca. 1910 in der Schulstraße, später in der Marktstraße, seit spätestens 1930 ein "Uhren-, Gold- und Silberwaren-Geschäft hier in der Hindenburgstraße 4a, welches auch optische Geräte und Musikwerke verkaufte. Er war NSDAP-Mitglied der Ortsgruppe Bad Sachsa, Gau Thüringen, seit 01.05.1933). Georg Barth junior hatte in seinem Zeitungsangebot u.a. auch offen liegen die rechtsextreme "National-Zeitung". Heute befindet sich hier ein "Kleines Friseurlädchen" (Das Örtliche online 2021)


"Coffee-to-go" eine Erfindung der Neuzeit? Weit gefehlt! 

Hindenburgstraße 7 A

Kiosk 6 in Sachsa an der Ecke Schützen-straße / Lindenstraße (1914, Foto;  StABS) 

Ein weiteres Foto des Jubel-Umzuges von 1914 offenbart, dass allein die Kolonnaden  im Bereich um den Kurpark nicht ausreichten, denn vis-à-vis entstand der mittlerweile sechste Kiosk an der Ecke Schützenstraße / Hindenburgstraße.

Hindenburgstraße 7 A

 (1928, AK; Slg. R. Boehm 466) 


Seit dem 15.05.1926 wurde dieser Kiosk von Max Piper geführt (Verkauf von Limonaden, Zigarren, Zigarretten Schokoladen usw. (StABS, Gewerberolle 1893-1935, Bl. 29, Nr. 228) , der anschließend "noch vor dem Krieg die Eisdiele in den Kolonaden bis nach dem Krieg" betrieben hat (Herbert Lemmer, aufgewachsen Schützenstr. 5, 2020 auf facebook) und später in den 1950er Jahre in der Schützenstraße 8 mit seiner Frau eine damals hochmoderne "Milchbar" eröffneten sollte.
1949 übernimmt den sechseckigen ca. 2x2 Meter kleinen Verkaufsraum Ecke Schützenstraße/Hindenburgstraße ein gewisser Helmut Graf. 



Hindenburgstraße 7  A

(Mitte der1930er; Foto: Herbert Lemmer )

"Wann hat der Kiosk endlich wieder offen? Ich will doch nur ein Eis für 5 Pfennige", denkt das kleine Kind und horcht derweil dem Leierkastenmann, einem der sogenannten Mittwochsmusikanten.

Im Hintergrund der Kiosk von Max Piper.
Das Foto wurde aufgenommen, kurz bevor die Schützenstraße geteert worden ist. (2021, Herbert Lemmer).

Das soziale Netz war in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen noch nicht so engmaschig, deshalb gab es auch viele Straßenmusikanten, die das als ihren "Beruf " betrachteten und zum Teil nicht schlecht zurecht kamen. Als ein Musikant in Bad Sachsa einmal gefragt wurde, was er mit dem "vielen" Geld mache, antwortete der: "das lege ich in Häusern und Dörfern an."   Auf die erstaunte Gegenfrage in welche und wo, antwortete der Musikant: " In Nordhäusern und Stonsdörfern!" (Herbert Lemmer auf facebook am 31.03.2021) 

Und was hat die Welt des Boxens mit einem Sachsaer Kiosk zu tun?

Max Schmeling gegen Walter Neusel, 1948

(https://www.boxen.de 27.03.2021 und https://www.spiegel.de 21.05.1948 und Hamburger Abendblatt 26.08.2009)

"Walter Neusel gehörte in den 1930er Jahren zur absoluten Spitze des deutschen und europäischen Schwergewichts. Zeitweise war er auf den vordersten Plätzen in den Ranglisten des Welt-Schwergewichts zu finden."  

Er "fuhr nach England. Seinen Spitznamen »Der blonde Tiger«, große Siege und das Bedürfnis, Weltmeister zu werden, brachte er mit zurück. Der kurz vorher entthronte Max Schmeling wurde ihm zur Prüfung vorgelegt". 

"Als er im Juni 1934 gegen Max Schmeling in Hamburg vor einer Kulisse antritt, die es nie wieder in Deutschland und Europa geben sollte,  geht es nicht nur darum, wer der stärkste deutsche Schwergewichtler ist, sondern auch darum, wer sich eine bessere Ausgangsposition für einen Titelkampf um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht in den USA verschaffen kann.
 

Unter den Top 10 der meistbesuchten Kämpfe in der Geschichte des Boxens wird aufgeführt:

"5. Max Schmeling V Walter Neusel 26th August 1934 Crowd 102000 

In this fight Schmeling gave Neusel a boxing lesson for round after round Schmelling continued to beat up Neusel. Until at the end of the 8th round Neusel quit on his stool with blood pouring from his head he was clearly in no state to continue." (https://cmboxing.co.uk/tag/max-schmelling-v-walter-neusel/). 
 Verständlich:

"Neusels Frau sieht sogar bei den Sparringsrunden ihres Mannes nicht zu. Zum Besuch eines richtigen Kampfes ist sie schon gar nicht zu bewegen. Höchstens, daß sie in Bad Sachsa am Radio einmal zuhört. Dort wohnen die Neusels schon seit vielen Jahren, sogar eine Möbelfabrik produziert da unter Walter Neusels Namen. 

Max Schmeling gegen Walter Neusel, 1934

 (1934, Pressefoto: Slg. R. Boehm) 


"14 Jahre hat Neusel auf Schmeling gewartet. Mehrmals mußte er ihn auf seine versprochene Revanche anstoßen. »Meine Antwort werde ich im Ring geben«. Walter Neusel war schon immer Optimist." (Der Spiegel 21.05.1948, a.a.O.)

 "Die große Revanche! SCHMELING gegen NEUSEL" wollten zwei Tage darauf am 23. Mai 1948 dann nochmals 40.000 Besucher sehen! (siehe das Plakat links  oben). Der Optimismus von Walter Neusel sollte sich bewahrheiten: Diesmal setzte sich Neusel mit einem Punktentscheidungssieg über 12 Runden durch. (https://de.qaz.wiki/wiki/Walter_Neusel). Und was sagte Max Schmeling zu diesem Kampf?  "In seinen Erinnerungen wird dieser Kampf von Schmeling übrigens mit keinem Wort erwähnt." (https://www.boxen.de)

 

Was bleibt?
81 Kämpfe,  63 Siege, 12 Niederlagen, 6 Unentschieden. 

 

Für die Zeit danach beabsichtigte Walter Neusel, sich in Bad Sachsa eine Existenz aufbauen, wie der Zeitschrift "Der Spiegel" im Januar 1951 zu entnehmen ist. "Walter Neusel will sich nicht vom Boxen zurückziehen; in einem Monat will er wieder boxen. In einem Brief an den Gemeindevorstand seines Heimatortes Bad Sachsa hatte er sich um die Leitung der städtischen Omnibuslinien beworben. Begründung: Er müsse eines Tages auch an eine gesicherte Existenz denken. Der Antrag wurde abgelehnt. Ein Fuhrunternehemer bekam die Omnibuslinien, weil er branchekundig sei." (Der Spiegel 1-1950). 
 

"Nach der Boxkarriere und das Ende: 

Neusel führte nach seiner Laufbahn in Berlin ein immer recht gut frequentiertes Gasthaus, das seinen Kampfnamen trug: „Zum blonden Tiger“. Daneben war er nicht selten als Beobachter für verschiedene Presseorgane an den Boxringen unterwegs. 

Am 07. Oktober 1964 verstarb er plötzlich in seiner Gaststätte an einem Herzinfarkt. Er wurde nur 56 Jahre alt. Die besondere Tragik: Sein Sohn Peter erkämpfte sich zwölf Tage später eine Goldmedaille im Rahmen der Ruderwettkämpfe im Vierer mit Steuermann bei den Olympischen Spielen in Tokio. Nachdem er mit seiner Mutter gesprochen hatte, nahm Peter Neusel an den Wett-kämpfen teil. Walter Neusel war es nicht vergönnt, den größten sportlichen Triumpf seines Sohnes noch mitzuerleben." 
(https://www.boxen.de)

Hindenburgstraße 7 A

Der sechste Kiosk (rechts), erweitert 1956, links "die Kolonnaden".

 (Der TSV beim Schützenumzug)
(1957, Foto: Slg. Wolfgang Becker, TSV)

Für seine damaligen späteren Kämpfe hatte er sein Trainingslager eingerichtet u.a. in Benneckenstein sowie im Souterrain des "Hotel Schützenhaus" (heute Göbel`s Vitalhotel):

"Im November 1947 kam der gelernte Großhandelskaufmann Helmut Graf dann nach Bad Sachsa und stand vor dem Nichts. Ich betätigte mich berufsfremd als Hilfsarbeiter und wurde Sekretär bei Walter Neusel. Das Schützenhaus wimmelte ja nur so von Boxern, sagte Graf. Aber diese Boxer sind es gewesen, die eigentlich den Grundstein für das heutige A&O-Geschäft in der Hindenburgstraße legten. Sie wollten Apfelsinen kaufen, aber nicht bis in die Stadt laufen. So begann man am 1. Mai 1949 in dem 1928 erbauten Kiosk des Busunternehmers Wihelm Bock auf einer Fläche von 2 mal 2 m mit dem Verkauf von Obst und Gemüse. Erst 1956 wurde man für die damalige Zeit modern und fortschrittlich und baute einen größeren Kiosk, der 13 Jahre lang gute Dienste im Bad Sachsaer Kurviertel leistete..." . Sein Sohn Dietmar Graf "trat am 1. Januar 1962 in das elterliche Geschäft ein" und ersetzte 1969 den Kiosk durch einen gemauerten Bau, der "mit seiner Verkaufs-fläche von 160 qm das erste und wirklich moderne Geschäft mit einer Frischfleisch-Abteilung" sein sollte."


2021 ist hier das Versicherungsunternehmen Hasselkus zu finden.

(Anmerkungen von Hans-Jürgen Liebau, Facebook 27.11.2018: "Walter Neusel wohnte bei Kriegsende im Hause Köbrich, dem ehemaligen Hotel Warteberg. Kurze Zeit nach dem Ende des Krieges zog in das Haus, das auch viele Flüchtlinge aufgenommen hatte...Norbert Nordhoff...".)



Nicht nur im Stadtwald sind Pilze zu finden... (Prospekt der Familie Witter von ca. 1962)

Hindenburgstraße 9

Der siebte Kiosk von ca. 1956

(Rodelkorso 1961, Foto: Slg. R. Boehm)

 "Das Wirtschaftswunder der 1950er Jahre zeigte sich im wieder gewonnenen Wohlstand. Da es Alkohol erst mit 21 Jahren gab, galt es als schick, sich in Milchbars und Eisdielen zu treffen. Gleichzeitig konkurrierten auch in Deutschland die Molkereien und ihre Erzeugnisse gegen die neuen Erfrischungs-getränke, die es an jedem Kiosk einfach und verbrauchernah zu kaufen gab. Der Milch fehlte es an solchen Verkaufsstellen.
Mit der Idee eines Milchkiosks mit einem breiten Angebot von Milchprodukten sollte diese Versorgungslücke geschlossen werden. Das erste Kioskhäuschen in Fliegenpilzform wurde bei der Tagung der „Großstädtischen Milchversorgungsbetriebe“ im Mai 1952 in Bayreuth als sogenannter „Milchverbrauchs-werber“ präsentiert und später nach Regens-burg gebracht. Später ließ sich der Hersteller, die Hermann Waldner KG aus Wangen im Allgäu, sowohl den Entwurf als auch den Namen „Milchpilz“ gesetzlich schützen.        Da ein Milchkiosk einen hohen Wieder-erkennungswert haben sollte, wählte Hermann Waldners Sohn Anton, zum damaligen Zeitpunkt Geschäftsführer, die markante Form eines Fliegenpilzes."
(Bettina Vaupel: Milch vom Fliegenpilz: Nur wenige Kioske überlebten die 1950er Jahre. In: Deutsche Stiftung Denkmalschutz (Hrsg.): MONUMENTE. Magazin für Denkmalkultur in Deutschland Nr. 5/6-2006 S. 14f. Wikipedia).

Hindenburgstraße 9

Macht auch heute noch eine gute Figur!

(2018, Foto: Ralph Boehm) 

Der aus Märchen- und anderen Kinderbüchern wohlvertraute Pilz mit dem charakteristischen roten Tupfenhut als Wohnstadt liebenswerter Wichtel, Elfen und Blumenkinder (vgl. Bettina Vaupel, a.a.O.) mag auch die Familie Witter vermutlich 1956 bewogen haben, diesen Kiosk sich auf ihrem Grundstück vor das "Haus Ingrid. Bes. H. Witter" zu stellen. Ob hier jemals Milch ausgeschenkt wurde, ist nicht überliefert (Eine Milchbar war ja auch bereits rückseitig in der Schützenstraße 8, betrieben durch die Familie Piper. s.o.). Wahrscheinlich ist eher, daß dieser "Pilz-Kiosk, Hindenburg-straße 9, gegenüb. Hotel Lindenhof" aus-schließlich für "Anmeldungen und Abfahrten für unsere Ausflugsfahrten" genutzt wurde

(Prospekt der Firma "Reiseverkehr Rudolf Witter", ca. 1962).

 

Hindenburgstraße 9

(1982, Foto: Gerhard Pfeiffer) 

 

 Heute sind lediglich 13 von diesen Pilzen noch bekannt, von denen sogar 8 noch in Betrieb sein sollen (Wikipedia 28.03.2021).
Aus meiner Sicht würde es sich lohnen, diesen Pilz-Kiosk wieder einer Nutzung zuzuführen, z.B. als Werbeträger für das "Hotel Lindenhof" der Familie Hofschlaeger und/oder den ältesten Märchenpark Deutschlands: den "Märchengrund" im Katzental.

Die Kiose 8 und 9 kommen in der Hindenburgstraße dazu...

Original: Kiosk Nummer acht und neun in der Hindenburgstraße vor 1964

(Anfang der 1960er, Foto: Lucas Becker)
Entweder auf dem Hochweg oder auf dem Rückweg kam man in der Hindenburgstraße zwangsläufig an einem Kiosk nicht herum; die Quengelzonen der heutigen Supermärkte sind ein schwacher Abklatsch gegenüber dieser Anordnung der Buden! 

  

Fälschung: Kiosk Nummer acht und neun in der Hindenburgstraße nach 1964

(Mitte der 1960er, Foto: Wolfgang Buckmann)

Als kleines Kind durfte ich mir am Wochenende bei optimalem Erfolg 10 Pfennig verdienen, indem ich bei "ORIGINAL und FÄLSCHUNG" (zwei annähernd gleiche Gemälde oder Fotos wurden gegenübergestellt) in der "HÖR ZU!" die 10 eingebauten Fehler fand...
Fehler 1. Der Kiosk von Adolph & Fricke ist weg.
Fehler 2. Der Kiosk von Herrn Teske ist weg.
Fehler 3. Die "Normaluhr" zeigt eine andere Uhrzeit.
Fehler 4. Die "Normaluhr" hat einen Schutzzaun erhalten
Fehler 5. Blumenkästen + Girlanden schmücken zum Schützenfest.
Fehler 6. Die Volksbank wird 1964 eingeweiht.
Fehler 7. Haus Hasenpatt wurde verputzt.
Fehler 8. Der Kuperkeller ist eröffnet worden.
Fehler 9. Der Hoteleingang des Schützenhauses wurde verlegt.
Fehler 10. Die Börse ist eröffnet worden.


Ob warm - ob kalt: Die Kioske sind allzeit bereit für Schüler/innnen, Touristen/Touristinnen und andere.

Kiosk 8 in der Hindenburgstraße 3, vor 1964

(o.D., wohl Ende der 1950er; Foto: Anja Danneberg)

Oskar Adolph erhielt 1959 die Genehmigung, auf dem Grundstück Hindenburgstraße 3 (Familie Stecher) den Verkaufskiosk der Fa. Adolph & Fricke zu vergrößern bis zu 2,00 Metern (Bauamt Bad Sachsa. Vgl. das Foto!!!). Im Angebot waren "ROST-BRATWURST", "SÜSSIGKEITEN - TABAKWAREN", dazu gab`s zum Trinken "Sinalco" (als Alternative zum Gegenüber, der "Coca Cola" anbot). Natürlich wurden auch Ansichtkarten und Zeitschriften offeriert. 
PS: Das "Haus Hasenpatt" im Hintergrund zeigt sich noch unverputzt




(Vermutlich) Kiosk 10, Hindenburgstraße 3 a, 1964

(o.D., 1964 oder kurz darauf; Photograph: Reinhold Priebe)


Dieser zehnte Kiosk war ursprünglich der achte, welcher dem Neubau der Volksbank 1964 weichen mußte; auf Holzrollen wurde Nr. 8 damals weiter nach oben versetzt (Siegfried Ross, 26.03.2021 auf facebook.). In der Hindenburgstraße 3 a (Eigner Peter Stecher) wurde er später von Wilfried und Erna Zaulig betrieben, deren Spezialitäten waren "Pommes rot-weiß" (Karl-Friedrich Borchling, 27.03.2021 facebook), "Frikadelle mit Schmorzwiebeln und Ketchup" (Jens Kiefer, ebenda), "Beste Frikadelle von der ganzen Welt. Ebenso der Burger, mit Fleischkäse wie auch mit Schmorzwiebeln in einem Sesambrötchen" (Cord Pallasch, ebenda). 

Das obige Foto, hergestellt von Reinhold Priebe, welcher an hiesigem Pädagogium als Kunsterzieher arbeitete, zeigt wohl genau diesen Kiosk in der Hindenburgstraße 3a (bevor er wiedermal einem Steinbau weichen sollte); nunmehr mit einem Spitzdach und einer Tür zur Strasse hin. Auch die Werbung wurde den Bedürfnissen angepaßt (der Osten war durch die Grenziehung als Kundschaft weggebrochen und sollte durch norddeutsches Klientel kompensiert werden); statt bisher Thüringer Rostbratwurst steht nun offensichtlich "geistige" Nahrung im Fordergrund mit Zeitschriften wie "HÖR ZU!" sowie Zeitungen "BILD" und "Hamburger Abendblatt" .
Heute finden wir an selber Stelle das griechische Restaurant "Bei Helena"

Exkurs: Der Graphiker Reinhold Priebe (1912 - 1993):

Herbst-Ausstellung

(20. bis 28. Okt. 1946, Plakat, Privatbesitz) 

Als "Freischaffender Maler u. Graphiker" hat Reinhold Priebe in der Brandstraße 29 (laut Gewerbeanmeldung; heutige Brandstr.2) zum 25.3.1946 sein Gewerbe angemeldet. Über ihn ist überliefert, daß er als Graphiker an den Entwürfen für die Plakate zur Olympiade 1972 in München führend beteiligt war und daß er als Kunsterzieher am hiesigen Pädagogium über 20 Jahre gearbeitet hat von 1957 bis 1978 (Frau Schafft-Rebbig, 15.01.2015).

Harzer Alpine Skimeisterschaften

 (o.D., Plakat, Privatbesitz) 


Darüber hinaus fanden und finden sich Spuren im Alltagsleben der Stadt Bad Sachsa, die man mit ihm sicherlich nicht auf den ersten Blick, verbindet. Dazu gehören der Schriftzug der Tanne - dem Logo von Bad Sachsa über viele, viele Jahre, welches in den Bad Sachsaer Nachrichten genauso verwandt wurde wie auf den Werbeplakaten unserer damaligen Kurstadt. 

München Olympiade 1972

(1972, Plakat, Privatbesitz)

 

Seine wohl sichtbarste Spur hat er mit dem Entwurf für den Schmerlbrunnen hinterlassen. Dieser Brunnen erfreut Sachsaer genauso wie Touristen, wenn sie in unserem Stadtpark spazierengehen. 
Er war zuletzt wohnhaft Hohe Bergstraße 5. 



Aber zurück zu Kiosk 9:

Kiosk 9 an der Hindenburgstraße 10, wohl 1956 errichtet (?)

(1960er Jahre, AK: Gerhard Seiert)

Gegenüber des Kiosks der prächtige Fachwerkbau mit typischem Wintergarten in der  Pfaffenwiese 71 (Baumeister vermutlich Otto Kaiser) sowie das "Modehaus Schneider" (Hindenburgstraße 11, heute "Modehaus Bayer") und sehr viel privates Grün!

Hindenburgstraße 10

(1956, AK: Slg. R.Boehm) 


Beworben wurden an diesem Holzbau  in der Kopfzeile "TABAK- und SÜSSWAREN, WÜRSTCHEN" sowie "Coca Cola"; die "Langnese"-Eisfahne seitlich durfte auch nicht fehlen. Desweiteren gab es selbst-verständlich Zeitungen und für die zuhause gebliebenen Ehepartner und Freunde Ansichtskarten. 

Der letzte seiner Art: Kiosk 11

Kiosk 11 an der Hindenburgstraße 9, wohl 1970er

(07.04.2009, Foto, Photograph: Ralph Boehm)

Was macht einen Kiosk aus? Versetzbarkeit? Größe? Angebot? Öffnungszeit? Standort?  Laut Wikipedia ist ein Kiosk heute "im allgemeinen Sprachgebrauch die Bezeichnung für eine kleine Verkaufsstelle in Form eines Häuschens oder einer Bude. Ein Beispiel ist die Trinkhalle. Ursprünglich war ein Kiosk ein nach mehreren Seiten geöffneter, freistehender Pavillon in Park- und Palastanlagen im islamischen Kulturraum". Im betriebswirtschaftlichen Sinne ist ein Kiosk eine "Betriebsform des Einzelhandels", indem "Artikel des kurzfristigen Bedarfs in geringer Sortimentsbreite und -tiefe (z.B. Tabakwaren, Süßigkeiten, Zeitungen" angeboten werden; "häufig kombiniert mit Getränkeausschank oder Eisverkauf). Bevorzugte Standorte sind Plätze mit dichten Passantenströmen, z.B. Bahnhöfe, Marktplätze, Haltestellen, an Ausfallstraßen." (Gabler Wirtschaftslexikon online 07.04.2021). Vielleicht am Besten trifft es die Erklärung im "Klexikon, dem großen Online-Lexikon für Kinder", demnach ist "Ein Kiosk (ist) ein kleiner Laden. Dort werden meist kleinere Dinge verkauft, die nicht so teuer sind. Oft geht es um etwas, das man sofort isst oder trinkt, wie etwa Süßigkeiten. Kioske verkaufen außerdem Zeitungen und Lotterie-Lose. Je nach Gegend sagt man auch Trinkhalle, Wasserhäuschen oder Büdchen. - Der eigentliche Kiosk ist ein kleiner Verkaufsstand, bei dem der Kunde auf der Straße steht. Manchmal ist der Kiosk ein kleines Häuschen, manchmal verkauft der Kiosk-Händler die Waren aus einem Fenster heraus. In einige Kioske kann der Kunde auch hineingehen, das ist dann aber eher schon ein normaler Laden. - Das Wort kommt aus dem türkischen und heißt dort „Köşk“, sprich Köschk." Aber egal, welcher Definition man/frau folgen mag: ein entscheidendes Kriterium ist die Freundlichkeit ihrer Besitzer. Eine Bude mit grantigem Karakter? Nicht vorstellbar!

Hindenburgstraße 9

(03.07.2017, Foto, Photograph: Ralph Boehm) 


 

"Die kleinen Läden sind für viele aber mehr als nur ein Ort für einen schnellen Kaffee oder Bier. <Kioske haben eine emotionale Komponente. Man trifft dort Nachbarn und Freunde und spricht über die Ereignisse in der Nachbarschaft>, betont Dirk Stürmer vom Dortmunder Kioskclub. <Der Kunde wird dort persönlich betreut. Das gibt es in den größeren Supermärkten nicht.>". (https://www.welt.de/regionales/nrw/article181277202/Kiosksterben-in-Deutschland. a.a.O.). Recht hat er!
Ein Paradebeispiel für diesen freundlichen Umgangston sind  Heide und Lutz Kaske, die seit dem 5. November 1984 den "KASKE SHOP" 33 Jahre mit Leben füllten. Dort gab es alles für den täglichen Bedarf, getreu der Gabler`schen Definition (s.o.), und freundliche Worte sowie ein Lächeln gratis obendrauf; und das "auch an Sonn- u. Feiertagen - Wir backen täglich - Frische Brötchen aus dem heißen Ofen" (Werbung am Schaufenster) - und das bis zum 30.11.2017!

Der Kiosk

Der Anfang und das Ende

In Berlin wurden freistehende kioskähnliche Kleingebäude von einem Privatunternehmen als
"bewegliche Trinkhallen" aufgestellt. Diese Holzhäuschen standen nicht mehr unmittelbar auf
der Straße, sondern in den angrenzenden Fußgängerbereichen, auf den Bürgersteigen, am
Rande von Plätzen und in Grünanlagen. Die von dem Berliner Architekten Martin Gropius ent-worfenen Bauten fanden großen Anklang.
Um die Jahrhundertwende gab es nicht nur Mineralwasser, sondern auch Tee, Kaffee, Kautaback, Zigaretten und Zigarren im Angebot. Später kamen überregionale Zeitungen hinzu. (vgl. http://leckmich.it/kiosk.htm)
In der Neuzeit gab man/frau Kiosken nur dann eine Chance, sich gegen Supermärkte und Tankstellen mit deutlich ausgeweiteten Öffnungszeiten zu behaupten, wenn sie "aufrüsten" würden. "Genau solchen Läden sagen die Handelsexperten der Unternehmensberatung Bain & Company eine glänzende Zukunft voraus - wenn sie sich denn zum Minisupermarkt um die Ecke entwickeln. Für die Betreiber der winzigen Fensterbüdchen aber, in denen gerade einmal der Pächter allein ein paar Quadratmeter Platz hat, geht es jetzt ums Überleben. <Die Zahl der Kioske in Deutschland wird sinken, wir bekommen eine Konsolidierung> glaubt Rudolf Pritzel, Partner bei Bain & Co, in 2008 (Hagen Seidel: Trinkhalle und Kiosk sterben aus, auf www.welt.de am 18.08.2008). Er sollte Recht behalten.
In Bad Sachsa kamen allerdings weitere Gründe hinzu; insbesondere die Gesundheitsgesetzgebung des Bundes mit dem
Haushaltsbegleitgesetz 1983 (Einführung der Zuzahlung zur Kur: 10 DM/Tag), dem
Gesundheitsstrukturgesetz 1997 (Budgetierung der Kassenausgaben) sowie dem 
Beitragsentlastungsgesetz 1997 (Verkürzung der Kur von 4 auf 3 Wochen, Verdoppelung der Zuzahlung von 12 auf 25 DM/Westdeutschland sowe 9 auf 20 DM/"Neue Länder"), veranlaßten diverse Träger von Kurheimen, diese zu schließen und zu verkaufen.
Bad Sachsa verlor in den 1990er Jahren mehr als 10 große Häuser
mit jeweils ca. 50 Arbeitskräften (mit Familien ein Aderlaß von rund 1.000 Menschen bei einer Bevölkerung von 9.000 Einwohnern!
Dieser Verlust an Kaufkraft konnte durch die Umstellung der hiesigen Gastgeber und städtischen Bereiche vom Kur- auf den neuzeitlichen Gast noch nicht vollständig kompensiert werden.
Aber Bad Sachsa ist auf einem guten Weg!
Ralph Boehm
2021

Weitere Kiosk-Fotos, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:

Kiosk 2, Hindenburgstr. 5 a

(1913, AK, Slg. R. Boehm A 256)
 

Nächsten Sonntag kommt der Photograph.

Kiosk 2, Hindenburgstr. 5 a

(o.D., Anfang der 1960er, Bernd Klapproth, facebook 12.12.2018)
 

Fa. Freudenreich mit Günther Fünfstück (auf der Leiter) und mein Vater (sagt Bernd Klapproth 2018).

Kiosk 3, Hindenburgstr. 7 c

(o.D., um 1905, Nachlaß Günter König)
 

"Die Kolonnaden" (als wenn es keine anderen in Bad Sachsa gäbe) 

Kiosk 3, Hindenburgstraße 7 c

(1955 oder kurz darauf, Archiv Struttmann) 



Kiosk 3, Hindenburgstr. 7 c

(1956, Slg. R. Boehm)

Noch ahnt der Parkplatz nicht, daß er demnächst dem Café Wendt zum Opfer fallen wird. 

 

Kiosk 3, Hindenburgstraße 7 c

(vor 1955, Photograph: Reinhold Priebe)

 Die Tafel mit Abfahrtzeiten, gestaltet durch den Graphiker und Kunsterzieher am Päda, Reinhold Priebe, wurde frisch angebracht. Über der Tafel sind noch keine Fenster verbaut. (Zu Reinhold Priebe siehe auch bei Kiosk 10)

Kiosk 3, Hindenburgstraße 7 c

(Ende der 1960er, Foto: Klaus Petersen) 



Kiosk 3, Hindenburgstr. 7 c

(22.02.2018, Photograph: Horst Möller)

 

Kiosk 6, Hindenburgstr. 7 a 

(1950er, Photograph: Willi Müller) 

Kiosk 6, Hindenburgstr. 7 a

(kurz vor 1956, Photograph: Willi Müller) 

 

Kiosk 6, Hindenburgstr. 7 a 

(1956, Photograph: Willi Müller) 


Der Umbau beginnt mit dem hinteren Teil.

Hindenburgstraße mit Kiosk 6

(1937, Foto, Slg. R. Boehm 3199) 

Steht Herr Piper vor seinem Kiosk?

 Hindenburgstraße,

Links die Kolonnaden (Kiosk 3), mittig hinter der Litfaßsäule Piper (Kiosk 6). rechtsseitig die Dächer vom Kino und den Kiosken 5, 2 und 4.  (v.l.n.r.) 

(vor 1956, Foto, Herbert Lemmer auf facebook 23.12.2018) 


Der Kiosk 10 hat dem Fortschritt, Glas und Stein weichen müssen; die guten Frikadellen gab es nachwievor bei Erna und Wilfried Zaulig!

Hindenburgstraße, Kiosk 3, 6, 2 und 4


(1967/1968 vermutlich, Nachlaß Kurbetrieb, Repro: Anja Danneberg)

Vieles spricht dafür, daß diese winterliche Szenerie vom Photographen Struttmann angefertigt worden ist  

 

Kiosk 6, Hindenburgstr. 7 a 

(1956, Photograph: Willi Müller)

Der Umbau ist abgeschlossen.

Kiosk 6, Hindenburgstr. 7 a 

(30.04.1974, Harz Kurier) 


25 Jahre Helmut Graf. Teil 1. 

 

Kiosk 6, Hindenburgstr. 7 a 

(30.04.1974, Harz Kurier) 


25 Jahre Helmut Graf. Teil 2. 

 Hindenburgstr. 7 c

(30.04.1974, Harz Kurier) 


Der Kiosk 10 hat dem Fortschritt, Glas und Stein weichen müssen; die guten Frikadellen gab es nachwievor bei Erna und Wilfried Zaulig! 

Hindenburgstr.ssssss

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