Marktstraße 66 (alte Nr. 76)

Texte: Gerlinde Kurz / Sabine Klapper --- Fotos: Familienarchiv Kurz

Sachsa, den 5 September 1881

"Gesuch des Klempnermeister August Wagener um Ertheilung eines Bauconsenses

 

Erlaube mir Wohllöblichen Magistrat die ergebene Anzeige zu machen, daß ich auf meinem Grundstücke zu meinem Bedarf eine Werkstele erbauen will die Größe und Dimensionen sind aus anliegender Zeichnung und Situationplan ersichtlich.

Die Werkstell soll massiv aus Bruchstein Kalkmörtel erbaut und das Dach soll mit Zink überdeckt werden

Und bitte Wohllöblichen Magistrat um gütige Ertheilung des Baucenseses.

Hochachtungsvoll Aug. Wagener"

August und Auguste Wagener

August Wagener war aus Weißenborn im Eichsfeld nach Sachsa gekommen, um sich hier eine Existenz als Klempnermeister aufzubauen. Er hatte einiges Geschick und vermutlich auch eine Marktlücke entdeckt, denn dem Handwerksbetrieb gliederte er ein Haushaltswarengeschäft an.

1882

Am 22. Mai 1882 erhielt August Wagner die Erlaubnis von der Stadt Sachsa, im Hause Markstraße 66 einen Laden bauen zu dürfen, um seine Waren feilbieten zu können. Vornehmlich vertrieb er Geschirr, aber auch Petroleumlampen und das Petroleum dafür. Schließlich machte er sich auch den Reinheitstrieb der Bevölkerung zunutze und verlieh Zink-Badewannen.

Wageners Geschäft florierte, denn er ließ den Laden mit einem Holzfußboden auslegen, was seinerzeit fortschrittlich war und das ständige Sandstreuen auf den Fußboden erübrigte.
Ab 1907 kam noch eine 6 x 2 m große Holz-Wäschemangel im Schuppen dazu, die über so manch schwere Zeit hinweghalf. Ein Korb Wäsche kostete damals zwischen 40 und 50 Pfennig.

Foto ca. 1954
Willi und Minna Schmidt (Scherwenminna)

Da das Ehepaar Wagener kinderlos war, nahmen sie die kleine Minna Nicolai an, deren Mutter gestorben war.

 

Minna und ihr Mann Willi Schmidt führten den Laden ab 1925. Der Sanitärbedarf wich im Laufe der Jahre Haus- und Küchengeräten.

Foto 1964


1967 wurde der Laden auf Gerlinde und Peppi Kurz übertragen, die in den folgenden Jahren „aus einem kleinen Wohnzimmer ein großes Geschäft“ machten. Das Sortiment wurde um Markenporzellan, Geschenke und einen Schlüsseldienst erweitert.

Foto 1987

Im Jahre 2004 übertrugen Gerlinde und Peppi Kurz das Geschäft an neue Inhaber, um in den Unruhestand zu gehen. In 37 Jahren wurden bei Kurz unter anderem 14 Lehrlinge ausgebildet und 21 Verkäuferinnen sowie 5 Büroangestellte beschäftigt. Allein das Stammpersonal zählte 6 Angestellte, die bis zu 20 Jahre dort beschäftigt waren.
2007 wurde das 1881 gegründete Geschäft für immer geschlossen. In einem Teil der Räume befindet sich heute ein Wäschegeschäft.

Aus der Festschrift zum 100jährigen Geschäftsjubiläum...

Das von August Wagener gegründete Geschäft bestand 125 Jahre und ist vielen Sachsaern in guter Erinnerung.