Villa Uthemann, auch bekannt als "Lohoff'sche Villa"

Blücherstraße 4

Villa Uthemann, Baujahr 1900

(1904, AK: Slg. R. Boehm 889)

Franz Uthemann, ein Kaufmann, der aus einer reichen St. Petersburger Familie stammte, erbaute die Villa als Sommerresidenz. Sein eigentlicher Wohnsitz war in Wiesbaden

Die Dame des Hauses nahm in den Sommermonaten an der über die Grenzen hinaus bekannten Luft- und Migränetherapie im ca. 15 Gehminuten entfernten Kuckanstal am Fuße des Ravensberges teil. 

Teepavillon

(1991, Foto: Helmut Werner Degenhardt, Slg. R. Boehm)

Der Teepavillon im Hotelpark stammt von der Pariser Weltausstellung 1900. Er wurde von dem Erbauer der Villa, Franz Uthemann als Geburtstagsge-schenk für seine Frau ersteigert und im Garten der Villa aufgestellt.

Die Villa erstrahlt in alter Pracht

(Foto: Hotel Romantischer Winkel)

Heute befindet sich das Gebäude im Besitz der Familie Oelkers und ist an den Hotel-Komplex angeschlossen.

Grüner Salon

(Foto: Hotel Romantischer Winkel)

Von 1945 bis 1951 wohnte der Komponist und Musiker Norbert Arnold Wilhelm Richard Schultze mit seiner Frau dort, wo sich heute der Grüne und der Rote Salon befinden. Seine bekanntesten Werke sind die Melodien zu „Lilli Marlen“ und „Bomben auf Engeland“ sowie die Filmmusik zu „Die Mädels vom Immenhof“. 

Komponist Norbert Schultze

Foto: HarzKurier / Struttmann

Lt. Wikipedia arbeitete Schultze während der Zeit des Nationalsozialismus im Auftrag des Propagandaministers Joseph Goebbels. Im Rahmen der Entnazifizierung wurde er als Mitläufer eingestuft. Die GEMA-Gebühren seiner zwischen 1933-1945 entstandenen Werke sollen bis heute, wie in seinem Testament verfügt, dem Deutschen Roten Kreuz zufließen. Vgl. Wikipedia „Norbert Schultze“.

Die Kapelle

(Foto: Hotel Romantischer Winkel)

Diese beiden Kirchenfenster von 1901 und 1903 stammen aus der Bad Sachsaer Nikolaikirche und waren dieser ursprünglich von Willbrandt Rothert, dem Gründer des Internatsgymnasiums Pädagogium zur Konfirmation seiner Töchter gestiftet worden.

Villa Uthemann

Franz Uthemann, der sein Vermögen in St. Petersburg gemachte hatte, brachte von dort Handwerker mit, die auf dem Dach dieser und zahlreichen anderen Villen in Bad Sachsa in Form von Türmchen ihre Spuren hinterließen. 

 

Als das Ehepaar Uthemann kinderlos verstarb, erwarb das Sachsaer Kleiderbügel-Fabrikanten-Ehepaar Emil Lohhoff die Villa. 

Im Jahre 1938 wohnte der Chef-Gynäkologe des Kreiskrankenhauses in Nordhausen in der Villa und richtete für Patientinnnen aus Bad Sachsa einen Entbindungsraum ein. So kommt es, dass einige Bad Sachsaerinnen unter diesem Dach geboren wurden.

 

Nach Kriegsende bot die Lohoff‘sche Villa über 50 Kriegsflüchtlingen Obdach. 

 

Die aus dem Jahr 1900 stammende Bleiverglasung im Flur der 1. Etage konnte nach Originalplänen der Firma „Ferdinand Müller“ von dessen Urenkel, der die Quedlinburger Firma heute betreibt, restauriert werden.

Die denkmalgerechte Restaurierung der maroden Villa, die sich heute im Besitz der Familie Oelkers befindet und an den Hotel-Komplex angeschlossen ist, verschlang fast 5 Mio. DM.

Vgl. Chronik der Villa Vida (heutiger Name) der Familie Oelkers / Hotel Romantischer Winkel