Villa Pahlke / Die "amerikanische Villa"

Waldsaumweg 20

1905 erbaut

(1920er, Foto: Slg. P. Beyermann).

Die Villa von Herrn Wagner, noch vor dem Umbau durch Albin Müller.

1929-1930 erheblich erweitert

(1950er, Foto: Slg. R. Boehm)

Haus Westfalen, Müttergenesungsheim

Die Initialen des Bauherren "MP" im Giebel stehen für Max Pahlke.

(AK: Slg. R. Boehm)

Vom Erbauer selbst nur wenige Wochen genutzt...

Mit der „Amerikanischen Villa“ sind die Namen von Max Pahlke, Albinmüller und Joseph Gremm verbunden. Der erste war Bauherr, der zweite der entwerfende Künstler und Architekt und der dritte der mit vielen Freiheiten ausgestattete ausführende Baumeister. Dies allerdings geschah erst 1929 auf 1930. 

Zunächst war 1905 die Firma Kälz am Zuge und errichtete für den Berliner Baumeister Eduard Wegener eine Villa, die auch heute noch den Kern des erheblich erweiterten Gebäudes bildet. Dessen Ära begann, als der Generaldirektor der Firma Mannesmann für Südamerika, Max Pahlke, sich die Villa zu seinem Altersruhesitz umbauen ließ. Hierfür engagierte er den herausragenden Jugendstil-Architekten Albinmüller aus Darmstadt. Dieser lebte von 1871 bis 1941 und war zeitweise Leiter der berühmten Darmstädter Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe, die sich, von Großherzog Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt ins Leben gerufen, zu einem Mekka des Jugendstils entwickelte, welches mit weiteren berühmten Namen wir Josef Maria Olbrich oder Bernhard Hoetger verbunden ist. Albinmüller stand für den ganzheitlichen Ansatz, d.h. seine Hausentwürfe sind von der Fassade über die Fenster, die Treppenhäuser bis hin zur Wandvertäfelung und dem Mobiliar durchkonstruiert. Alles passt zueinander. Einer seiner Schüler war Joseph Gremm (1905 – 1966), der sich später in Bad Sachsa niederließ und ein Baugeschäft (später Gremm & Niemerg) gründete. Viele Details der „Villa Pahlke“, die ob des amerikanischen Betätigungsfeldes des Eigentümers wohl diesen Namen bekam, sind nicht mehr auf Albinmüller, sondern ihn zurückzuführen. Pahlke selbst nutzte das Gebäude nur wenige Wochen, seine Familie deutlich öfter. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte Pahlke nicht mehr nach Bad Sachsa zurück, sondern blieb in Argentinien. Die englischen Besatzungstruppen nutzen das Haus als Offizierskasino. Pahlke überschrieb es, seiner sozialen Grundhaltung entsprechend, Anfang der fünfziger Jahre der Arbeiterwohlfahrt („Haus Westfalen“). 
Der Niedergang des Kurwesens führte 2000 zu einem Verkaufsversuch, welcher fehlschlug, aber diverse Schäden am Haus und einige schmerzliche Verluste, darunter das Gemälde „Das Kreuz im Gebirge“ (eine Kopie nach Caspar David Friedrich, speziell zur Vertäfelung angefertigt), hinterließ. Von 2004-2019 nutzte die AWO das Haus und seine An- und Erweiterungsbauten wieder selbst und stellt es für Tagungen und andere Zwecke zur Verfügung. 

 

Auf der Talseite des Waldsaumweges befinden sich ein Teil des ehemaligen Parks der Villa und mitten darin ein gleichfalls von Albinmüller konzipierter, leider in die Jahre gekommener „Märchenbrunnen“. 

 

Mancher mag mit dem Jugendstil andere Vorstellungen verbinden. Tatsächlich hat er viele unterschiedliche Ausprägungen, und das Bad Sachsaer Ensemble zählt, dies sei nicht übersehen, zu den späten Schöpfungen Albinmüllers, der im Harz noch, wesentlich früher und daher vielleicht auch „typischer“, das Sanatorium Dr. Barner in Braunlage entworfen hat. Auch dieses höchst interessante Bauwerk ist uns erhalten geblieben, während auf der Mathildenhöhe in Darmstadt vieles den Bomben des Zweiten Weltkrieges zum Opfer gefallen ist.

Josef "Jupp" Gremm (im Auftrag von Prof. Albin Müller) und Direktor Max Pahlke plahnen Großes.
(1930, Foto: Slg. M. Wedler)

Josef "Jupp" Gremm begründet mit diesem Umbau in 1929/1930 das Baugeschäft, welches sein Schwiegersohn August Niemerg später als Gremm & Niemerg in das 21. Jahrhundert überführt. (1930, Foto: Slg. M. Wedler).

Meine Arbeit ist meine Leidenschaft und ein positiver Antrieb für jeden Tag. Sie bringt mich dazu, an jeder neuen Herausforderung zu wachsen und so neue Ziele zu erreichen. (1930, Foto: Slg. M. Wedler).

Aus dem bisherigen Grundstück Erbhai 2 wird zukünftig Waldsaumweg 20. (1928, Brief von Prof. Albinmüller an den Magistrat der Stadt Bad Sachsa, Strassen und Wegebau, StABS I,18,2).