Wohnhaus - Töchterschule - Privatvilla - Rathaus - Museum...?

Luis Deibel

(Foto: Nachlaß "Deibel", StABS bisher ohne Nr.) 

Der heutige Stadtpark

(1908, AK: Slg. R. Boehm 1027)

Villa Nora (seit 1929 Rathaus) mit Palmenhaus

Bismarckstraße 1 und Schulstraße 2

Villa Nora

Bismarckstr. 1; Baujahr: 1885/1886
(1939, AK: Slg. R. Boehm 2248)

Der Rentier Conventes erbaut sich 1885/1886, "am Rande der Stadt" ein für damalige Verhältnisse großzügiges Haus; das äußere Erscheinungsbild ist allerdings noch recht bescheiden.
In den Folgejahren wird es zeitweilig als Mädchenpensionat geführt.
Bereits 1900 hatte sich in Sankt Petersburg im fernen Russland der millionenschwere Holzindustrielle Louis Deibel mit seiner Familie auf den weiten Weg nach Deutschland begeben, da seine junge Frau das russische Klima nicht vertrug; Elisabeth, geb. von Fleckinger, war an den Bronchien schwer erkrankt und der konsultierte Arzt hatte Sachsa als den geeignetsten Ort für sie empfohlen.

Villa Nora

Baujahr: 1885/1886                                     (1930 oder 1931, Foto: Slg. R. Boehm)

Man kam gerade zur rechten Zeit, um die Villa des Ziegeleibesitzers Conventes erwerben zu können. Der ebenfalls vermögende Schwiegervater (Besitzer einer Brauerei in Bayern) ließ es sich nicht nehmen, das zukünftige Haus zu bezahlen.
Um das Gebäude seinen gesellschaftlichen Ansprüchen anzupassen, ließ Deibel es zunächst durch die besten Kunst- und Handwerker im nordischen Stil umbauen und ergänzte es um eine Parkanlage (dem heutigen Stadtpark) mit Palmenhaus. Während der sechs Jahre dauernden Renovierung und Umgestaltung logierte die Familie im Hotel Schützenhaus (heute Vitalhotel Schützenhaus) und ging zum Essen regelmäßig auch in das Hotel Schröder (heute Schützenstraße 20).


Zur Hochzeit der Tochter Nora am 18.08.1910 wurde das Essen aus dem Berliner Hotel Adlon (sic!) nach Bad Sachsa gebracht...

(1910, Foto: Slg. R. Boehm)
Es soll an nichts gefehlt haben zur Hochzeit von Nora Deibel mit ihrem Gatten Ostermann.

Die Wirtschaftskrise der 1920er Jahre und die kaufmännisch ungeschickte Hand des Schwiegersohnes ließen Deibel die nach seiner Tochter Nora benannte Villa 1929 an die Stadt Bad Sachsa verkaufen, die es seit dem als Rathaus nutzt.
Deibel starb 1933 in bescheidenen Verhältnissen und wurde posthum zum Ehrenbürger der Stadt ernannt, eine Ehre die lediglich vier Sachsaer Bürgern zuteil wurde.

Reich und Arm...

Die Aktivitäten von Louis Deibel und seinem Schwiegersohn Ostermann im Südharz


L. DEIBEL & Co.
(1907, Tonindustrie-Zeitung, S. 1371)

Ob Louis Deibel bereits zwischen 1900 und 1906 unternehmerisch im Südharz aktiv war, kann ich bisher nicht belegen; den bisher ältesten Hinweis ist der Veröffentlichung des Kaufs der "Dampfziegelei und Falzziegelei C. Clüsener" in Nordhausen im Jahre 1907 in der Tonindustrie-Zeitung zu verdanken.
Folgendes Zitat möchte ich Ihnen, auch wenn es der zuvor genannten Veröffentlichung teilweise widerspricht, nicht vorenthalten: "Die Wurzeln des Ziegelwerks können bis in das 19. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Um 1850 gründete Fritz Teichmüller eine Handstrichziegelei, die im Jahre 1881 von Carl Clüsener übernommen und mechanisiert worden ist.
Über den 1. Weltkrieg wurde die Ziegelei stillgelegt, und danach von Bruno Döring (Jahrgang 1850) gekauft. Es entstand die „Dampfziegelei und Dachziegelfabrik Bruno Döring“, die sich als erste mit der Herstellung von Falzziegel befasste und Inhaberin des diesbezüglichen Reichspatents war.
... (daraus ist hervorgegangen) ... das Ziegelwerk Paul Döring an der Stolberger Str. (heutiges Ziegelwerk Nordhausen Dipl.-Ing. Sourell GmbH)".
(Homepage des "Ziegelwerk Nordhausen, Dipl.-Ing. Sourell GmbH")

L. DEIBEL & Co.
(1909, Rechnung: Slg. R. Boehm)


Diese Rechnung an die Kirchenkasse Kl. Werther verrät die Aktivitäten der/des "Dampfziegelei, Falzziegelfabrik und Baumaterialien-Lager" in der "Stolbergstrasse No. 45" und eine "Ersatz-Schwemmstein-Fabrik und (ein weiteres) Baumaterialien-Lager" in der "Casselerstrasse" in Nordhausen.

Reich und Arm...

Die Aktivitäten von Louis Deibel und seinem Schwiegersohn Ostermann im Südharz


L. DEIBEL & Co.
(1910, Rechnung: Slg. R. Boehm)

Dem Briefkopf dieser Rechnung an den Tischlermeister Heinrich Domeyer in Walkenried (über u.a. 14 Türen...) ist zu entnehmen, dass die Fabrik ihren Standort in der "Kasseler Strasse" hat und über Gleisanschluss an die Staatsbahn verfügt. Die unternehmerische Tätigkeit wird nunmehr beschrieben mit "Kunstleichtsteinfabrik und Baumaterialien en gros"; darüber hinaus verdient die Firma über den "Import und Lager schwedischer Zimmertüren nebst Zubehör'". Außerdem besitzt man eine "General-Vertretung in Modell-, Stuck- und Estrich-'Gips sowie sämtlichen Sorten Gipsdielen der Firma Euling & Mack, A.-G. Gips- und Gipsdielenfabriken Ellrich a. H."  

L. DEIBEL & Co.
(1924, Werbung in einem Buch: Quelle leider unbekannt)

Weg vom Jugendstil - hin zur Neuen Sachlichkeit:  einfacher und dadurch klarer zeigt diese Anzeige, was man über diese Nordhäuser Firma beziehen kann.


L. DEIBEL & Co.
(1933, Rechnung: Slg. R. Boehm)


In Nordhausen betrieb der eifrige Lous Deibel u.a. die/das "Dampfziegelei, Falzziegelfabrik und Baumaterialien-Lager" in der "Stolbergstrasse No. 45" und eine "Ersatz-Schwemmstein-Fabrik und (ein weiteres) Baumaterialien-Lager" in der "Casselerstrasse", wie uns der Briefkopf dieser Rechnung an die Kirchenkasse Kl. Werther verrät.

EULING & MACK

(1913, Aktie: Historisches Wertpapierhaus AG, 85604 Zorneding, 4. Auktion für Historische Wertpapiere, 2004, Los 634)


Als Aufsichtsrat (und vermutlich Geldgeber wie auch Firmenmitgründer) zeichnet unser umtriebiger Louis Deibel bei dieser Aktiengesellschaft. "Die Firma wurde 1905 gegründet. Dabei übernahm sie die Vereinigten Gipswerke Ellrich GmbH sowie die Firma Mack's Gips- und Gipsdielenfabrik GmbH in Ludwigsburg. In den Folgejahren wurde weiter aggressiv zugekauft, so dass die Gesellschaft über ihre Verkaufsbüros bald 80 Prozent der Gipsindustrie in Nord- und Mitteldeutschland beherrschte.
Von dieser Aktie, die Auflage betrug 250 Stück, sind nur dieses mit der Nummer 1230 (s.o.) und ein weiteres mit der Nummer 1229 im Handel vorgekommen (vgl. Hanseatisches Sammlerkontor für historische Wertpapiere, Auktion XXI, Los 967)

EULING & MACK

(1923, Aktie: Michael Reinboth, "Walkenried 1923 – Unser Klosterort vor 90 Jahren", in Walkenrieder Nachrichten, 18.03.2013)


Bei dieser Aktie, 10 Jahre später ausgegeben, zeichnen dieselben Aufsichtsrat- und Vorstandsmitglieder.

"Das Gipswerk in Ellrich feiert an diesem Wochenende (2019) seinen 150. Geburtstag. 1869 gründete Friedrich Euling dort die „Vereinigte Gipswerke Ellrich am Harz GmbH“. Nach Erschließung der Rohstoffbasis wurde dort das erste deutsche Gipswerk errichtet, das seither – in unterschiedlicher Eigentümerschaft - hochwertige Gipsprodukte produziert."
Der "Bau des ersten deutschen Gipswerkes mit einer jährlichen Produktion von 1000 Waggons" wird 1890 getätigt.
1945 erfolgt die Enteignung der Euling & Mack AG; die Werksanlagen werden demontiert und das Werk in Volkseigentum überführt. (vgl. "150 Jahre Gipswerk in Ellrich", 25.06.2019)

 

Vermutlich gehörte die in Rotthausen (heute Teil von Gelsenkirchen) ansässige Zementwarenfabrik Ostermann & Co. und die "Villa Ostermann" zum Familienbesitz des Hüttendirektors Heinrich Ostermann.

Durch die Heirat (vermutlich) dessen Sohnes Dr. Heinrich Ostermann mit Nora Deibel  kam diese Familie nach Bad Sachsa und wurde in die unternehmerischen Aktivitäten des Louis Deibel eingebunden. So arbeitete Hüttendirektor a.D. Heinrich Ostermann, ebenso wie Louis Deibel in Gelsenkirchen geboren, bis zu seinem Tode 1921 in Deibels Firma "Sachsawerke - Ostermann & Co." in der heutigen Bahnhofstraße 56 A (?) oder 57.  


ALWIN TEICHMÜLLER

(o.D., Reklamemarke: www.veikkos-archiv, 04. März 2010)


Die "Mechanische Weberei" von Alwin Teichmann stellte seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts Zelte, Planen und Decken in Ellrich her. (vgl. hierzu die geschichtlichen Aufzeichnungen der Freiwilligen Feuerwehr Ellrich auf ihrer Homepage, abgerufen 10.12.2021):  

  • "22. April 1888 – früh gegen 4.00 Uhr bricht im Spulsaal der erst kürzlich errichteten mechanischen Weberei von Alwin Teichmüller ein Brand aus, der Bahnhofswächter Marquard, der den Brand bemerkt, alarmiert den Bahnhofsvorsteher, der mit der Stations- Feuerspritze herbeieilt und den bereits um sich greifenden Brand löscht."



SACHSAWERKE G.M.B.H.

(o.D., Reklamemarke: www.veikkos-archiv, 04. März 2010)


Die Mechanische Weberei  von Alwin Teichmüller geht über an (seinen Sohn?) Ferdinand Teichmüller, der laut einer Rechnung diese Firma in Ellrich und St. Andreasberg zumindest noch in 1908 betreibt (siehe www.picclick.de, 10.12.2021).
Der oben gezeigten Reklamemarke ist zu entnehmen, dass der "Textilbetrieb - vorm. Ferd. Teichmüller, Ellrich am Harz" nunmehr den Eigner und Namen gewechselt hat: es taucht erstmals auf die Firmierung "SACHSAWERKE G.M.B.H."

Sachsawerke - Ostermann & Co.

(Wintersport- + Heimatmuseum Bad Sachsa)


Während viele Firmen im I. Weltkrieg ihre Produktion zurückfahren mussten, konnten die Sachsawerke durch Anpassung an die Bedürfnisse an Lederwaren für Pferde und Soldaten diese Zeit gut überstehen. Ein Beispiel hierfür ist das oben gezeigt Spatenholster der "SATTEL & LEDERWARENFABR BAD SACHSA".

Die "Sachsawerke" firmierten unterschiedlich (u.a. 1916: "Sachsaer Sattel- u. Lederwarenfabrik G.m.b.H." mit Verkaufs-Büro in der Lützowstrasse 105 in Berlin W, 35; StABS 1.22.4. Heft 1), "Sachsawerke G.m.b.H., Fabriken für Leder-, Textil- und Holzbearbeitung" (StABS) und hatten diverse "Abteilungen"; bisher sind namentlich bekannt "SACHSAWERKE, OSTERMANN & Co., Abteilung.: SCHUHFABRIK" (stellte den Betrieb 27.10.1923 ein, StABS 1.41.11.3) und die "Sachsawerke, Ostermann & Co., Abteilung HOLZWARENFABRIK" (u.a. 1924, StABS 1.43.6 Heft 1)

Sachsawerke G.m.b.H
Leder-, Textil- und Holzbearbeitung
15. April 1918, StABS)


Hier wird das Gelände an der Bahnhofstrasse dargestellt. (damals wohl die Nummern 33/34).



SACHSAWERKE G.M.B.H.
(o.D., Reklamemarke: www.veikkos-archiv, 04. März 2010)


In Arbeit

EULING & MACK

(1923, Aktie: Michael Reinboth, "Walkenried 1923 – Unser Klosterort vor 90 Jahren", in Walkenrieder Nachrichten, 18.03.2013)


Von der Fabrikantenvilla zum Rathaus

Das heutige Rathaus ist eines der bemerkenswertesten Gebäude der Stadt, welches seine Entstehung dem Ruf Sachsas als Kurort mit guter Luft verdankt. Untrennbar verbunden mit dem Gebäude ist einer der größten Wohltäter der Stadt Bad Sachsa, der Unternehmer Louis Deibel.

 

Dass er einmal diese Rolle in Bad Sachsa spielen sollte, war Louis Deibel nicht in die Wiege gelegt worden. Diese stand inmitten des sich formenden Ruhrgebiets in Gelsenkirchen, wo er 1856 als Sohn eines Architekten geboren wurde. Seiner kränkelnden Frau wegen wurde ihm um die Jahrhundertwende in St. Petersburg, wohin es ihn schon in jungen Jahren verschlug und wo er mit Holzhandel reich wurde, ein Umzug nach Sachsa empfohlen. Sein Schwiegervater, der bayerische Bierfabrikant von Fleckinger aus München, erwarb 1901 für ihn das seit 1892 leer stehende Haus und Grundstück des Ziegeleibesitzers Carl Conventes. Das Haus ließ Deibel für sich und seine Familie bis 1905 zur nach seiner Tochter so benannten „Villa Nora“ umbauen (in der Zwischenzeit wohnte er im „Badehaus“ und dinierte im Hotel Schröder) und ergänzte diese 1906 durch die Anlage eines Parks, das hölzerne „Teehäuschen“ und das „Palmenhaus“, welches an der Stelle einer Mühle entstand. Der Umbau des Hauses zu einer Jugendstilvilla stand unter der Leitung der Architekten Fastje und Schaumann aus Hannover. Bis heute haben sich die Schnitzereien (außen wie innen), Bleiverglasungen und Ledertapeten in diesem äußerst sehenswerten, denkmalgeschützten Gebäude erhalten. Ein ausstattungstechnisches Juwel stellt der heute noch als Sitzungssaal genutzte frühere große Saal im Erdgeschoss dar. Bemerkenswert ist auch das hölzerne Eingangstor an der Bismarckstraße, und auch die 1906 fertig gestellte Mauer, die bis heute Teile des Grundstücks umzieht, sei nicht vergessen.   

 

Um Deibel, der über Verbindungen bis ins Kaiserhaus verfügte und oft „hohen Besuch“ empfing, und seine Familie (zeitweise samt russischem Kindermädchen) entfaltete sich ein reges gesellschaftliches Leben. Der Unterhalt beider Häuser und des Parks erforderte aber auch viel Personal. Geld war – noch – vorhanden: Zur Hochzeit der Tochter wurde, wie man in Bad Sachsa erzählt, das Essen aus dem Hotel Adlon in Berlin herbeigeschafft… Deibel kaufte eine Ziegelei in Nordhausen, brachte Kapital in die hiesige Gipsindustrie ein, erwies sich in vielfältiger Weise als Wohltäter für die Stadt und ihre Bürger, engagierte sich auch kommunalpolitisch und wurde 1929 zum „Stadtältesten“) ernannt. Mit der Wohltäterschaft war es freilich schon 1928 vorbei, denn sein Unternehmen geriet in einen von ihm selbst nicht verschuldeten Konkurs. Er musste die „Villa Nora“ mit Palmenhaus und Park an die Stadt verkaufen, die es seit 1929 als Rathaus nutzt, während im Palmenhaus später das Bauamt und das städtische Forstamt residierten. Aus dem Park der Villa wurde der Stadtpark. Der Heimatbrunnen mit dem „Urschmerl“ wurde hier erst 1962 errichtet.

   

Louis Deibel blieb in Bad Sachsa, wohnte zuletzt allerdings in sehr bescheidenen Verhältnissen in der Ringstraße, wo er 1933 auch verstarb. Die Stadt machte ihn 1933 posthum zum Ehrenbürger und ehrte ihn darüber hinaus 1936 mit einem Gedenkstein im von ihm angelegten Stadtpark.

Der Architekt Albin Müller, genannt Albinmüller, und das Rathaus

08.04.1929, Brief an die Stadt Bad Sachsa von "Albinmüller" ("Ankauf und Einrichtung des neuen Rathauses", StABS I,17,4 vol. 2).

Der Jugendstil-Architekt Prof. Albin Müller (sign. "Albinmüller") plante um 1929 einen Anbau, der aber nicht zur Ausführung gelangte.

Ein Haus für die Palmen und den Gärtner...

Schulstraße 2

Plan zum Gärtnerhaus für Herrn Deibel Bad Sachsa

(1906, Bauamt der Stadt Bad Sachsa) 

ENTWURF: An der Stelle des 1906 erbauten Palmenhauses stand zuvor eine Mühle (gennant die Pabstsche oder auch Williges Mühle), die die Schulstraße verengte (mit dem Gebäude gegenüber, heutige Schulstraße 3, war dies um 1500 ein Ausgang aus der Stadt ohne Stadttor hin zur Wiese "auf der Gemeinde") und somit den aufstrebenden Tourismus und Autoverkehr um 1900 behinderte. Deshalb war der Rat hocherfreut, dass der millionenschwere Besitzer der Villa Deibel diese Mühle hinzukaufte, abreißen ließ und auf kleinerem Grundstück ein Winterquartier für seine wertvollen Pflanzen, insbesondere Palmen, errichten ließ, welches gleichzeitig als Wohnhaus für den Gärtner diente.
Park- und südseitig war die Fassade über zwei Stockwerke berglast, um im Winter genügend Raum und Licht für die im Sommer in großen Kübeln im Garten (heute Stadtpark) stehenden Palmen aufnehemen zu können. Noch bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts lief das Mühlrad, welches Deibel ehedem zur Stromerzeugung für die Heizung seiner empfindlichen Pflanzen einbauen ließ.

Plan zum Gärtnerhaus für Herrn Deibel Bad Sachsa

(1906, Bauamt der Stadt Bad Sachsa) 


Nachdem Louis Deibel sich 1929 von seinen Gebäuden und dem Stadtpark trennen mußte, er verkaufte seinen Besitz an die Stadt Bad Sachsa, diente dieses Gebäude u.a. den Nazis, die seit 1933 die Kreisleitung Südharz der N..S.D.A.P. im Adolf Hitler-Haus in der dann sogenannten Adolf Hitler Straße hierein setzten.
Nach dem Kriege diente das Haus über viele Jahre der Polizei (in dieser Zeit mussten das Mühlrad wie auch Teile der Stadtparkmauer einem Garagenbau weichen); später wurde es städtischer seits für das Forstamt sowie Ordnungsamt der Stadt Bad Sachsa genutzt, die im Mai 2017 in das ehemalige Postgebäude umzogen. Seit dem wartet dieses Haus wieder auf bessere Zeiten!

Schulstraße 2: Das Palmenhaus

(1921, Ölgemälde: Wintersport- + Heimatmuseum Bad Sachsa) 

Gut erkennbar ist die Verglasung über zwei Etagen sowohl an der Nord- wie auch der Ostseite des Gebäudes. So hatten die Palmen auch im Winter ausreichend Licht.
Unser Museum verdankt dieses Ölgemälde Susanne Schmidt-Escke (bekannt als Suse Schmidt-Eschke), die von ca. 1890 bis 1930 nachgewiesen werden kann. (Paul Pfister: Monogrammlexikon 2, Walter de Gruyer, 1995). Aus den Archivalien unserer Stadt Bad Sachsa geht hervor, daß sie als "Sprachlehrerin für Französisch und Englisch" an dem Töchterheim MARIA ERIKA, Waldsaumweg 15, vom Februar 1917 bis mindestens 1921 beschäftigt war. Zur Vorbildung heißt es: "gepr. in Dresden, Franz. Engl. Zeichen" (sic!). Einem Schreiben der Stadt Bad Sachsa an den Regierungspräsi-denten in Erfurt scheint dieser nicht recht geglaubt zu haben; er erwiderte: "Bezüglich der Befähigung der Genannten zum Unterricht in Zeichnen, Malen und Schnitzen sind die nötigen Nachweise bis zum 1. Juni d. Js. zu erbringen.". Man antwortete ihm: "Anliegend überreichen wir eine schriftliche Erklärung der Lehrerin Schmidt-Eschke nebst einer begl. Abschrift eines Zeugnisses... weitere Nachweise auch zur Verfügung stehen. Fräulein Schmidt-Eschke hat als Malerin bereits auf größeren Ausstellungen mit Erfolg ausgestellt und Auszeichnungen erhalten. Sie ist bereit, Arbeiten oder Skizzen zur Einsicht vorzulegen.". Das scheint dem Regierungspräsidenten dann genügt zu haben. (AStBS 1,26,2 Privatschulen).

 

Was für den Kaiser gut genug ist, kann für den Gärtner nicht schlecht sein....
Das Palmenhaus wurde nach dem Vorbild des 1898 errichteten Kaiserbahnhofes in Joachimsthal errichtet, der mit seinem nordischen Jugendstil bestens zur Villa Nora paßte. 

Zwei sehr ähnliche Gebäude - vermutlich zeichneten die selben Architekten verantwortlich! Oder war es nur eine Inspiration? oder ein Wunsch von Louis Deibel? Auffallend sind Ähnlichkeiten bei u.a. bei Dacheindeckung, Holzverkleidung, Fachwerk, Fenstergestaltung bis hin zu den Verzierungen mit nordischen Mythen. Eine genauere Untersuchung bietet sich an!

Palmenhaus, Schulstr. 2 in Bad Sachsa
"Plan zum Gärtnerwohnhaus für Herrn Deibel Bad Sachsa." gezeichnet von den Architekten Fastje & Schaumann 1906. (Bauamt Bad Sachsa)

Bahnhof Werbellinsee, 16247 Joachimsthal.
Im Volksmund genannt der Kaiserbahnhof Joachimsthal: Seit 1898 kam der letzte deutsche Kaiser, Wilhelm ll., mindestens einmal jährlich zum Jagdaufenthalt in die Schorfheide. Der Kaiserbahnhof (auch Kaiserpavillion genannt) mit der dazugehörigen Bahnstrecke zählt, aus historischer Sicht, zu den bedeutendsten Bauwerken der Region.  Auf Anweisung von Kaiser Wilhelm ll. wurde der Bahnhof “Werbellinsee” errichtet und von 1898-1918 zur bequemen Anfahrt zum Jagdschloss “Hubertusstock” genutzt. Im gleichen Baustil lud auf dem Bahnhofvorplatz die Gaststätte “St. Hubertus” zum Verweilen und Genießen ein.
(https://zum-kaiserbahnhof.de/geschichte/)

Kaiserbahnhof

"Um von der Hauptstadt in die Schorfheide oder direkt nach Joachimsthal zu kommen, musste man in Britz (1842) bei Eberswalde auf die Kutsche umsteigen. Das galt sogar für den Kaiser. Mit dem Bau der Nebenstrecke Britz-Joachimsthal-Templin-Fürstenberg wurde es vor allem für die kaiserliche Reise zur Jagd wesentlich komfortabler. Hier nahe beim Werbellinsee errichtete man einen Bahnhof, den es so zwischen Berlin und der Schorfheide kein zweites Mal gibt. Dieser wurde im Jahr 1898 eingeweiht. Kaiser Wilhelm der II sorgte dafür, dass eine Bahnstation auch für den Hof und die Staatsgäste entstand. Diese Station erhielt den Namen Bahnhof Werbellinsee (der im Volksmund schon immer Kaiserbahnhof hieß). Joachimsthal erhielt einen zweiten Bahnhof in der Stadt selber.

Der Kaiserbahnhof ist eine in Anlehnung an Schloss Hubertusstock im nordischen Landhausstil errichtete Anlage. Sie besteht aus dem in Sichtfachwerk erbauten Empfangsgebäude für den Kaiser (dem sogenannten Kaiserpavillon), dem Stationsgebäude, den Toilettenhäuschen und dem Hotel und Gasthaus St. Hubertus. Dieses Gasthaus brannte 1950 ab und ist durch einen Massivbau ersetzt worden und dient heute auch als Gaststätte. 

1914 war der Kaiser das letzte Mal hier. In den 20er und 30er Jahren war der Kaiserpavillon dann eine Ausflugsgaststätte, hauptsächlich für Berliner. Nach dem Krieg wurden hier Flüchtlinge untergebracht und Ende der 40er Jahre Dienstwohnungen für Bahnangestellte eingerichtet.

2004 kaufte die Stadt Joachimsthal den Kaiserbahnhof und begann ihn in mehreren Schritten zu sanieren.

Die Bauten sind weitgehend original erhalten. Trotz vorgenommener Einbauten ist auch die Empfangshalle mit ihrer Innenkonstruktion und den Farbfassungen bewahrt geblieben. Bisher sind weder der Architekt noch der Dekorationsmaler bekannt. Selbst das Bahnsteigmosaikpflaster aus dem Jahre 1898 ist nahezu unverändert.

Heute dient der Kaiserbahnhof als Kulturbahnhof und als beliebter Trauungsort. Er trägt den Namen " Erster Deutscher Hörspielbahnhof " seit 2006. Hier finden während der Sommermonate eine Hörspielsaison  mit einem abwechslungsreichen Programm für Kinder und Erwachsene, sowie Lesungen statt. Zwischen Ostern und September ist der historische Bahnhof von Freitag bis Sonntag für jedermann frei zugänglich, nur Führungen sind kostenpflichtig.

Das Stationsgebäude, wo früher die Fahrkarten verkauft wurden, hat der verstorbene Künstler Holger Barthel gekauft und es liebevoll restauriert. Leider ist die Galerie geschlossen."  (https://www.amt-joachimsthal.de/verzeichnis/visitenkarte.php?mandat=128568 2019-12-29)

(Foto: www.amt-joachimsthal.de, Bild 1 Kaiserbahnhof)

(Foto: www.amt-joachimsthal.de, Bild 2 Kaisersaal)

(Foto: www.amt-joachimsthal.de, Bild 3, ehemaliges Stationsgebäude)

Der Stadtpark

Stadtpark, östlicher Eingang

(1900, ohne Quelle) 

Der Harzer Naturparkpreis wurde 2005 vom Regionalverband Harz verliehen an den Landschaftspark Degenershausen/Nahe der Stadt Falkenstein.
Weiterer Wettbewerbsteilnehmer war u.a. Bad Sachsa; aus der Bewerbung:

 

"Historische Gärten und Parks sind unverzichtbare Bestandteile unseres Kulturgutes. Sie bestimmen die Vielfalt und Unverwechselbarkeit von Städten und Gemeinden mit. In Bad Sachsa ist es der Stadtpark, der vor mehr als 100 Jahren auf private Initiative aus einem Dorfanger entstand. Der Holzindustrielle Louis Deibel, 1856 in Gelsenkirchen geboren, kam um die Jahrhundertwende nach Sachsa, wo er für seine Familie ein neuerworbenes Haus, nach seiner Tochter später "Villa Nora" genannt, im damals modernen Jugendstil durch die hannoverschen Architekten Fastje und Schaumann umbauen ließ und einen großzügigen Garten anlegte. Durch unverschuldeten Konkurs musste Deibel Haus und Grundstück 1928 an die Stadt abtreten. In der beispielhaft renovierten Villa ist heute das Rathaus untergebracht. Der Garten, ein jedermann zugänglicher Stadtpark, wird derzeit in Anlehnung an die ursprüngliche Gestaltung unter Einsatz moderner Elemente mit viel Fingerspitzengefühl durch das Architekturbüro Probst zu neuem Leben erweckt. Die beiden Teiche des Parks wurden renaturiert, der durch Blitzeinschläge und Unwetter beeinträchtigte hundertjährige Baumbestand durch die Nachpflanzung exotischer Gehölze ergänzt, zeitgemäße Leuchten und Poller aufgestellt und eine attraktive kleine Bogenbrücke für Fußgänger entworfen. Teehaus, Treppenanlagen und historisches Mühlrad stehen als nächstes zur Neugestaltung an. Die Stadt Bad Sachsa hat den Wert des einzigartigen Ensembles aus Jugendstilvilla und Park erkannt und diesem Kleinod des Harzes durch behutsame Eingriffe Zukunft gegeben - zum ästhetischen Genuss für Gäste und Einheimische." (www.harzregion.de, 10.12.2021).

Situation der Schulstr. Nr. 1 bis 4 in 1906

(StABS XII.n.16) 


Entwurf

Situation der Schulstr. Nr. 1 bis 4 in 1906

(1921, ) 

Entwurf