Aufstieg und Fall der Stadt Sachsa, Teil I:

Vom Handwerkerstädtchen zum mondänen Kurort....

...in Bearbeitung...


Die Entwicklung Sachsas vom Ackerbürgerstädtchen zum Kurort, der sich um 1880 inoffiziell schon „Bad“ nannte und diesen Titel ab 1905 auch offiziell führen durfte, setzte gegen Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Sie wurde durch den Bahnanschluss ab 1869 zunächst in „Tettenborn-Sachsa“, ab 1896 mit eigener, wenn auch etwas auswärts liegender Haltestelle an der Strecke Northeim – Nordhausen beschleunigt, denn erst dadurch war es möglich, dass Gäste in größerer Zahl bequem anreisen konnten. 

Eine wichtige Rolle hierbei spielte seit 1848 auch der 660 m hohe Ravensberg. 

Gezielte Werbung in gut betuchten Kreisen betrieb man ebenfalls. Der Aufschwung machte sich alsbald im Stadtbild durch die Umwandlung von Gebäuden zu Kureinrichtungen und durch Neubauten für Gäste bzw. von Menschen, die sich der guten Luft wegen dauerhaft in Bad Sachsa niederließen, rasch bemerkbar. 

 

 

Aufstieg und Fall der Stadt Sachsa, Teil II: 

Vom mondänen Kurort zur klammen Gemeinde...

...

...in Bearbeitung...




 

Die Gesundheitsgesetzgebung mit dem
Haushaltsbegleitgesetz 1983 (Einführung der Zuzahlung zur Kur: 10 DM/Tag), dem
Gesundheitsstrukturgesetz 1997 (Budgetierung der Kassenausgaben) sowie dem 
Beitragsentlastungsgesetz 1997 (Verkürzung der Kur von 4 auf 3 Wochen, Verdoppelung der Zuzahlung von 12 auf 25 DM/Westdeutschland sowe 9 auf 20 DM/"Neue Länder"), veranlaßten diverse Träger von Kurheimen, diese zu schließen und zu verkaufen.
Bad Sachsa verlor in den 1990er Jahren mehr als 10 große Häuser
mit jeweils ca. 50 Arbeitskräften (mit Familien ein Aderlaß von rund 1.000 Menschen bei einer Bevölkerung von 9.000 Einwohnern!)
Dieser Verlust an Kaufkraft konnte durch die Umstellung der hiesigen Gastgeber und städtischen Bereiche vom Kur- auf den neuzeitlichen Gast noch nicht vollständig kompensiert werden.
Die folgende Aufstellung über die Kurtaxe-Einnahmen des Jahres 1963 ff mag verdeutlichen, welches Gewicht der Kurbetrieb in unserer Stadt spielte (insbesondere, wenn man bedenkt, daß es aus Infrastrukturgründen und mangels Bodenschätzen keine industrielle Fertigung gab, gibt und geben kann/wird!). Allein die Kinderheime haben damals einen Beitrag von 6.500 DM an Kurtaxe in die Stadtkasse gespühlt; und deren tatsächliche Bedeutung der AOK-Klinik wie auch des Reichsbundheimes mit zusammen rund 50.000 DM wird deutlich: sie haben 18 % der Gesamteinnahmen ausgemacht. Auch die Privatkurgäste, zum einen tatsächliche Kurgäste, welche die ambulante Badekur vor Ort in Anspruch genommen haben, zum anderen die Besucher der Kurgäste (deren Kinder, Eltern, Ehepartner) haben mit 120.000 DM den Löwenanteil beigetragen und den vielen kleinen Privatvermietern ein Zubrot gebracht wie auch Existenzen ermöglicht. Viele der bereits in die Jahre gekommenen großen Villen hatten einen Nutzen und konnten wieder hergerichtet werden.

Kurtaxe-Einnahmen 1963

Heime, Sanatorien, LVA Hannover, Versorgungamt Hannover, Reisebüros, Kinderheime

Einrichtungen

AOK Hildesheim
Reichsbundheim
Volkswagenwerk A: Katzenstein
Volkswagenwerk B: Seeblick
Reisebüros: allgemein:
Reisebüros: Wolters, Bremen
Kronbergs Sanatorium
LVA Hannover, Haus Frohsinn
LVA Hannover, Haus Dorothee
AWO, Haus Westfalen
Kinderheim Bergfrieden
Kinderheim Borntal
Kinderheim Warteberg
Kinderheim Konsul Albert-Heim
Kinderheim Krüsmann
Kinderheim Kern
Kinderheim Lüding
BHW, Haus Bismarck
Haus Bergsegen
Sozialwerk, Haus Ursula
Hirnverletzten-Kurheim
Bundesbahn-Kurheim
Ev. Schwesternschaft, Hoheneck
Borntal (Erwachsene)
Komba, Berghaus Eulingswiese
Verschiedenes
_________________________________
Summe
plus Privatkurgäste (Barzahler)
_________________________________
Gesamt-Summe 1963
Gesamt-Summe 1962
Gesamt-Summe 1961

in DM

  33.300
  16.900
    8.600

    7.500
  14.500
       750
  15.000
    8.700
    4.300
    8.900
    1.900
    1.600
    1.300
       650
       500
       400
       200
    5.900
    4.800
    4.500
    4.400
    3.000
    2.600
    2.400
    2.200
       400

165.000
120.000

285.000
283.000
280.000

Adresse

Pfaffenberg 18
Am Kurpark 1-3
Katzenstein
Bismarckstr. 25


Eulingswiese 2
Brandstr. 4
Parkstr. 1
Waldsaumweg 20
Steinaer Str. 24
Borntal 1-7
Steinaer Str. 30
Gartenstr. 2
Steinaer Str. 13
Walkenrieder Str. 1
Bahnhofstr. 54
Bismarckstr. 18
Am Kurpark 4
Moltkestr. 10
Moltkestr. 4
Otto Kaiser-Weg 3
Pfaffenberg 3
Borntal 1-7
Eulingswiese 1

Nutzung Heute (2021)

Leerstand (AOK, Paracelsus).
Göbel`s Vital-Hotel.
Eigentum-Wohnanlage.
Leerstand; in Teilen selbstgenutzt


Harz-Weser-Werkstätten.
Leerstand (Breslauer Hof).
abgerissen, Wohnanlage. 

Leerstand; in Teilen selbstgenutzt
Leerstand (Dr. Wilhelm).
Leerstand (Campingplatz).
Mietwohnungen.
Seniorenheim.
Private Nutzung.
abgerissen, EFH (wohl seit 1976).
Private Nutzung.
Leerstand (Option Hotel).
Leerstand (private Renovierung).
Pensionsbetrieb.
Privat, Nebenerwerb Pension.
Seniorenheim.
Privat, Nebenerwerb Ferienwhg.
Leerstand (Campingplatz).
Leerstand, privat gering genutzt.

 

 

Neuausrichtung und Aufstieg Stadt Sachsa, Teil III: 


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...in Bearbeitung...


Villen hatten einen Nutzen und konnten wieder hergerichtet werden.

 

 

Aufstieg und Fall der Stadt Sachsa, Teil II: 

Vom mondänen Kurort zur klammen Gemeinde...

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...in Bearbeitung...




 

Die Gesundheitsgesetzgebung mit dem
Haushaltsbegleitgesetz 1983 (Einführung der Zuzahlung zur Kur: 10 DM/Tag), dem
Gesundheitsstrukturgesetz 1997 (Budgetierung der Kassenausgaben) sowie dem 
Beitragsentlastungsgesetz 1997 (Verkürzung der Kur von 4 auf 3 Wochen, Verdoppelung der Zuzahlung von 12 auf 25 DM/Westdeutschland sowe 9 auf 20 DM/"Neue Länder"), veranlaßten diverse Träger von Kurheimen, diese zu schließen und zu verkaufen.
Bad Sachsa verlor in den 1990er Jahren mehr als 10 große Häuser
mit jeweils ca. 50 Arbeitskräften (mit Familien ein Aderlaß von rund 1.000 Menschen bei einer Bevölkerung von 9.000 Einwohnern!)
Dieser Verlust an Kaufkraft konnte durch die Umstellung der hiesigen Gastgeber und städtischen Bereiche vom Kur- auf den neuzeitlichen Gast noch nicht vollständig kompensiert werden.
Die folgende Aufstellung über die Kurtaxe-Einnahmen des Jahres 1963 ff mag verdeutlichen, welches Gewicht der Kurbetrieb in unserer Stadt spielte (insbesondere, wenn man bedenkt, daß es aus Infrastrukturgründen und mangels Bodenschätzen keine industrielle Fertigung gab, gibt und geben kann/wird!). Allein die Kinderheime haben damals einen Beitrag von 6.500 DM an Kurtaxe in die Stadtkasse gespühlt; und deren tatsächliche Bedeutung der AOK-Klinik wie auch des Reichsbundheimes mit zusammen rund 50.000 DM wird deutlich: sie haben 18 % der Gesamteinnahmen ausgemacht. Auch die Privatkurgäste, zum einen tatsächliche Kurgäste, welche die ambulante Badekur vor Ort in Anspruch genommen haben, zum anderen die Besucher der Kurgäste (deren Kinder, Eltern, Ehepartner) haben mit 120.000 DM den Löwenanteil beigetragen und den vielen kleinen Privatvermietern ein Zubrot gebracht wie auch Existenzen ermöglicht. Viele der bereits in die Jahre gekommenen großen Villen hatten einen Nutzen und konnten wieder hergerichtet werden.

"Bad Sachsa zwischen Hoffen und Bangen 

(Dr. Horst Gundlach: Die deutsch-deutsche Grenze im Südharz, Eigenverlag 2009, ISBN 978-3-00-026357-6, S. 5-10)
 
In Bad Sachsa war der amerikanische Stadtkommandant ein Major Philippsborn, der den NS-unbelasteten Willi Müller zum Bürgermeister ernannte. Zwischen beiden entwickelte sich schnel ein für die Stadt nützliches Verhältnis. Major Philippsborn setzte seine Verbindungen ein und gewährte der mit Flüchtlingen überbevölkerten Stadt Hilfe bei der Beschaffung lebensnotwendiger Artikel.
Anfang Julie 1945 räumten die amerikanischen Streitkräfte die von ihnen eroberten Gebiete westlich der Elbe. Sie folgten damit der mit den Sowjets getroffenen Vereinbarung, der zufolge der östlich der alten Landesgrenzen zwischen Preußen und Hannover-Braunschweig liegende Teil Deutschlands sowetisches Interessengebiet war.
Dazu gehörte auch der Kreis Grafschaft Hohenstein mit Nordhausen als Zentrum. Die Orte Bad Sachsa und Tettenborn, deren Gebiet Teil des Kreises Grafschaft Hohenstein (Nordhausen) war, hätten damit ebenfalls in die sowjetische Besatzungszone einbezogen werden sollen.
Am 3. Juli 1945 verließen die Amerikaner auc das Vorharzgebiet. Bereits am Vortag hatten britische Einheiten in Walkenried, das zum britischen Interessengebiet gehörte, die abziehenden Amerikaner abgelöst. Der Kreis Osterode  mit seiner Gemeinde Steina war ebenfalls der britischen Militärverwaltung unterstellt worden. Die Einwohner von Bad Sachsa erwarteten nun, dass auch ihre Stadt von britischem Militär besetzt würde. Aber Bad Sachsa blieb zunächst ohne jegliche Besatzung. Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, insbesondeere mit Milch und Butter, aus dem bisher zuständigen Kreis konnte zunächst weiterhin aufrecht erhalten werden.
Auf östlicher Seite hatten auch die Sowjets die von den Amerikanern geräumten Gebiete zügig in Besitz genommen und waren etwa bis zur vereinbarten Demarkationslinie vorgestoßen. Bereits am 3. und 4. Juli 1945 hatten sie u.a. die Ortschaften Branderode mit der zugehörigen Kutzhütte, Obersachswerfen, Klettenberg und wahrscheinlich in diesen oder in den nächsten Tagen auch Neuhof und Tettenborn (5. Juli ?) ihrer Kotrolle unterstellt.
Am 8. Juli besetzten überraschend britische Einheiten die Bahnlinie zwischen Walkenried und Osterhagen und sperrten im Bereich der Bahnübergänge die Straßen von Bad Sachsa nach Tettenborn und nach Neuhof. Bad Sachsa verlor damit den freien Zugang zu seiner bisherigen Kreistadt und war von der für die Bevölkerung notwendigen Versorgung abgeschnitten. Durch sofortige Intervention beim britischen Ortskommandanten in Walkenried konnte der Sachsaer Bürgermeister erreichen, dass wenigstens das Milchauto zur Molkerei Klettenberg (vielfach auch Bezeichnung "Clettenberg") die Sperren passieren durfte. Das war auch bis zum Morgen des 10. Juli möglich. Am Nachmittag sperrten dann überraschend russische Posten die Zufahrt zur Molkerei Klettenberg. Die britischen Truppen haten die Bahnlinie im Bereich der Bahnhöfe von Bad Sachsa und Tettenborn wieder räumen müssen.
Noch am gleichen Tag versuchte der Bürgermeister von Bad Sachsa, Willi Müller, bei den zuständigen Stellen in Braunlage eine Lösung für die Versorgung der Bevölkerung von Bad Sachsa zu erreichen, was ihm aber offensichtlich dort nicht gelang. Am folgenden Tag, Mittwoch, den 11. Juli, fuhr er in Begleitung einiger Bürger zum Landrat nach Osterode, um nunmehr hier um Hilfe für die von ihrer Versorgung vollständig abgeschnittene Stadt Bad Sachsa zu bitten. Der Landrat von Osterode, Prof. Ziegler, erreichte dann die Zustimmung der britischen Militärverwaltung, dass die Versorgung von Bad Sachsa bis zur Klärung der Zuständigkeit von Osterode aus erfolgen konnte. Auf der Rückfahrt traf die Abordnung in Steina auf geflohene Sachsaer Bürger und fand auf dem Warteberg eine britische Straßensperre vor. Eine weitere Strassensperre hatten die Briten an der Ortsgrenze in Richtung Walkenried/Wieda errichtet. Die Bevölkerung schloss aus diesen Maßnahmen, dass nunmehr Bad Sachsa vom sowjetischen Militär besetzt würde. Da den sowjetischen Soldaten ein schlechter Ruf vorausging, flohen ängsliche Bewohner der Stadt unter Umgehung der britischen Straßensperren vorwiegend durch das Salztal in das benachbarte Steina.

 

Als am folgenden Tag eine Besetzung der Stadt durch die Russen nicht erfolgte, wiederum kein Milch zur Verfügung stand und auch keine Nährmittelvorräte mehr vorhanden waren, versuchte der Bürgermeister in Begleitung einiger Bürger beim russischen Kommandanten in Tettenborn wenigstens eine Freigabe des Weges zur Molkerei Klettenberg zu erreichen. Der Versuch scheiterte kläglich. Die Sachsaer Abordnung kehrte ohne Auto und ohne persönliches Bargeld unverrichteter Dinge zurück. 

Noch am gleichen Tag nahm Willi Müller Verhandlungen mit den britischen Militärbehörden in Osterode auf und erreichte, dass die vorläufige Versorgung aus dem Kreis Osterode nochmals zugesagt und bestätigt wurde.
Nach mehreren Zeugenberichten errichteten die sowjetischen Einheiten, die möglicherweise schon einige Tage in Neuhof und Tettenborn stationiert waren, ebenfalls Sperren an den nach oder aus Bad Sachsa führenden Straßen. Sowjetische Posten sperrten mit Schlagbäumen die Steinaer, die Walkenrieder und die Bahnhofstraße sowie die Straße von Tettenborn oberhalb der Kolonie und die Straße zwischen Tettenborn und Nüxei. In Neuhof soll die russische Einheit in Stärke von 15 bis 20 Mann in der heutigen Gaststätte <Zur Linde> einquartiert gewesen sein, und der Kommandant in einem der besseren Wohnhäuser in der Langen Straße. In Tettenborn hatte die sowjetische Truppe die Gaststätte <Deutsche Eiche> (Bergmann) als Quartier beschlagnahmt sowie ein Kommando in zwei Gebäuden im Fliederweg in der Kolonie untergebracht. Die russischen Einheiten hatten bis auf ein oder zwei Jeeps des Kommandanten in Neuhof und einige einspännige Pferdewagen (Panjewagen) keine Transportmittel zur Verfügng; die Soldaten gingen zu Fuß zu ihren Postenpunkten. Übergriffe auf die deutsche Bevölkerung soll es, bis auf die Requirierung von Fahrrädern, in den Stationierungsorten nicht gegeben haben.
Bad Sachsa war zwar von britischen und sowjetischen Soldaten abgeriegelt, aber frei von jeglicher Besatzung. Trotzdem weilten ständig britische und sowjetische Offiziere in der Stadt, die sich über die örtliche Situation im Falle einer für sie maßgeblichen Besetzung von Bad Sachsa informieren wollten.
Die Äußerung eines sowjetischen Oberst anlässlich der Besichtigung des Postgebäudes, dass er in wenigen Tagen einrücken würde, führte wiederum zu einer Zunahme des Flüchtlingsstroms in das britische Interesengebiet. Einige der russischen Posten von den Straßensperren zogen plündernd durch Bad Sachsa. In einem von Willi Müller erwähnten Fall, konnten plündernde Russen mit Hilfe von vier englischen Soldaten nach Tettenborn zurückgeschickt werden. Auch der Versuch eines kleineren russischen Kommandos, für eine vorgesehene Einquartierung größere Strohmengen in der Turnhalle des Pädagogiums einzulagern, soll durch herbeigerufenes britisches Militär verhindert worden sein.
Nachdem nunmehr Osterode für die Versorgung von Bad Sachsa zuständig war, holte der Milchwagen Milch und Butter von der Molkerei Bartolfelde. Oftmals musste die Stadt Hilfe leisten und die Buttertransporte von Hannover zur Molkerei organisieren.
Die Versorgung stellte nach wie vor ein großes Problem dar, konnte aber durch den Einsatz Sachsaer Geschäftsleute, die sich selbst um die Beschaffung kümmerten, merklich abgeschwächt werden.
Da die Briten die Eisenbahnlinie und die durchgehenden Straßen in den südlichen Teil ihres Besatzungsgebietes sowohl für die Verbindung zu ihren dort stationierten Einheiten als auch für die Versorgung der Bevölkerung und für die Abfuhr des ihnen als Reparationsleistung zugesprochenen Holzes aus dem Harz benötigten - damals gab es noch die Eisenbahnverbindung zwischen Walkenried und Braunlage -, kam es am 12. Juli 1945 zu einem Gebietsaustausch. Die Sowets erhielten als Ausgleich für das Gebiet um Bad Sachsa den in ihre Zone hineinreichenden Teil des Kreises Blankenburg.
Das getroffene Abkommen wurde am 30. Juli 1945 durch den Kontrollrat ratifiziert. Die veränderte Demarkationslinie, die von nun an südlich von Tettenborn verlief, wurde von den Sowjets durch weiß markierte Holzpfähle gekennzeichnet und die grenzüberschreitenden Straßen wurden durch quer gelegte Baumstämme und Schlagbäume gesperrt.

Am 23. Juli 1945 und in den nachfolgenden Tagen verließen die sowjetischen Einheiten Bad Sachsa, Tettenborn, Neuhof und die Kutzhütte sowie die zu Walkenried gehörende Domäne Wiedigshof und die Juliushütte. Die Schlagbäume und die Wachunterstände an den Straßensperren wurden von Bauern mit Pferdefuhrwerken abtransportiert und von den Russen an anderer Stelle wieder aufgebaut.
Die Orte Bad Sachsa, Tettenborn und Kutzhütte waren von nun an Teil des britischen Interessenbebietes. Neuhof gehörte, obwohl es von den Sowjets besetzt worden war, entsprechend den allierten Vereinbarungen ohnehin dazu.
Auf Antrag der Bürgermeister wurden Bad Sachsa und Tettenborn mit Wirkung vom 23. Juli 1945 durch den Regierungspräsidenten von Hildesheim in den Landkreis Osterode eingegliedert.

Das Bangen hatte ein Ende, für das Hoffen auf eine friedliche und bessere Zukunft waren die Weichen gestellt.
Quellen:
Handschriftliche Aufzeichnungen des damaligen Bürgermeisters Willi Müler. Akten der Archive von Bad Sachsa und Osterode; Manfred Bornemann: UNSER HARZ Nr. 10, 2004, S. 183 ff; Bericht von Zeitzeugen aus Bad Sachsa, Tettenborn, Neuhof und Walkenried."

"Betr.:                                                                  Bad Sachsa und Tettenborn an die Brit. Besatzungszone 

(Gespräch mit Frau Müller am 14. März 1984, geführt von Jochen Rehren. Maschinegeschriebe-nes Skript im StABS. 2011, Foto, Photograph: Ralph Boehm)
 
Offenbar 1945 findet in Osterode eine Gerichtsverhandlung gegen eine fast 80jährige Sachsaerin statt, an der als Richter ober Beisitzer ein britischer Offizier schottischer Herkunft teilnahm; dieser lernte bei dieser Gelegenheit Willi Müller aus Bad Sachsa kennen, der zugunsten der Beschuldigten aussagte. (W. M. war damals Bürgermeister, nocht nicht Stadtdirektor!)

Zu einem späteren Zeitpunkt machte Willi Müller anhand einer Karte dem für Bad Sachsa zuständigen britischen Offizier klar, daß die Briten in Zukunft (insbesondere im Winter) Schwierigkeiten bekommen würden, wenn sie IHRE Stadt Braunlage und IHRE Dörfer Neuhof, Wieda, Zorge und Hohegeiß erreichen wollten, weil die durch ihre Besatzungszone führende Bahnlinie Northeim - Walkenried zwischen dem Römerstein und Bhf. Sachsa unterbrochen sei! Diese Argumente leuchteten dem brit. Offizier offenbar ein; er fuhr bald darauf zu einer vorgesetzten Dienststelle, wo er diese Gedanken vorbrachte und W. Müler als seinen Gewährsmann nannte; dabei bekam er unerwartet Assistenz durch den ebenfalls anwesenden, aus Schottland stammenden Offizier. Die Folge: die Briten verlangen Bad Sachsa und Tettenborn und bekommen das Gewünschte.

Diese Darstellung gab Frau Elsa Müller geb. Ferch. Sie war 1940 nach Bad Sachsa gekommen und arbeitete im Kinderheim der NSV im Borntal; sie heiratete 1946 den geschiedenen Willi Müller. 
(Gespräch mit Frau Müller am 14. März 1984).
J. Rehren (Unterschrift)".

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